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Georg zur Lippe will Namen der betroffenen Güter wissen

Weinskandal Georg zur Lippe will Namen der betroffenen Güter wissen

Die sächsische Winzerschaft kommt nicht zur Ruhe. Auch sechs Monate nach Bekanntwerden des Weinskandals ist die Sache nicht vom Tisch. Dass noch immer nur drei von mindestens sechs Kellereien mit belasteten Weinen öffentlich bekannt sind, verunsichert die Verbraucher und hat nun Georg Prinz zur Lippe auf den Plan gerufen.

Georg Prinz zur Lippe fordert von sächsischen Behörden, sie müssen die Namen der in den Weinskandal verwickelten Betriebe öffentlich nennen. Ungewissheit stelle alle Winzer unter Generalverdacht.

Quelle: Lars Müller

Meißen. Die sächsische Winzerschaft kommt nicht zur Ruhe. Auch sechs Monate nach Bekanntwerden des Weinskandals ist die Sache nicht vom Tisch. Dass ein Sonderprüfungsprogramm des Landes keinen Schlussstrich ziehen kann, stand außer Frage. Dass allerdings noch immer nur drei von mindestens sechs Kellereien mit belasteten Weinen öffentlich bekannt sind, verunsichert die Verbraucher und hat nun Georg Prinz zur Lippe auf den Plan gerufen. Der Betreiber von Sachsens größtem Privatweingut sagte auf Anfrage: „Ross und Reiter müssen meiner Meinung nach in der Öffentlichkeit klar und vollständig benannt werden.“ Nur so könnte der Generalverdacht gegen alle sächsischen Winzer abgewehrt werden. Obwohl sein Weingut Schloss Proschwitz gar nichts mit der Affäre zu tun habe, wie er betont, bekäme der Betrieb die Zurückhaltung der Kunden zu spüren und müsse allerlei Fragen beantworten. An die zuständigen Überwachungsbehörden gerichtet, sagt der Unternehmer: Sie hätten eine Informationspflicht nach Paragraf 40 des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch.

Dort steht, dass die zuständige Behörde die genaue Bezeichnung der betroffenen Ware und den Betrieb nennen „soll“, wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen – etwa dann, wenn „Umstände des Einzelfalles die Annahme begründen, dass ohne namentliche Nennung des zu beanstandenden Erzeugnisses und erforderlichenfalls des Wirtschaftsbeteiligten oder des Inverkehrbringers, unter dessen Namen oder Firma das Erzeugnis hergestellt oder behandelt wurde oder in den Verkehr gelangt ist, erhebliche Nachteile für die Hersteller oder Vertreiber gleichartiger oder ähnlicher Erzeugnisse nicht vermieden werden können.“

Kurz: Wer durch eigenes Fehlverhalten oder das Fehlverhalten von Zulieferern Mitbewerbern schadet oder auch nur schaden könnte, soll genannt werden. Das sei, so Weingutssprecherin und Unternehmergattin Alexandra Prinzessin zur Lippe, nur allzu logisch: Nur dann, wenn die Weinkonsumenten wüssten, in welchen Betrieben belastete Weine liegen, könnten sie sich bewusst für oder gegen bestimmte Weine oder Betriebe entscheiden.

Nachhaltige Schädigung des guten Rufs

Die Behörden schließen bislang gesundheitliche Beeinträchtigungen mit Verweis auf die geringen Mengen nachgewiesener Rückstände aus und sehen deshalb keinen Grund, die in den Skandal verwickelten Betriebe zu nennen. Alexandra zur Lippe sagte, die Zeit dränge, dass der Weinskandal endlich ein Ende finde. Andernfalls drohe die gesamte Aufbauarbeit der vergangenen 25 Jahre im sächsischen Weinbau und der nach ihren Angaben gute Ruf des sächsischen Weins nachhaltig beschädigt zu werden. Das Prädikatsweingut Schloss Proschwitz versteht sich als Vorreiter und Vorbild sächsischer Weingüter und als überregionaler und sogar internationaler Botschafter für Sachsenwein. Es sei für die gesamte Branche „verheerend“, dass die betroffenen Kellereien und ihre belasteten Weine nach einem halben Jahr noch immer nicht alle bekannt sind.

Nichtsdestotrotz will Schloss Proschwitz derzeit aber nicht juristisch die Nennung der Betriebe erwirken. „Wir gehen aber davon aus, dass nun Bewegung in die Sache kommt“, so Unternehmenssprecherin zur Lippe. Offenbar vermutet man bei Schloss Proschwitz, dass das Wort des adeligen Unternehmers mehr Gewicht hat, als jenes anderer Winzer.

Lange vor zur Lippe hatten sich schon mehrere, ebenfalls gestandene Winzer vergeblich öffentlich über Medien gemeldet und an ihre betroffenen Kollegen appelliert, sich zu erkennen zu geben. Auch zur Lippe hatte sich wiederholt für eine transparente Aufklärung ausgesprochen. So begrüßte der Unternehmer, dass ab dem Jahrgang 2016 alle Prädikats- und Qualitätsweine amtlich auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln kontrolliert werden, wie er sagte. „Als Weinproduzent stehen für mich Sicherheit und Vertrauen des Verbrauchers ganz vorne an.“

Im Landratsamt scheint man von zur Lippes neuerlichem Vorstoß gänzlich unbeeindruckt zu sein und hat den Forderungen bereits eine klare Abfuhr erteilt: „Wir werden keine Unternehmen öffentlich nennen“, betonte die Sprecherin des Landratsamtes, Kerstin Thöns. Das Amt schweift damit von seiner bisherigen Linie kein Stückchen ab. Es seien dem Landkreis auch gar nicht alle Namen der mutmaßlichen Verursacher, also der Traubenerzeuger, bekannt, hieß es. „Unsere Aufgabe ist der Verbraucherschutz, und der war zu jedem Zeitpunkt gegeben“, so die Kreissprecherin.

Die betroffenen Kellereien sollten selbst die Öffentlichkeit informieren, wenn alle offenen Fragen geklärt seien, hieß es. Ob diese Taktik aufgeht, ist fraglich. Immerhin hatten sich die drei Betriebe, die bisher bekannt sind, teilweise auch erst nach mehrfachen Rechercheanfragen von Medien eher zähneknirschend „geoutet“ – dann, als es sich auch nicht mehr leugnen ließ.

Andere Winzer wiederum wollen offenbar gar nicht alles wissen, lieber das Mäntelchen des Schweigens über die ganze Sache legen und weiterhin von einer heilen Weinwelt in Sachsen träumen, als sei nie etwas schief gelaufen. Mitunter fehlt jegliches Verständnis für die intensivierten Kontrollen der Behörden. Das öffentlich sagen, wollte auf Anfrage aber niemand. Auch das Staatsweingut Schloss Wackerbarth wollte den aktuellen Vorstoß des Prinzen nicht kommentieren. Man könne auf die Schnelle dazu nichts sagen, erklärte Unternehmenssprecher Martin Junge am Freitag auf Anfrage.

Keine Gefahr durch belastete Weine

Landkreissprecherin Thöns teilte unterdessen mit, inzwischen habe nach ihrer Kenntnis auch die Winzergenossenschaft Meißen erste Weine vernichtet. Jan Ulrich hatte bereits im Mai in aller Öffentlichkeit die beiden in seiner Kellerei belasteten Weine in eine Klärgrube gebracht und damit reinen Tisch gemacht. Winzer und Küfermeister Stefan Bönsch will seine gut 200 Liter mit Spuren eines unerlaubten Fungizids kontaminierten Rebensafts selbst verbrauchen, hatte die zuständige Stadtverwaltung von Dresden mitgeteilt. Das sächsische Verbraucherschutzministerium geht weiterhin nicht davon aus, dass von belasteten Weinen eine Gefahr drohe. Die betriebliche Sperrung werde behördlich überwacht. „Die Entsorgung wird nicht amtlich angeordnet, jedoch ist der Unternehmer der gesperrten Weine verpflichtet, über deren Verbleib zu informieren und das auch zu belegen“, so Sprecherin Katja Naumann. In der Praxis bedeute dies, dass Entsorgungsnachweise inklusive Mengen vorgelegt werden müssten und von den Ämtern auch nachgeprüft würden. „Unerlaubte Verschnitte werden auf dieser Basis von hier aus als unwahrscheinlich eingeschätzt“, erklärte die Sprecherin aus dem Ministerium auf konkrete Nachfrage.

Insgesamt haben nach jetzigem Stand bis zu neun Traubenerzeuger im sächsischen Anbaugebiet offenbar unerlaubte Pflanzenschutzmittel eingesetzt und damit nach Erkenntnissen des Landwirtschaftsministeriums in Dresden mehr als 500 000 Liter Wein in fünf Kellereien verunreinigt. Der Dresdner Winzer Bönsch als sechster Betrieb hat seinen Schaden selbst verursacht, weil er pflichtwidrig ein nicht eindeutig deklariertes Fungizid aus Beständen eines Vorbesitzers auf neu übernommenen Rebflächen angewendet hatte. Gegenüber den Behörden hatte er den Fehler eingeräumt und zwischenzeitlich auch öffentlich bedauert. Trotzdem droht ihm nach Behördenangaben ein Bußgeld.

Von Lars Müller

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