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Falsche Notare prellen Auto-Käufer in Sachsen

Internetbetrug Falsche Notare prellen Auto-Käufer in Sachsen

Viele Autokäufer suchen auf der Jagd nach dem Schnäppchen im Internet. Deshalb tummeln sich dort auch viele Betrüger. Eine neue Masche setzt auf täuschend echte Internet-Seiten von Notaren. Eine Spur führt ins Erzgebirge.

Das angebliche Notariat im erzgebirgischen Bernsbach bietet im Internet seine Dienste an – allerdings nur dort.

Quelle: LVZ

Leipzig. Die Notarkammer Sachsens schlägt Alarm: Betrüger zocken Autokäufer im Freistaat mit immer dreisteren Methoden ab. Grundlage dafür sind professionell gestaltete Internetseiten wie www.notare-bernsbach.com, www.notarkanzlei-ost.com und www.notar-mv.de von scheinbar seriösen Notarkanzleien aus Deutschland, die in Wirklichkeit gar nicht existieren. Ihre Betreiber sitzen im Ausland.

„Man will dabei offenbar den Vertrauensvorschuss, den Notare genießen, ausnutzen“, konstatiert Kammer-Geschäftsführer Rüdiger Müller. „Nur: Notare beglaubigen keine Autokäufe.“ Die Masche sei dabei stets die Gleiche. „Zunächst kommt der Kontakt über große Autoportale wie beispielsweise mobile.de zu Stande“, erklärt Müller. Dort werde ein Auto oder auch ein Landfahrzeug preisgünstig angeboten, das angeblich aus einem Insolvenzverkauf im Ausland stammt und einer Bank gehöre. Zeige ein Käufer Interesse, meldet sich ein Notar, um die Abwicklung zu betreiben und das Fahrzeug nach Deutschland zu holen. Die Internetseite des Notars soll dann für Vertrauen sorgen. Fotos der vermeintlichen Kanzleimitarbeiter, ein großes Kanzleischild und die Verlinkung der Adresse mit Google Maps und Facebook gehören dazu. „Wir sind ein auf den digitalen Handel spezialisiertes Notarbüro“, heißt es. Der Leistungsschwerpunkt liege „auf der notariellen, und somit rechtlich durch einen unabhängigen Träger eines öffentlichen Amtes abgesicherten Abwicklung sonst risikobehafteter Onlinetransaktionen“. Der Käufer bekommt sogar Fotos seines Wunsch-Fahrzeugs zugesendet. Eine Vorbesichtigung sei nicht möglich, heißt es bedauernd, dafür bestehe aber ein Rückgaberecht. Und: Der Vertrag werde von beiden Parteien am jeweiligen Wohnort unterzeichnet. Anschließend ist dann eine Rate – die Hälfte bis zwei Drittel des Kaufpreises – auf ein vermeintlich sicheres Treuhandkonto im Ausland zu zahlen, damit das Fahrzeug überführt werden könne. Das passiert dann allerdings nicht.

Kammer-Geschäftsführer Müller schätzt, dass die Zahl der Hinweise auf solche Betrügereien, die allein bei der Notarkammer Sachsen eingehen, derzeit bei etwa 20 bis 25 pro Monat liegt. Die Homepages der Betrüger seien stets im Ausland gehostet, Anbieter könnten nicht zur Verantwortung gezogen werden. Im erzgebirgischen Lauter-Bernsbach steht angeblich ein Dr. Thomas Kaden der Kanzlei vor, im mecklenburg-vorpommerschen Pasewalk ein Dr. Guido Neuleuf – der Rest des Teams wurde der Einfachheit halber kopiert. Wichtig war den Betrügern die Nähe zur polnischen und tschechischen Grenze, um aufkommendes Misstrauen im Keim zu ersticken.

Die Notarkammer weist deshalb daraufhin, dass bei Vertragsschließung mit einem Notar, die persönliche Anwesenheit des Käufers erforderlich sei – zumindest im Rahmen der Unterschriftsbeglaubigung. Außerdem verwahrten Notare nur ausnahmsweise Gelder. Werde im Internet ein solches Angebot gemacht, sei äußerste Vorsicht geboten. Ob es den betreffenden Notar wirklich gibt, kann im Zusammenhang mit den Kontaktdaten über die Auskunft der Bundesnotarkammer (www.notar.de) online recherchiert oder über die örtlichen Kammern erfragt werden.

Michael Hummel, Referatsleiter Recht bei der Verbraucherzentrale Sachsen, rät Autokäufern: „Man sollte sehr vorsichtig sein, bevor man Geld überweist.“ Alle Alarmsirenen aber müssten schrillen, wenn die Bankverbindung im Ausland bestehe oder die Webadresse mit com ende. „Das ist untypisch für deutsche Dienstleister.“ Hummel empfiehlt außerdem zu prüfen, wem die Internetadresse gehöre.

Gegen www.notar-mv.de ermittelt mittlerweile die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg in rund 50 Betrugsfällen. Die Schadenssumme beträgt allein hier um die 300 000 Euro. Ein Ende des Betrugs scheint dennoch nicht in Sicht. „Man kommt da nur ganz schwer hinterher“, weiß Müller. „So eine Internet-Seite aufzubauen, geht sehr schnell. Bei www.notarkanzlei-ost.com war eine Kollegin von uns mal bei der angegebenen Adresse vor Ort. Da gab es nur eine Reihenhaussiedlung.“ Zumindest diese Internet-Adresse ist mittlerweile gesperrt.

Von Roland Herold

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