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Geld kommt spät: Nach Bränden in Asylheimen Ärger mit Versicherungen

Verzögerung Geld kommt spät: Nach Bränden in Asylheimen Ärger mit Versicherungen

Eigentümer von mitteldeutschen Asylunterkünften, denen hohe Kosten durch Brandanschläge entstanden sind, müssen lange auf Entschädigung warten. Meist wird der Täter nicht ermittelt – nur jeder vierte Fall bundesweit wird aufgeklärt. Versicherer wollen die Schäden erst nach Ende der polizeilichen Ermittlungen begleichen.

Im April 2015 brannte in Tröglitz eine geplante Asylunterkunft. Bis heute ist der Schaden noch nicht reguliert.

Quelle: dpa-Zentralbild

Dippoldiswalde. Eigentümer von mitteldeutschen Asylunterkünften, denen hohe Kosten durch Brandanschläge entstanden sind, müssen lange auf Entschädigung warten. Meist wird der Täter nicht ermittelt – nur jeder vierte Fall bundesweit wird aufgeklärt. Versicherer wollen die Schäden erst nach Ende der polizeilichen Ermittlungen begleichen – doch das kann lange dauern, wie betroffene Eigentümer aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erfahren mussten.

Neun Monate nach einem Brandanschlag auf seine 68 Wohncontainer wartet Unternehmer Hendrik Schwarz aus Dippoldiswalde (Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) noch immer auf das Geld der Versicherung. In der Nacht vom 31. Oktober 2015 brannten die Gebäude, die er dem Landkreis zur Unterbringung von Flüchtlingen verkaufen wollte, komplett nieder Von den Tätern fehlt jede Spur. Schwarz, der damals noch seine Firmenzentrale in den Containern hatte, konnte diese nicht verkaufen, musste in andere Räume umziehen, die Mehrkosten selbst tragen. Der entstandene Schaden: geschätzte 300 000 Euro. Nur 30 000 Euro zahlte bislang der Versicherer. Auf dem Restschaden bleibt der Geschädigte vorerst sitzen – solange, wie die Ermittlungen laufen. „Im ungünstigsten Fall kann sich das jedoch über Jahre hinziehen“, sagte Schwarz. „Der Brandanschlag ist die eine Sauerei, das Verhalten der Versicherung die andere“, sagte er.

Auch im thüringischen Rockensußra (Kyffhäuserkreis) wartet Immobilienmann Markus Laukamp seit elf Monaten auf das Geld seiner Versicherung. Durch einen Brandanschlag im September 2015 auf drei geplante Asylunterkünfte ist ein Schaden von über 400 000 Euro entstanden. Die Häuser sind seither unbewohnbar. Seine Versicherung hat bislang nur 20 000 Euro überwiesen. Zahlt der Versicherer nicht innerhalb eines Jahres, behält sich Laukamp rechtliche Schritte vor. „Sollten die Täter bis dahin weder gefasst, noch die Akte geschlossen sein, werde ich eine Untätigkeitsklage aufsetzen“, sagte der Geschädigte.

Im sachsen-anhaltinischen Tröglitz (Burgenlandkreis) brannte im April 2015 ein Mehrfamilienhaus, in das 40 Flüchtlinge einziehen sollten. Seit über einem Jahr kämpft der Eigentümer, Manager Volker Bückmann, um sein Geld. Der entstandene Schaden liegt im mittleren sechsstelligen Bereich. Erst nach acht Monaten hat die Bayerische Hausbesitzerversicherung (BHVG) ein Drittel des Schadens beglichen. Ende 2015 bot die BHVG an, 60 Prozent des Schadens sofort zu zahlen. Bei Ablehnung wollte sich das Unternehmen bei allen weiteren Forderungen querstellen. „Die wollen einfach 40 Prozent des Schadens nicht bezahlen“, sagte Bückmann, der das Angebot nicht angenommen hat. Die Polizei stellte am 11. Juli die Ermittlungen ein. Bückmann hat bislang aber weder von der Versicherung etwas gehört, noch ist der Schaden reguliert worden. Die BHVG wollte sich auf DNN-Anfrage nicht zum Fall äußern.

„Immer weniger Versicherer wollen diese Unterkünfte heute absichern“, sagte Hanna Stoffel vom größten deutschen Versicherungsmakler AON. Grund: das gestiegene Risiko eines Brandanschlags. Mehrere Versicherer hätten zudem in der Vergangenheit die Policen gekündigt oder Prämienzuschläge und Selbstbehalte für versicherte Gebäude erhöht, in die Flüchtlinge einzogen.

„Prämienänderungen für die Versicherung von Gebäuden entstehen, wenn sich deren Nutzung verändert. Denn dann gibt es eine veränderte Risikosituation“, sagte Ute Andrä von der Sparkassen-Versicherung Sachsen, größter öffentlicher Gebäude-Versicherer im Freistaat. Eine veränderte Nutzung liege bei einer Umwandlung eines Gebäudes vor, das zuvor nicht als Asylunterkunft genutzt wurde. Dies könne „zu höheren Versicherungsprämien führen.“ Auch die Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt (ÖSA) räumen mögliche Tarifänderungen etwa nach Bezug einer lange leerstehenden Gemeinschaftsunterkunft ein. Verändere sich das neu eingeschätzte Risiko, „wird der Versicherer im Zweifel den bestehenden Vertrag kündigen“, sagte ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Dass Versicherer erst nach langer Zeit den Schaden begleichen, sei dem polizeilichen Verfahren geschuldet. „Erst nach Abschluss der Ermittlungen wird der Ort freigegeben und hat der Versicherer die Möglichkeit, den entstandenen Schaden zu begutachten“, so der Sprecher. Wie lange ein solches Verfahren dauern kann, dazu konnten die Landeskriminalämter Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen keine Angaben machen.

Laut den ÖSA zahlt die Gebäudeversicherung grundsätzlich für einen Brandschaden – egal ob durch einen Blitzschlag oder Brandanschlag durch Dritte verursacht. Sollte die Brandstiftung nachgewiesen und ein Täter verurteilt werden, kann sich die Versicherung das Geld von diesem zurückholen. Aber: „Wenn dieser mittellos ist, bleibt die Versicherung wahrscheinlich auf ihren Forderungen sitzen“, sagte ein Sprecher.

Von Oliver Becker

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