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Existenz von Radeberger Landwirt wegen tiefen Milchpreis in Gefahr

„Was ist Milch wert?“ Existenz von Radeberger Landwirt wegen tiefen Milchpreis in Gefahr

Zu viel, zu billig, nicht mehr rentabel: Das sind Worte, die Landwirt Steffen Gröber in den Mund nimmt, wenn es um das Thema Milch geht. Nur mit einem Auge schielt er derzeit nach Berlin. „Wir haben genug zu tun jeden Tag, um zu überleben“, sagt der 61-Jährige.

Aufgeben kommt für Steffen Gröber und seine Familie nicht in Frage.
 

Quelle: Anja Schneider

Radeberg.  Zu viel, zu billig, nicht mehr rentabel: Das sind Worte, die Landwirt Steffen Gröber in den Mund nimmt, wenn es um das Thema Milch geht. Nur mit einem Auge schielt der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Unternehmens „An der Dresdner Heide“ GmbH & Co. KG in Großerkmannsdorf derzeit nach Berlin. „Wir haben genug zu tun jeden Tag, um zu überleben“, sagt der 61-Jährige. Viel Hoffnung keimt in ihm angesichts des Milchgipfels nicht auf.

„Was ist Milch wert“, fragt der Landwirt und gibt selbst die Antwort: wenigstens ihre Herstellungskosten. Und genau da hakt es momentan in allen landwirtschaftlichen Betrieben mit Milchvieh. 1050 Kühe und noch einmal genauso viel Jungvieh müssen auf Gröbers Hof versorgt, 50 Angestellte bezahlt werden. Der Mindestlohn tut sein übriges. „Aber anders als Friseure oder andere Branchen können wir die gestiegenen Kosten nicht auf unsere Preise umlegen. Die werden von der Molkerei vorgegeben“, erklärt Cindy Gröber, im väterlichen Unternehmen für die Finanzen zuständig. Und die sinken im Ringen der Discounter um das billigste Produkt immer mehr, seit Januar dieses Jahres besonders schlimm, wie der Landwirt sagt. „Deutschland läuft vorneweg mit diesem Konzept der Billigpreise und untergräbt damit unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Schließlich würden europaweit andere Preise gelten.

Alles in allem rund 22,5 Cent bekommt Gröber derzeit für einen Liter Milch, 40 Cent gibt er für die Produktion aus. Zehn Stunden stehen seine Mitarbeiter dafür an sechs aufeinanderfolgenden Tagen im Melkkarussell, 180 Kühe pro Stunde rotieren an ihnen vorbei, 30 000 Liter Milch entstehen so an einem Tag. Zwölf Jahre hat das Melkkarussell mittlerweile auf dem Buckel, müsste eigentlich mal runderneuert werden. Aber das Geld dafür fehlt.

Neben der Milchproduktion setzen die Gröbers auch auf den Anbau von Getreide, betreiben einen Holfladen und verkaufen Strom, der aus einer mit Gülle betriebenen Biogasanlage gewonnen wird. Auch eine kleine Landpension ist Teil des Angebots. Einzig: „60 Prozent des Geschäfts ist die Milchproduktion. Was wir da an Verlust machen, können wir nicht ausgleichen. Alles andere sind zu Zubrote, die die Schnitte nicht voll belegen“, so der 61-Jährige.

Ans Aufgeben aber denkt Steffen Gröber nicht. Ganz so einfach wäre die Einstellung der Milchproduktion ohnehin nicht. Banken wollen ihre Kredite zurück, Förderrichtlinien müssen erfüllt werden. Und der Verzicht auf Gülle würde die Umstellung der Biogasanlage, die derzeit zu 95 Prozent mit tierischen Exkrementen gespeist wird, auf nachwachsende Rohstoffe und damit ein völlig neues Konzept bedeuten. Nicht zuletzt: Etwa die Hälfte der Angestellten würde ihren Job verlieren. „Wir könnten weniger Milch produzieren und das Überangebot abschwächen, aber da müssten alle Landwirte mitmachen. Wenn wir ganz aufhören, reiben sich die Holländer oder die Iren die Hände“, schaut Gröber in einer düstere Zukunft.

Von Christin Grödel

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