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Dilemma-Diskussion: Landeszentrale für politische Bildung erprobt neue Ansätze für Demokratie-Förderung

Dilemma-Diskussion: Landeszentrale für politische Bildung erprobt neue Ansätze für Demokratie-Förderung

Galten Landeszentralen für politische Bildung früher vor allem als Orte, wo man kostenlose Bücher bekommt und vielleicht noch interessante Menschen kennenlernt, versteht sich zumindest die sächsische Landeszentrale in Dresden in wachsendem Maße auch als Praxis-Helfer für die Demokratie: Im Projekt KID (Kommune im Dialog) zum Beispiel als Vermittler zwischen Rathäusern und wütenden Bürgern, die sich über neue Asylheime vor ihrer Haustür aufregen.

Oder im Schwesterprojekt KIS, in dem speziell geschulte Experten Lehrern, Gefängniswärtern, Pflegern oder Heimerziehern helfen, scheinbar unlösbare moralische Dilemmas zu lösen.

"Denken Sie beispielsweise an eine Gemeindeschwester, die eine alte Frau bewusstlos im Wohnzimmer vorfindet", skizziert KIS-Koordinatorin Sabine Kirst ein mögliches Szenario für die Dilemma-Methode. "Auf dem Tisch liegt ein Zettel: ,Wecken Sie mich nicht auf. Lassen Sie mich sterben!'" Was soll die Schwester in dieser Situation tun? Ihr Beruf verpflichtet sie zur Hilfe, doch das hieße, sich über den - vielleicht sogar im konkreten Fall verständlichen - Wunsch der alten Frau hinwegzusetzen.

Wie man mit solchen und anderen ethischen Zwickmühlen des Alltags klar kommt, dafür hat ein Konstanzer Experimental-Psychologe eine Diskussionsmethode entwickelt, die inzwischen weltweit in Heimen, Gefängnissen und anderen öffentlichen Einrichtungen eingesetzt wird - und eben auch von der sächsischen Landeszentrale vermittelt wird.

Bisher haben deren Experten bereits 40 Lehrer in der "Konstanzer Methode der Dilemmadiskussion in Sachsen" (KIS) geschult. "Mir liegen solche innovativen Ansätze sehr am Herzen", betonte Landeszentralen-Direktor Frank Richter. "KIS zum Beispiel ist ein neuer, vielversprechender Versuch, politische Bildung auch einzusetzen, um ethische Urteilskraft zu schulen und dies ist sehr wichtig für eine demokratische Gesellschaft."

Auf große Resonanz stoße auch das Schwesterprojekt KID, das ebenfalls durch befristete Sonderzuschüsse des Landes finanziert wird. Dabei schwärmen Richter und seine Kollegen auf ausdrücklichen Wunsch aus, um die politische Willensbildung in sächsischen Kommunen zu moderieren, um scheinbar unvereinbare Positionen zu einem Kompromiss zu führen. Die Debatte um das "richtige" Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 war da das Pilotprojekt, es folgten Moderator-Einsätze im Streit um neue Asylbewerberheime zum Beispiel in Riesa, Chemnitz, Schneeberg und Neukirch. Im jüngsten KID-Projekt hatte das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) um Moderation im Disput um die künftige Gestaltung des Garnisonfriedhofes in Dresden gebeten.

Die sächsische Landeszentrale für politische Bildung ist formell dem Kultusministerium unterstellt, fachlich aber einem eigenen Kuratorium, hat also mehr Entscheidungsspielraum als andere Behörden, auch innovative Ansätze auszuprobieren. Sie verfügt jährliche über einen Publikationsetat um die 300 000 Euro plus etwa 250 000 Euro für Veranstaltungen und weitere Ausgaben. Die 23 festen Personalstellen werden durch das Land finanziert. Von Kürzungen sei man in den vergangenen Jahren glücklicherweise verschont geblieben, betonte Direktor Richter. "Was leider in unserer Arbeit noch etwas zu kurz weg kommt sind ökonomische Fragen - da fehlen uns noch Experten."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2014

hw

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