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Flucht, Hilfe, Freundschaft - Die Geschichte von Tim und Firas

Migration Flucht, Hilfe, Freundschaft - Die Geschichte von Tim und Firas

Ein junger Mann aus Bautzen wird Pate für einen syrischen Flüchtling. Daraus ist Freundschaft geworden. Doch die Arbeit als Helfer ist nicht immer leicht.

Der ehrenamtliche Mitarbeiter der Sportjugend des Sportbundes des Landkreises Bautzen und Flüchtlingspate, Tim Döke (22, r), und sein „Patenkind“ Firas Al Habbal (23, Syrien, Damaskus).

Quelle: dpa

Bautzen. Die Geschichte von Tim Döke aus Bautzen und Firas Al Habbal aus Damaskus beginnt mit einer SMS. Im März 2014 bekommt Döke von der Ausländerbeauftragten des Landkreises eine Kurznachricht: „Heute kommt der syrische Student. Wenn Du es Dir einrichten kannst, sei bitte an der vereinbarten Wohnung.“ Kurz vorher hatte sich der 22-Jährige bei einem Treffen mit der Initiative „Bautzen bleibt bunt“ bereit erklärt, Flüchtlingen nach ihrer Ankunft zu helfen. Heute arbeitet sein Schützling als Dolmetscher, Döke hat neben ihm noch viele andere Menschen betreut. Jüngst ist er für sein Engagement mit dem Sächsischen Bürgerpreis geehrt worden. 

Zwischen der ersten SMS und der Auszeichnung liegen viele schöne Erlebnisse, aber auch Ernüchterung. „Schon am ersten Abend mussten wir alle Verträge zu Strom, Miete, Hartz IV und für GEZ-Befreiung ausfüllen. Mit vielen hatte ich mich noch nie beschäftigt“, sagt Döke, der eigentlich als Sachbearbeiter in der Bautzener Stadtverwaltung arbeitet. Im gebrochenen Schulenglisch versucht er dem 23 Jahre alten Flüchtling durch die deutsche Bürokratie zu helfen. Spät am Abend setzen sie sich hin und beschreiben ein Blatt Papier mit wichtigen deutschen Begriffen. Auch „Tim“ steht drauf - auf Arabisch. Dieses Papier hütet Firas Al Habbal wie einen Schatz. Oft holt er es hervor, um sich an die erste, schwierige Zeit zu erinnern. Denn hinter dem 23-Jährigen liegen bei seiner Ankunft an der Spree drei Jahre Krieg und eine Flucht ohne Mutter und Vater. In Syrien wird seit 2011 gekämpft. „Ich finde Menschen, wie Firas verdienen unseren Respekt. Sie haben alles verloren und beginnen in einem fremden Land ein Leben bei null“, sagt Döke. Beim Einkaufen erklärt er dem Syrer, was in den Lebensmitteln steckt. Beim Spieleabend mit Freunden lädt er ihn ein. Wenn die Konversation ins Englische wechselt, drängt er auf die deutsche Sprache. Sie kochen ihre Lieblingsgerichte.

In Bautzen kommen auf die 40.000 Einwohner inzwischen 40 Patenschaften. Tendenz steigend. Koordiniert werden die Freiwilligen von der Initiative „Bautzen bleibt bunt“. Sie erhielt 2014 den Sächsischen Förderpreis für Demokratie und den Bundespreis für Toleranz. Mittlerweile sind aus Al Habbal und Döke Freunde geworden - die wiederum anderen helfen. Im Juli 2014 zogen die ersten Asylbewerber in die Asylunterkunft „Spreehotel“. Zwei Monate später sind die Deutschkenntnisse des jungen Syriers schon so gut, dass er für seine Landsleute als Übersetzer arbeitet. Seit Februar arbeitet er Vollzeit beim Heimbetreiber Peter-Kilian Rausch. „Ich kann auf ihn gar nicht verzichten. Er geht zu Arztbesuchen mit, übersetzt die Diagnosen, er dolmetscht in den Ämtern und hilft beim Familiennachzug“, sagt der Unternehmer. Fünf Mitarbeiter beschäftigt er für 230 Asylbewerber. In Bautzen leben an drei Standorten knapp 500 Flüchtlinge und Asylbewerber.

"Sport ist international und verbindet"

Auch für Döke ist die Flüchtlingsunterkunft zu einem regelmäßigen Anlaufpunkt geworden. Er trifft dort seinen Freund bei der Arbeit, organisiert im Sommer Sportangebote für Asylbewerber und vermittelt Kontakte zu Sportvereinen. „Sport braucht keine Sprache. Sport ist international und verbindet“, sagt er. Deshalb schieben er und andere Unterstützer gerade weitere sportliche Begegnungen in Bautzen an. Mittel dafür sind aus dem Topf des Sozialministeriums beantragt. Auch ein Teil seines Preisgelds in Höhe von 5000 Euro überlegt er, zur Verfügung stellen. Einen weiteren Teil investiert er in einen Polnisch-Sprachkurs. 

Döke verliert nicht gern viele Worte über seine Engagement. „Ich will über den Tellerrand schauen und etwas mitgestalten“, sagt er. Zuweilen eckt er mit seiner Haltung an. Doch der junge Mann lässt sich weder von Hassbotschaften in sozialen Netzwerken noch von Drohungen auf der Straße einschüchtern. Stattdessen spricht er von immer mehr Menschen, die sich in Bautzen den Flüchtlingen näherten. Heimbetreiber Rausch freut sich darüber. Alle Helfer seien willkommen in der Flüchtlingsunterkunft am Bautzener Stausee. 

Zuweilen vergisst Döke aber auch die ganze Politik und zieht mit Firas um die Häuser. „Wir haben schon so viel voneinander gelernt“, sagt er. Nebenbei kümmert er sich für seinen Schützling noch um einen Studienplatz der Medizintechnik an der Berufsakademie in Bautzen. Dort wolle der Syrer im kommenden Jahr seine Ausbildung beginnen, berichtet Döke. Irgendwann, so sein Traum, wolle er in seiner Heimat die Krankenhäuser wieder aufbauen.

Von Miriam Schönbach, dpa

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