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Gefahr im Grenzgebiet: Noch mehr als 35.000 Minen im Boden - Funde auch in Sachsen

Gefahr im Grenzgebiet: Noch mehr als 35.000 Minen im Boden - Funde auch in Sachsen

Gefahr aus dem Kalten Krieg: Weit über 35000 Grenzminen, die noch immer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Sachsen und Thüringen vermutet werden, sollen dennoch vorerst bleiben, wo sie sind.

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Rund 35.000 Minen lagern noch im Boden an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Quelle: dpa

Eine erneute Suche halten die zuständigen Ministerien für wenig erfolgversprechend.

Einem vom Thüringer Umweltministerium in Auftrag gegebenen Gutachten zufolge fehlt von 33864 Minen entlang der 763 Kilometer langen Außengrenze bis heute jede Spur. Auf insgesamt 42 Flächen mit einer Gesamtlänge von 25 Kilometern besteht demnach ein "erhöhtes Restrisiko". Einzelminenfunde werden laut Gutachten sogar "überall für möglich" gehalten. Für die 41 Kilometer lange sächsische Grenze zu Bayern gibt es nach Auskunft des Innenministeriums zwar kein vergleichbares Gutachten. Da das damalige Dreiländereck DDR, CSSR und BRD aber besonders aufwändig gesichert war, ist von weiteren 1800 verschwundenen Minen auszugehen.

Freisstaaten verzichten auf Räumung

Sämtliche betroffene Kommunen und Privateigentümer seien informiert worden. Auf eine erneute Räumung wollen beide Freistaaten allerdings verzichten. "Wir haben nur den analytischen Teil gemacht. Jeder Flächeneigentümer muss selbst entscheiden, ob er räumen will", sagte der Erfurter Umweltministeriumssprecher Andreas Maruschke. In einer Kabinettvorlage der Regierung hatte es vor zwei Jahren noch geheißen, man wolle mit dem Bund über die Kostenübernahme einer Minenräumung sprechen. Der Bund hatte große Teile der Flächen sukzessive an die landeseigene Stiftung Naturschutz Thüringen übertragen.

"Vereinzelte Kampfmittelfunde sind trotz erfolgter Suche und Beräumung Mitte der 90er Jahre nicht völlig auszuschließen", betonte auch Thomas Ziegert vom sächsischen Innenministerium. "Wenn bei konkreten Funden eine Gefahr für die Bevölkerung ausgeht, sind die Polizeibehörden zuständig", hieß es. Die Kosten für die Beräumung selbst, den Transport und die Vernichtung durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei übernehme der Freistaat Sachsen.

Der Bund hatte die Gesellschaft zur Rekultivierung und Verwertung von Grundstücken bis 1995 auf etwa der Hälfte der Ex-Staatsgrenze nach Minen suchen lassen. Dass dabei nicht alles ­gefunden wurde, könne verschiedene Ursachen haben: Die Minen sind explodiert, wurden verschwemmt oder - entgegen der überlieferten Protokolle - gar nicht erst verlegt. "Es ist zwar noch nie etwas passiert. Aber wir haben trotzdem unsere Pächter informiert und Schilder aufstellen lassen, die vor dem Verlassen der Wege warnen", sagt die Geschäftsführerin der Stiftung Naturschutz Thüringen Beate Schrader. Neue Suchaktionen halte sie für unverhältnismäßig.

DDR-Grenztruppen hatten seit den 1960er-Jahren insgesamt etwa 700000 Minen entlang der Außengrenzen Thüringens und Sachsens verlegt. Die meisten hatte die NVA ab 1985 selbst wieder entfernt. Spätere Funde zwangen aber immer wieder zu Räumaktionen.

Abgesehen von der Grenzregion sei Sachsen fast flächendeckend vom Zweiten Weltkrieg und späteren Truppenübungsplätzen der NVA und der Sowjetarmee betroffen, betont Jürgen Scherf, Sprecher des Polizeiverwaltungsamtes in Dresden. Er warnt vor Leichtsinn bei Munitionsfunden.

Robert Büssow und Winfried Mahr

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