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Etablierte Parteien in Sachsen suchen Strategien gegen die AfD

Etablierte Parteien in Sachsen suchen Strategien gegen die AfD

Die Euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) hat in Sachsen einigen Wirbel verursacht. Zwar verpasste die konservative Truppe am Wahlsonntag mit 4,7 Prozent knapp den Einzug in den Bundestag, im Freistaat aber holte sie 6,8 Prozent - das beste Ergebnis im Ländervergleich, aus dem Stand.

Entsprechend jubelte die Landesvorsitzende Frauke Petry: "Wir haben alles richtig gemacht." Mit lediglich einer Ausnahme liege die Partei in allen Wahlkreisen bei mindestens sechs Prozent. "Die AfD ist die viertstärkste politische Kraft in Sachsen".

Mit Blick auf die Landtagswahlen im kommenden Jahr führt das bei den Platzhirschen zu Sorgenfalten. Schließlich wäre die AfD bei einem solchen Ergebnis locker ins Landesparlament eingezogen. Darüber hinaus zieht die taufrische Neugründung nicht nur bei Protestwählern, sondern wildert auch in gängigen Gefilden - im Wählerpotenzial von Linken, FDP und CDU. Das sieht auch Torsten Herbst, Sachsens FDP-Generalsekretär. Einige Wähler, so lautet seine Losung, seien eben auch von den Liberalen zur AfD abgewandert. Damit allerdings werde sich Sachsens FDP nicht abfinden, im Gegenteil. "Die AfD-Wähler sind für uns gewinnbar", meint Herbst. Schließlich sei die Landtagswahl 2014 ein "völlig neues Spiel".

Ähnlich sieht CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer die Lage. Die Alternative für Deutschland habe bei der Bundestagswahl "viel Protest gebündelt", dem müsse etwas entgegengesetzt werden. "Wir müssen den Schleier wegziehen und zeigen, wofür die Truppe steht", sagt er. Und dann werde schnell offenbar: "Das ist wenig."

Noch härter geht die Linke zu Werke. Das Abschneiden der AfD mache ihm Sorgen, hatte Landeschef Rico Gebhardt schon am Wahlsonntag gesagt, schließlich sei diese eine "ultra-neoliberale Partei". Dennoch seien die Chancen für die neue Truppe nicht allzu gut. Denn die AfD sei wegen eines einzigen Themas gewählt worden, und deshalb werde sie im Landtagswahlkampf keine nennenswerte Rolle spielen. Begründung: "Bei der Wahl des sächsischen Landtags steht nicht der Umgang mit dem Euro zur Abstimmung." Es gehe vielmehr um Landesthemen wie Bildung, Polizei und Kultur, und da hätten die Euro-Kritiker kaum etwas beizutragen. Dennoch plädiert Gebhardt dafür, in der Europapolitik die Position der Linken stärker ans potenzielle Wahlvolk zu bringen. "Wir werden versuchen, davon in den nächsten Monaten gerade diejenigen bisherigen Linke-Wähler zu überzeugen, die diesmal der AfD ihre Stimme gegeben haben."

Auch Sachsens SPD-Generalsekretär Dirk Panter nimmt die Euro-Kritiker ernst. Deren Abschneiden sei allemal "beunruhigend", angesichts der Wählerwanderungen allerdings eher ein Problem von CDU, FDP und Linken. Und dennoch meint Panter, dass der AfD nicht der Sprung in den Landtag gelingen dürfte. "Das ist kein Fingerzeig für die Landtagswahl, denn Landesthemen sind anders gelagert als Bundesthemen."

Ähnlich sieht Volkmar Zschocke, der Landesvorsitzende der sächsischen Grünen, die Gemengelage nach dem Wahlsonntag. Zum einen sei der AfD-Erfolg in Sachsen nicht überraschend, sagt er. "Im Freistaat gibt es seit spätestens Ende der neunziger Jahre ein Potenzial, das für Europa-feindliche und populistische Forderungen empfänglich ist." Ob dies allerdings für den Einzug in andere Parlamente reicht, sei offen. Begründung: "Für Kommunal- oder Landtagswahlen wird bloße Euro-Kritik nicht ausreichen, spätestens dann wird sich zeigen, wofür die AfD stehen will."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2013

Jürgen Kochinke

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