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Gastkommentar zu OB-Wahlumfragen in Dresden: Noch viele Unwägbarkeiten

Gastkommentar zu OB-Wahlumfragen in Dresden: Noch viele Unwägbarkeiten

Die Dresdner Neuesten Nachrichten haben in ihrer Ausgabe vom 11. Mai die Zahlen zur OB-Wahl in Dresden aus unserem letzten IfK/DNN-Barometer veröffentlicht.

Solche Umfrageergebnisse stellen die bestmögliche Abschätzung dar, was die Wähler zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der Wahl wissen und was sie beabsichtigen. Was diese Zahlen nicht darstellen, sind Prognosen über das, was die Wähler dann tatsächlich einige Wochen später tun werden!

Da der Artikel in den DNN diesen Eindruck von Gewissheiten über die Zukunft erweckte, müssen wir als Sozialwissenschaftler etwas Wasser in den Wein gießen. Umfragen vor einer Wahl sind immer Momentaufnahmen. Prognosen sind zwar möglich, werden von uns aber aus grundsätzlichen Erwägungen gerade bei Kommunalwahlen und auf der Basis unserer Stichprobengrößen nicht gemacht. Zunächst: Unsere Befragung fand zwischen dem 13. und 24. April statt, begann also vor etwa einem Monat. Die Ergebnisse haben wir den DNN am 27. April übermittelt. Die gestern am 11. Mai veröffentlichten Zahlen sind also schon von der Wirklichkeit überholt, insbesondere von der Tatsache, dass inzwischen der Wahlkampf offiziell begonnen hat und überall Plakate mit den Konterfeis der Kandidaten hängen.

Dies ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Bekanntheit der Kandidaten im Zeitraum der Befragung noch sehr unterschiedlich war. Die jetzt veröffentlichten Zahlen darüber, ob man einen Kandidaten als OB für geeignet hält oder ihn wählen würde, basieren logischerweise immer nur auf denjenigen Befragten, die ihn kennen. Die Kandidatin Eva-Maria Stange kannten rund 10 Prozentpunkte weniger als Dirk Hilbert und Markus Ulbig. Das wird sich bis zum Wahltag ändern. Wie aber die Wähler, die dann in der Zwischenzeit einen Kandidaten oder eine Kandidatin kennengelernt haben, zu ihm oder ihr stehen werden, wissen wir nicht.

Mit anderen Worten: Solche direkten Vergleiche auf unterschiedlicher Kenntnis-Basis sind zwar nicht uninteressant als aktuelles Stimmungsbild, stellen aber in keiner Weise eine Prognose für den 7. Juni dar. Gerade die Kandidaten von Pegida (Festerling) und der AfD (Vogel) sind mit 32 bzw. 19 Prozent bisher kaum bekannt in der Bevölkerung. Wir wissen aber, dass beide Gruppierungen nicht unerhebliche Sympathien in der Bevölkerung haben. Was passiert, wenn die meisten wissen, dass sie OB-Kandidaten aufgestellt haben? Eine zweite Unwägbarkeit stellt die Wahlbeteiligung dar. Vor allem bei den als weniger wichtig angesehenen Wahlen in den Kommunen hängt sie von vielen Faktoren ab, auch von der Zufälligkeit des Wetters. Diejenigen, die am Ende zu Hause bleiben, obwohl sie im Interview ihre Wahlabsicht kundgetan haben, verteilen sich in der Regel nicht proportional auf die Parteien. Das musste die SPD gerade in Bremen erfahren…

Was für eine Demokratie förderlich ist, ist für die Demoskopie ein methodisches Problem: Die Dinge entwickeln sich unter dem Eindruck von Wahlkampf-Kommunikation. Aus diesem Grund halten wir konkrete Vorhersagen nach wie vor in der Regel für Unfug. Dass auch Momentaufnahmen – trotz intensiver Hinweise – als solche wahrgenommen werden, ist wohl kaum zu vermeiden.

Wolfgang Donsbach

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