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Gefahr aus der Tiefe: Noch viel Weltkriegsmunition wegzuräumen

Kampfmittelbeseitigungsdienst in Sachsen Gefahr aus der Tiefe: Noch viel Weltkriegsmunition wegzuräumen

Auch gut 70 Jahre nach Kriegsende haben die Männer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in Sachsen gut zu tun. Wohl noch lange werden sie vor allem auf Baustellen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfen müssen.

In der Dippoldiswalder Heide musste im Herbst 2013 ein gutes Dutzend Bomben entschärft werden.

Quelle: dpa

Dresden. Auch gut 70 Jahre nach Kriegsende haben die Männer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in Sachsen gut zu tun. Wohl noch lange werden sie vor allem auf Baustellen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfen müssen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Ein Ende ist nicht in Sicht“, sagte der Sprecher des Dresdner Polizeiverwaltungsamtes, Jürgen Scherf, dem der Kampfmittelbeseitigungsdienst zu geordnet ist.

Während des Krieges seien Städte wie Dresden, Leipzig, Chemnitz oder Plauen bombardiert worden, Ostsachsen sei Kampfgebiet gewesen, über die Straßen habe sich die Wehrmacht zurückgezogen. Sachsen gehört laut Scherf in Deutschland zu den besonders mit Altmunition belasteten Regionen. Auch die Überbleibsel auf früheren Truppenübungsplätzen beschäftigen die Räum-Experten.

Laut Innenministerium werden seit 2013 jährlich rund 5,5 Millionen Euro für die Beseitigung von Kampfmitteln ausgegeben - ohne Personalkosten. Landesweit gibt es rund 25 Kampfmittelbeseitiger. Sie rückten laut Polizeiverwaltungsamt allein 2014 zu mehr als 800 Einsätzen aus. Dabei wurden unter anderem rund 4,9 Tonnen Fliegerbomben unschädlich gemacht.

Erst vergangene Woche war bei Bauarbeiten nahe dem Dresdner Zentrum eine Drei-Zentner-Bombe gefunden und zu nächtlicher Stunde entschärft worden. Rund 800 Anwohner mussten zuvor in Sicherheit gebracht werden. Ein Pflegeheim wurde evakuiert, der Zugverkehr umgeleitet, ein Flugverbot verhängt.

Nur wenige Tage zuvor hatten Munitionsexperten in Leipzig eine 500-Kilo-Bombe gesprengt. Ebenfalls in Dresden wurden im November vergangenen Jahres wegen einer Fliegerbombe rund 900 Menschen aus ihren Wohnungen geholt. In Chemnitz mussten im Oktober rund 2000 Menschen in Sicherheit gebracht werden, nachdem nahe dem Bahnhof in 2,50 Meter Tiefe eine 250-Kilogramm-Fliegerbombe aufgetaucht war. Bei Schachtarbeiten in einer Kläranlage in Rietschen (Kreis Görlitz) war im August eine Panzergranate aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein gekommen. Eine 50 Jahre alte Frau hatte die Beamten informiert.

Schon 2014 wurden unter anderem in der Dippoldiswalder Heide allein 23 Fliegerbomben entschärft oder gesprengt. Sie stammen von zwei US-amerikanischen Fliegern, die bei schlechter Sicht im April 1945 zusammengestoßen waren. Die Munitionsexperten waren ihnen eher zufällig auf die Spur gekommen. „Eigentlich sollte dort lediglich alte Fundmunition eingesammelt werden“, erinnert sich Scherf. „Aber dann kamen Leute und haben uns die Geschichte mit den Flugzeugen erzählt.“

Auch für den Chef der sächsischen Kampfmittelbeseitiger, Sprengmeister Thomas Lange, war der damalige Fund einzigartig. Der 65-Jährige macht den Job seit 1988 und hat seither mehr als 300 Bomben unschädlich gemacht. „Absolute Konzentration ist lebenswichtig“, betont er. Die Entschärfung der Weltkriegsbomben werde immer schwieriger. „Die Zündsysteme sind sehr stark korrodiert, die Sprengstoffe verlieren immer mehr an Stabilität.“

Wie viel alte Weltkriegsmunition noch in Sachsens Erde schlummert, weiß niemand. Es gebe keine flächendeckende Suche, sagt Scherf. „Das ist nicht zu machen.“  Auch alte Luftaufnahmen lieferten nur vage Hinweise. „Dort sind ja vor allem Bombenkrater zu sehen, also Bomben, die explodiert sind.“

Sachsen sei dennoch weitgehend sicher, glaubt der Verwaltungsamt-Sprecher. „Zumindest an der Oberfläche.“ Doch darunter sei es gefährlich. Die Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes würden deshalb meist dann gerufen, wenn die Bagger anrücken, wenn Häuser, Straßen oder Gewerbegebiete gebaut werden sollen. Nebenbei: Eine Schatzsuche mit Metallsonden in Wäldern sei nicht nur verboten, sondern auch hoch gefährlich.

dpa

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