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Eva-Maria Stange: Keine halben Sachen

Eva-Maria Stange: Keine halben Sachen

Sie waren mir gleich sympathisch, da wusste ich noch gar nicht, welche Partei Sie sind.“ Die ältere Dame am Wahlkampfstand scheint begeistert.

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Eva-Maria Stange im Gespräch mit Bürgern

Quelle: Anja Schneider

Eva-Maria Stange lächelt fast verlegen. Wenn es um sie oder ihre Arbeit geht, neigt die Physik- und Mathelehrerin mehr zu sachlicher Nüchternheit.

Besserer Bürgerdialog, Aufbrechen der sozialen Spaltung der Stadt, bezahlbarer Wohnraum, stärkere Wirtschaftskraft, mehr Weltoffenheit und Modernität sind ihre Themen. Und wer nach der Macht strebt, braucht auch den Willen dazu. „Als OB kann ich das anpacken, was mich in der Stadt schon lange stört.“ Seit 40 Jahren lebt sie in Dresden. Die Metropole soll sich so entwickeln, „wie es unsere Kinder und Enkel brauchen“, sagt die SPD-Politikerin. Sie ist zwar 1957 in Mainz geboren, ihre Eltern verlassen die Stadt aber schon ein Jahr später und sie wächst in der DDR auf. Ihr Vater ist ungelernter Arbeiter, die Mutter Hausfrau. Große Sprünge sind da nicht möglich, erinnert sie sich heute. 1979 macht sie ihren Abschluss an der Pädagogischen Hochschule in Dresden, startet in den Lehrerberuf. Da ist sie schon verheiratet und hat eine Tochter. 1985 promoviert sie in Methodik, das Paar hat da inzwischen drei Töchter.

Als Arbeiterkind landet sie 1981 bei der Sozialistischen Einheitspartei (SED), das ist nicht ungewöhnlich in der DDR. Dass sie 1988 wieder austritt, ist es schon. In der Staatspartei war das nicht vorgesehen. „Das ging schon“, sagt sie und will nicht viel Worte darum machen.Frau Stange lehrt an einer Oberschule, dann am Gymnasium. 1993 übernimmt sie den Landesvorsitz in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), von 1997 bis 2005 den Bundesvorsitz. Mancher nennt das eine „Schlangengrube“, in der man sich erst einmal behaupten müsse. Jahrelang pendelt sie zwischen Frankfurt und Dresden. Zweimal wird sie in Sachsen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, sitzt derzeit auch im sächsischen Landtag. Den Vorsitz bei der Volkssolidarität in Dresden will sie schon wegen des Ministeramtes aufgeben. „Ich mache keine halben Sachen.“

„Sie kennt diese Stadt“, preist sie Soziologie-Professor Karl-Siegbert Rehberg bei Wahlkampfauftritten. Er ist der Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam für Dresden“, der Stange für die OB-Wahl nominiert hat. Lange war das nicht ganz klar. Erst mussten sich Linkspartei, Grüne, SPD und Piraten auf die gemeinsame Unterstützung einschwören. „Wir brauchen eine OB, die den Menschen zuhört, ihnen aber nicht nach dem Mund redet“, erklärt der Stadtchef der Sozialdemokraten, Christian Avenarius. „Eine Stadtführung mit Visionen, kein Weiterwurschteln“, wünscht sich Klaus Gaber (Grüne). Und Annekathrin Klepsch, Stadtvorsitzende der Linken, würdigt, die Kandidatin „polarisiert nicht, aber sie ist gradlinig“. Für eine stärkere Bürgerbeteiligung reiche nicht der Livestream der Stadtratssitzung, meint Norbert Engemaier von den Piraten.

Zwei Herrschaften im Rentenalter mit Thalia-Tüte in der Hand fragen Frau Stange nach einem Konzerthaus für Dresden. „Das würde ich mir auch wünschen.“ Aber momentan könne sich die Stadt das nicht leisten. Sie spricht ruhig, kontrolliert und präzise. Auch wenn ein Gegenüber vom Hundertsten ins Tausendste kommt. Seit zwei Stunden steht sie in der Sonne. Die Schirme sind weiß, Pappkartons sind Tisch und Tafel für die wichtigsten Botschaften. Auf einem Button steht „Damenwahl“. Parteilogos gibt es bei der Wählerinitiative nicht. Mit den Enkelkindern und bei der Gartenarbeit am Haus kann Stange von der Politik entspannen. Für Theater oder Wandern in der Sächsischen Schweiz fehlt aktuell die Zeit.

„Ich liebe diese Stadt!“, sagt Eva-Maria Stange. Das tut Albrecht Schröter auch. Seit 2006 OB in Jena, ist er inzwischen einer der renommiertesten Sozialdemokraten im Nachbar-Freistaat. Er hat Familie in Dresden, die Stadt ist ihm eine „zweite Heimat“. Jedes Jahr zeigt der Theologe hier zum 13. Februar Flagge gegen Rechts in der Menschenkette. „Das machen wir nächstes Jahr auch wieder, Eva“, ruft er. Dann soll sie natürlich schon selbst gespürt haben, dass OB ein „Knochenjob“ ist, eine „fleischfressende Pflanze“.

Steckbrief:

- geboren am 15. März 1957 in Mainz, verheiratet, drei Kinder, lebt in Dresden

- 1975 bis 1979 Studium an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Dresden, drei Jahre Anstellung als Diplomlehrerin für Mathematik und Physik

- 1982 kehrte sie an die PH zurück, Promotion 1985

- bis 1989 in der Lehrerbildung tätig, danach arbeitete sie bis 1993 erneut als Lehrerin

- Ende 1993 zur Vorsitzenden der GEW Sachsen gewählt

- 1997 übernahm sie den GEW-Bundesvorsitz und blieb in diesem Amt bis April 2005

- seit 1998 Mitglied der SPD

- 2006 bis 2009 Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

- 2009 erstmals in den Landtag gewählt - seit 2014 wieder Ministerin für Wissenschaft und Kunst

Ingolf Pleil

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