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Dienst nach Vorschrift: Sachsen will Notarztschichten anordnen

Dienst nach Vorschrift: Sachsen will Notarztschichten anordnen

Sachsen Krankenhäuser lehnen es ab, ihre Ärzte zu Notarztdiensten zu verpflichten. Doch genau das sieht eine Initiative von Landesregierung und CDU-Fraktion vor, um die Notarztversorgung zu verbessern.

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Zwei Rettungswagen stehen auf dem Gelände des Klinikums Carl Gustav Carus in Dresden. In Sachsen soll noch vor den Wahlen im kommenden Jahr der Rettungsdienst neu organisiert werden. Grund seien die wachsenden Schwierigkeiten, ausreichend Notärzte zu finden.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Auch die Rettungsärzte selbst sind empört.

Große Aufregung über Absichten, die keiner genau kennt. Weil in Chemnitz, in Zwickau, im Vogtland und in Mittelsachsen nicht genügend Notärzte zur Verfügung stehen, soll es Veränderungen beim Rettungsdienst geben. Offiziell wissen die wenigsten Betroffenen, wie genau was neu geregelt werden soll. Doch weil die inoffiziellen Informationskanäle funktionieren, sickerte durch: Krankenhausärzte sollen künftig zu Notarztdiensten verpflichtet werden. Komme es zu unbesetzten Schichten, solle angeordnet werden können, welche Krankenhäuser dafür Ärzte abstellen. Weigerungen würden als Ordnungswidrigkeiten gewertet werden.

Hintergrund ist der Anstieg der Rettungseinsätze und deren ungerechte Vergütung. Deshalb ist es in bestimmten Regionen für Mediziner nicht lukrativ, sich als Notärzte einteilen zu lassen. Und Krankenhäuser sind personell nicht in der Lage, Dienstpläne so zu gestalten, dass ihre Ärzte in ihrer Freizeit noch Notarzt-Schichten absichern.

Der Leipziger Allgemeinmediziner und Notarzt Michael Burgkhardt sieht eine Verpflichtung der Krankenhäuser, ihr Personal für Notarztdienste abzustellen, skeptisch. "Die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland soll um ein Drittel verringert werden. Schon jetzt gibt es in einigen Regionen nur noch ein Klinikum. Wo sollen dort die Ärzte herkommen?", fragt er. Burgkhardt fordert zunächst eine Analyse, statt geheime Aktionen durchzuziehen. Für den Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Notärzte krankt das Rettungssystem an großer Ineffizienz. Seit 1990 habe sich die Zahl der Einsätze in Sachsen verdoppelt. Doch bei 40 Prozent ihrer Fälle rückten Notärzte für einfache Hausbesuche von Patienten mit Bagatellerkrankungen aus. "Viele Leute wählen bei einer Befindlichkeitsstörung gleich die 112, statt zum Hausarzt zu gehen", kritisiert Burgkhardt. Die Rettungsleitstellen seien in dem Dilemma, diese Patienten auf normale Ärzte oder den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst abweisen zu müssen oder den Rettungseinsatz auszulösen.

Auch Klaus Heckemann, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsens, sieht einigen Verbesserungsbedarf am Notarztsystem. Doch eines ist für den Allgemeinmediziner klar: "Ein Krankenhaus stellt einen Arzt nicht als Notarzt frei. Das ist auch nicht mit einer Strafe zu klären." Er plädiert für eine Veränderung der Vergütung, weg von der Bezahlung nach der Zahl der Einsätze, hin zu einer stundenabhängigen Bezahlung. Damit könnten auch inaktive Notärzte motiviert werden, in den Rettungsdienst zurückzukehren. Sie würden dann auch verdienen, wenn sie zu keinem Notfall gerufen würden.

Dafür ist aber eine Gesetzesänderung nötig. Die will Christian Hartmann nicht. Der CDU-Innenexperte versteht die ganze Aufregung nicht. Von einer Gesetzesnovelle könne keine Rede sein. Das entsprechende Gesetz sei erst voriges Jahr in Kraft getreten. Zudem setze Brüssel dem Rettungsdienst bald einen einheitlichen europäischen Rahmen, den man abwarten müsse. Aktuell gehe es nur um die Notarztversorgung in einzelnen Regionen. Am Prinzip der Freiwilligkeit wolle man nicht rütteln. Wenn sich genügend Ärzte indes nicht freiwillig finden ließen, müsse dies "durch behördliches Handeln sichergestellt werden", so Hartmann. Derzeit werde abgestimmt, ob die Landesdirektion oder das Sozialministerium diese "Anordnungsbefugnis" erhalten.

Die Krankenhausgesellschaft Sachsen lehnt "eine einseitige Verpflichtung von Krankenhausärzten für den Rettungsdienst" glattweg ab. Auch in einzelnen Regionen. Mit nachvollziehbaren Gründen: Die Anzahl der Patientenfälle in den Kliniken und ihren Notfallambulanzen steige jährlich. Die Ärzte arbeiteten aber bereits am arbeitszeitlichen Limit. "Wir befürchten, dass eine Verpflichtung der Krankenhäuser sowohl die Krankenhausversorgung als auch die notärztliche Versorgung gefährdet. Ginge der Notarztdienst dem Dienst im Krankenhaus vor, würde dies zu erheblichen Einschränkungen der Patientenversorgung führen", heißt es. Für regionale Notfälle beim Notarzt diskutierten Experten zwei andere Möglichkeiten: Entweder werden Notärzte direkt beim Rettungsdienst angestellt. Oder die Krankenhäuser bekommen spezielle Personalmittel für Mediziner, die ausschließlich dem Rettungsdienst zugeordnet werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2013

Andreas Friedrich

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