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Ein letztes Treffen mit Egon Bahr

Ein letztes Treffen mit Egon Bahr

Mühsam sieht es aus, wenn er sich erhebt. Aber die Stimme Egon Bahrs, geschult als Radio-Korrespondent bei Rias und als Willy Brandts Sprachrohr, erklingt klar und präzise, feiner Witz und intellektuelle Schärfe halten sich die Waage.

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Geschichtsstunde im Willy-Brandt-Haus: Egon Bahr empfängt unseren Autor Lars Fetköter in seinem Büro. An der Wand hängt das Brandenburger Tor in Öl (gemalt von Ulrike Herfeld) - und, Bahrs Schreibtisch gegenüber, ein ungerahmtes Foto von Brandt.

Quelle: Thomas Trutschelphotothek

Bahr empfängt zum Interview in seinem kleinen Büro im Berliner Willy-Brandt-Haus, einige Monate ist das jetzt her. Trotz seines hohen Alters vermittelt er seinem Gesprächspartner die Gewissheit, er könne noch etliche Jahre geistreich parlieren über Entspannungspolitik, die deutsche Frage und über Willy Brandt, den er nur „den Freund“ nennt.

Er zieht an seiner Zigarette, hellwach blitzen seine Augen durch den Qualm. Mit wohldosiertem Selbstbewusstsein erzählt er, dass Angela Merkel in ihrem Kanzlerbüro nur zwei Menschen habe rauchen lassen, Helmut Schmidt – und eben ihn, Bahr. Er lässt sich vom Besucher Kaffee nachschenken, versenkt zwei kleine Stückchen Süßstoff darin und kramt bereitwillig und in unterhaltsamen Worten seine persönlichen Erinnerungen an die Wegmarken der deutschen Geschichte hervor.

Die Bezeichnung, er sei der Architekt der sozialliberalen Ostpolitik, hält er für angemessen, „aber Brandt war der Baumeister“. Er schildert, wie es seine Überzeugung war, „dass es auf Dauer unmöglich sein würde, ein großes Volk getrennt zu halten“. Und er räumt ein, dass er dennoch sicher war, die Einheit nicht mehr zu erleben. Als die Frage auf Putin und den richtigen Umgang mit ihm kommt, richtet er sich in seinem Schreibtischstuhl auf und poltert: „Na, das wird ja ein neues Interview!“

Im nächsten Moment schon umreißt er seine Sicht auf die Gräben zwischen Ost und West und äußert Zuversicht, dass der Kampf gegen IS Russland und den Westen über kurz oder lang einander wieder näherbringen werde: „Dagegen müssen alle kämpfen.“Auf die Frage, ob er den 24 Jahre zuvor verstorbenen Willy Brandt vermisse, sagt er ein klares: „Ja“, blickt über seinen Schreibtisch in Richtung eines ungerahmten Brandt-Fotos an der Wand und scheint sehr einverstanden damit, dass die nächste Frage etwas auf sich warten lässt. Was ihm an Brandt am meisten fehle? „Er kann nicht mehr auf alle Fragen antworten, die ich habe.“

Lars Fetköter

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