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Für Sachsens Sturmjäger hat die sommerliche Unwetter-Hochsaison begonnen

Für Sachsens Sturmjäger hat die sommerliche Unwetter-Hochsaison begonnen

Rollt ein Gewitter heran, sind Hobby-Sturmjäger nicht mehr zu bremsen. Wenn am Himmel die Wetterhölle tobt, klickt bei Maik Buchien die Kamera. Der 29-Jährige und sein Kumpel Michael Popp betreiben das Internetprojekt "SnapShotPixel".

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Ein gutes Bild zählt viel, aber in Gefahr will sich von den Wetterspottern Oliver Kox, Maik Buchien und Guido Richter (v.l.) keiner begeben, wenn sie auf der Suche nach der nächsten Gewitterwolke sind.

Quelle: Dirk Knofe

Die beiden Leipziger Fotografen und Stormchaser (Sturmjäger) versuchen, den unheilvollen Böenwalzen möglichst nah zu kommen. Sie machen Jagd auf Unwetter.

Dank der Regenradar- und Blitzkarten ist es für die Jäger ein Leichtes, im Vorfeld den Geburtsort und später den Verlauf des Unwetters aufzuspüren. Einen Tornado zu erwischen, das wäre ein Höhepunkt in der Foto-Karriere von Maik Buchien. Doch nur selten zeigt sich ein Prachtexemplar vor der Linse.

Dabei sind sich Wetterfachmänner einig: Deutschland ist Tornadoland. Wie und wann die zerstörerischen Wolkenrüssel entstehen, ist selbst für Wissenschaftler noch kein vollständig gelöstes Rätsel. Anders als Gewitterlinien oder Superzellen mit tennisballgroßem Hagel bleiben die trichterförmigen Wolken auf dem Satellitenfilm fast unsichtbar. Nur selten entspringt aus einer Superzelle, das sind mächtige rotierende Wolkenberge, auch ein Tornado. Experten schätzen, 30 bis 60 Windhosen (übrigens dasselbe Phänomen wie ein Tornado) fegen jährlich über Deutschland hinweg. Oft lokal begrenzt und über unbewohntem Gebiet, wo die Wirbelstürme meist unbemerkt bleiben, dafür am Tatort eindeutige Spuren hinterlassen.

Um diese zu identifizieren, brauche es Wetterbeobachter, die eine Kamera zur Hand haben, vor Ort sind, die Stärke einschätzen können und im besten Fall "Nowcast" - also fast in Echtzeit - vorwarnen können, erklärt Oliver Kox. Der Leipziger Student ist ehrenamtliches Mitglied bei "Skywarn", ein seit 2003 deutschlandweit agierendes Netzwerk von meteorologisch geschulten Wetterbeobachtern, die auch eine Prüfung ablegen, um Extremwetter-Ereignisse richtig einzuordnen. Mit dieser "Jagdlizenz" rücken sie gelegentlich zur Unwetter-Pirsch aus und übermitteln ihre Daten über eine Hotline an Skywarn. Von da aus gehen die Informationen an die deutschen Wetterdienste, wo sie in die Analysen und Vorhersagen einfließen.

Im Mittleren Westen der USA ist "Stormchasen" äußerst populär. Die Vereinigten Staaten gelten als Geburtslands des Skywarn-Systems. "Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung", so Kox. Im Land der Cowboys ziehen Jahr für Jahr Hunderte Monsterstürme eine Schneise der Verwüstung. Trotz der Risiken: Die Faszination für den Wetterkult ist in den USA ungebrochen: Zu Hunderten jagen Amerikaner mit ihren Autos den Trichterwolken hinterher - für ein spektakuläres "Twister-Foto", sagt Guido Richter aus Markkleeberg.

Stormchaser sind gut vernetzt. Der Programmierer hat die szenebekannte Webseite www.meteopool.org aufgebaut und betreut diese in seiner Freizeit. Per GPS-Tracking lassen sich deutschlandweit Positionen und Routen von Stormchasern digital verfolgen, wenn sie von Ort zu Ort rasen. Ab und an geht es auch für ihn auf Unwetter-Jagd. "Bei den teuersten Touren durch ganz Deutschland habe ich auch mal 200 oder 300 Euro Sprit versenkt", sagt Guido Richter über sein nicht ungefährliches Hobby. Ein Blitz hatte sich einmal außerhalb einer Gewitterwolke entladen und schlug neben seinem Auto ein. "Das war heftig."

"Man sagt ja: Ein guter Stormchaser wird nie nass. Da ist was Wahres dran", so Richter. Ins Auge des Sturms zu fahren, das trauen sich nur Draufgänger (und Angeber). "Die eigene Sicherheit hat oberstes Gebot", sagt auch Maik Buchien. Der Aufenthalt nahe Funkmasten, Stromleitungen oder Bäumen ist deshalb tabu.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.07.2015

Benjamin Winkler

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