Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Erfolg oder Misserfolg? Neue Debatte um Betreuungsgeld in Sachsen

Erfolg oder Misserfolg? Neue Debatte um Betreuungsgeld in Sachsen

Diese Zahl ist eine faustdicke Überraschung gewesen: Im ersten Betreuungsgeld-Monat sind in Sachsen 849 Anträge gestellt worden - damit liegt der Freistaat deutlich vor Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Jetzt hagelt es von der Opposition harsche Kritik gegen die sächsische Sozialministerin Christine Clauß (CDU), gleichzeitig kommt aber auch Unterstützung von Familienverbänden.

"49 527 Kinder sind momentan in einer Kita oder Tagespflege - bei diesen Größenverhältnissen muss man schon tollkühn sein, um das Betreuungsgeld als Erfolg zu feiern", attackiert die grüne Landtagsabgeordnete Annekathrin Giegengack die Ministerin. Christine Clauß hatte gegenüber den Dresdner Neuesten Nachrichten gesagt, dass das Betreuungsgeld in Sachsen sehr gut angenommen werde. Zum Vergleich: In Thüringen und Sachsen-Anhalt gingen bislang 387 Anfragen auf Betreuungsgeld ein, ganze 86 wurden hier bewilligt. Diese Zahlen würden für sich sprechen, so die Ministerin. Das sieht Annekathrin Giegengack anders: "In diesem Jahr besuchen in Sachsen fast 1300 Kinder mehr als noch 2012 eine Kindertageseinrichtung. Die Subventionierung des Zuhause-Bleibens kann kaum als Gewinn verbucht werden."

Auch der sächsische SPD-Chef Martin Dulig kann sich mit dem Betreuungsgeld nicht anfreunden. "Ich verstehe nicht, dass der Staat Geld zahlt, um Kinder aus den Kitas fernzuhalten", bringt der Vater von sechs Kindern seine Kritik auf den Punkt. "Wir brauchen Kitaplätze und qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung." Für den 39-Jährigen ist die Sache klar: "Das Projekt ist ein Misserfolg."

Neben Sachsens Opposition hat in Mitteldeutschland auch der Thüringer Verband alleinerziehender Mütter und Väter erhebliche Vorbehalte. "Für uns hat das Betreuungsgeld keine Relevanz", erklärt Sprecherin Petra Beck. "Den 92 000 Alleinerziehenden in Thüringen ist es wichtig, in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zu sein, um die Familie ernähren zu können. Demnach sind wir nicht die Zielgruppe."

Unterstützung findet die Sozialministerin beim Familienverband Sachsen: Für Marion Thees ist das Betreuungsgeld "ein kleiner, erster Schritt in Richtung echte Wahlfreiheit für Familien in Bezug auf die Betreuung ihrer Kinder". Zwar finde die Erziehungs- und Betreuungsleistung der Eltern dadurch einerseits Anerkennung, andererseits hält Thees die monatlichen Zuschüsse von aktuell 100 Euro - ab August 2014 sollen es 150 Euro werden - für zu gering. So sieht es auch Katrin Konrad vom Verband der kinderreichen Familien in Thüringen. "Es ist einfach zu wenig", sagt die dreifache Mutter, ergänzt aber: "Durch das Betreuungsgeld werden unsere Leistungen etwas mehr anerkannt." Die niedrigen Antragszahlen in Thüringen begründet sie damit, dass es in ihrem Bundesland wie auch in Sachsen bereits ein ähnliches Erziehungsgeld gibt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2013

Felix Forberg

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News

Majong: Der Klassiker unter den Computer-Puzzles. Hier kostenlos online spielen im Spieleportal von DNN.de ! mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "DNN Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, das Sie überall und rund um die Uhr nutzen können -... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr