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Fall Unister: Wagners Eltern scheitern gegen Staatsanwalt

Offene Fragen bei den Ermittlungen Fall Unister: Wagners Eltern scheitern gegen Staatsanwalt

Die Eltern des tödlich verunglückten Unister-Gründers Thomas Wagner haben die Absetzung eines ermittelnden Staatsanwalts in Dresden verlangt. Mit ihrem Antrag sind sie gescheitert. Die persönlichen Gegenstände des Managers werfen neue Fragen auf.

Thomas Wagner und Oliver Schilling sind beim Absturz dieser Maschine in Slowenien ums Leben gekommen.

Quelle: dpa

Dresden. Gespannt blicken Angehörige der beiden tödlich verunglückten Unister-Gesellschafter Thomas Wagner (38) und Oliver Schilling (39) und Mitarbeiter immer wieder nach Dresden. Die dortige Generalstaatsanwaltschaft ermittelt im Fall des geplatzten Kreditgeschäfts in Venedig wegen Betrugs. Für Wagners Eltern ist das nach wie vor ein Unding. Der mit dem Fall befasste Staatsanwalt Dirk Reuter führte auch die Ermittlungen gegen Unister mit der aufsehenerregenden Razzia im Dezember 2012, die zur Untersuchungshaft von Wagner und zwei weiteren Managern des Leipziger Internetunternehmens führte.

Wagners Eltern geben Reuter wegen der damals öffentlichkeitswirksamen Ermittlungen bei Unister eine Mitschuld für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gesellschaft. Die Probleme hätten ihren Sohn auch zur Reise nach Italien veranlasst. Der Staatsanwalt sei „für den Tod unseres Sohnes Thomas mitverantwortlich“, formulierten sie in einem Brief an Generalstaatsanwalt Klaus Fleischmann, der der Leipziger Volkszeitung vorliegt. Und weiter heißt es darin: „Wir bitten Sie inständig einen anderen, neutralen Staatsanwalt mit den Ermittlungen zu beauftragen.“ Die Antwort aus Dresden lag jetzt im Briefkasten: Der Ermittler behält den Fall.

„Das war ein Missverständnis bei den Eltern“, glaubt Wolfgang Klein, der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Ein persönliches Gespräch mit der im sachsen-anhaltischen Dessau-Roßlau lebenden Familie Wagner habe es zwar nicht gegeben. Klein erklärt jedoch: Seine Behörde kümmere sich lediglich um das Wirtschaftsdelikt in Venedig, nicht aber um den tödlichen Absturz in Slowenien. Damit seien die Kollegen in der Alpenrepublik befasst; in Leipzig wurde zudem ein Todesermittlungsverfahren eröffnet. „Wir werden aber im Moment nicht selbst tätig und warten auf die Ergebnisse aus Slowenien“, bestätigte der Leipziger Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

Bei Familie Wagner sind die Bedenken dennoch nicht ausgeräumt. Wie Klein auf Nachfrage bestätigte, war Reuter für seine Recherchen in Slowenien. Die Reise hing ebenfalls mit dem Betrugsfall zusammen, so der Sprecher. Inzwischen sind auch persönliche Dinge von Thomas Wagner in Dresden eingetroffen. Klein nennt ein Mobiltelefon, einen Tabletcomputer, 10.000 Schweizer Franken in bar und Unterlagen. Die Kriminaltechniker untersuchen die Sachen jetzt auf Spuren. Eine der Hauptfragen: Wo stammt das Geld her? Daraus könnte sich eine Spur zum ominösen Diamantenhändler Levy Vass ergeben, der Wagner in Venedig mit Schwarzgeld betrogen haben soll.

Die Kopie der von Wagner bei der Polizei in Italien gestellten Betrugsanzeige sei nicht unter den Unterlagen gewesen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Genau davon hatten sich die Eltern des Firmengründers weitere Details über den letzten Tag ihres Sohnes vor dem Absturz erhofft. Denn noch eine Sache verwundert sie: In einer ihnen vorliegenden Auflistung des Landeskriminalamtes Sachsen über die sichergestellten Gegenstände taucht auch die schriftliche Betrugsanzeige bei der Ufficio Polizia die Frontiera, Aeroporto Marco Polo, auf.

Von Matthias Roth

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