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Flüchtlinge in Böhlen: Einwohner helfen unbürokratisch

Flüchtlinge in Böhlen: Einwohner helfen unbürokratisch

Größer könnte der Gegensatz kaum sein. Sabine Petzholtz steht zwischen Plattenbauten, die früher einmal in einem hellen Ocker-Ton gestrichen waren, und redet gegen die Tristesse an.

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Zu DDR-Zeiten Bauarbeiter-Unterkunft, jetzt Zuflucht für 105 Asylsuchende: das Apart-Hotel in Böhlen.

Quelle: Andreas Doering

Sie ist die Frau, die momentan das Apart-Hotel Böhlen (Landkreis Leipzig) managt - jene Außenstelle der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, die in den vergangenen Tagen den Asyl-Streit zwischen Kommunen und Landesregierung eskalieren ließ. Zwölf Nationalitäten wohnen hier unter einem Dach, etwa die Hälfte der Asylsuchenden stammt aus dem Kosovo und aus Albanien, daneben kommen die Flüchtlinge unter anderem aus Pakistan, Afghanistan, Syrien und Georgien.

"Wir versuchen, alles möglich zu machen und zu helfen. Letztlich haben wir auf diesem Gebiet noch keine Erfahrung, sondern setzen nur um, was gesetzlich vorgegeben wird", sagt Sabine Petzholtz. "Das Schönste ist aber, wenn man die Dankbarkeit sieht." Und genau daran haben viele Böhlener einen entscheidenden Anteil: Kaum war das frühere Bauarbeiter-Hotel am Stadtrand mit Flüchtlingen belegt, wurden von Einwohnern die ersten Spenden abgegeben. Plüschtiere, Spielzeug, Winterkleidung, vor allem für Kinder. "Es ist schon beeindruckend, wie die Menschen hier aufgenommen werden. Ärger gab es im Umfeld bislang keinen", erzählt die Assistentin der Geschäftsführung, die für die Betreuung der Asylsuchenden aus Berlin nach Böhlen beordert wurde, über die ersten beiden Wochen als Notunterkunft. Selbst die Sicherheitsmitarbeiter hätten ihre soziale Ader freigelegt, sagt Sabine Petzholtz, und beispielsweise Nuckel für die Kleinsten mitgebracht.

Eine spontan gegründete Bürgerinitiative, gesteuert von lokal bekannten Rechtsextremen, wollte zwar gegen das Übergangsheim mobil machen - doch sofort gründete sich im Internet eine Bewegung dagegen: "Böhlen wehrt sich gegen Dummheit und Rassismus". Die Facebook-Initiative hat bereits mehrere Hundert Unterstützer und versteht sich als Anlaufstelle für einen Dialog. "Geht selbst hinaus und macht euch ein eigenes Bild. Passt auf, welcher Aktion ihr euch anschließt", heißt es hier.

Denn eines ist klar: Jedes Wort kann falsch sein, missverstanden werden. Maria Gangloff, die Bürgermeisterin von Böhlen, weiß um den Spagat zwischen notwendiger Hilfe und ausländerfeindlichem Generalverdacht. "Natürlich fühlen wir uns in der Verantwortung für die Menschen - andererseits möchten wir durch unsere Unterstützung die Versäumnisse der Landesdirektion nicht ausgleichen und auch noch die Erstaufnahmeeinrichtung legalisieren", macht die Linke-Politikerin klar, die sich von den zuständigen Behörden in Chemnitz und vom Dresdner Innenministerium überrumpelt fühlt.

Dennoch sucht die Stadtverwaltung nach Mitteln und Wegen, um die Flüchtlinge nicht allein zu lassen. Neben Spendenaufrufen hat Maria Gangloff bereits die Suche nach Übersetzern veranlasst. Außerdem könnten Tischtennisplatten im Keller des Hotels aufgestellt werden oder die Fußballtore auf dem Vorplatz erneuert werden. Das Vorgehen der Landesdirektion hält sie weiterhin für unverzeihlich: "Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute zu Pegida und Legida laufen. Hier wurde alles heimlich beschlossen - dabei muss die Bevölkerung von Anfang an informiert und mitgenommen werden, um einer Ablehnung vorzubeugen. Und: Die kleinen Städte dürfen durch zu viele Asylsuchende nicht überfordert werden." Umso schöner sei nun allerdings die Spendenbereitschaft, auch wenn bereits negative Stimmen zu vernehmen waren, sagt Maria Gangloff.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.02.2015

Andreas Debski

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