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Die lange Nacht von Weinböhla: Sachsens AfD kürt Landesliste nach Marathon-Sitzung

Die lange Nacht von Weinböhla: Sachsens AfD kürt Landesliste nach Marathon-Sitzung

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat ihr Spitzenteam zusammen. Auf dem Parteitag in Weinböhla bestimmte die Partei am Sonnabend ihre Landesliste, die von der Vorsitzenden Frauke Petry angeführt wird.

Abseits der Personalentscheidungen ringt die AfD um die Abgrenzung gegenüber Parteien jenseits des konservativen Spektrums.

Niemand in der AfD zweifelt noch ernsthaft daran, dass die Partei dem nächsten sächsischen Landtag angehören wird. Ein zweistelliges Ergebnis peilen die Eurokritiker bei der Wahl am 31. August an. Der Wille, es nach der Bundestagswahl dieses Mal in ein deutsches Parlament zu schaffen, ist groß wie nie. Disziplinierter, organisierter wollte die AfD bei ihrem Landesparteitag in Weinböhla deswegen auftreten. Die Aufstellung der Landesliste wurde dennoch zu einem stundenlangen Prozedere.

Ohne große Diskussionen bestimmten die Parteimitglieder lediglich die ersten beiden Spitzenplätze. Landeschefin Frauke Petry wurde mit 89,1 Prozent konkurrenzlos auf Platz eins gewählt. Sie erinnerte die Anwesenden an das gemeinsame Ziel: "Wenn wir eines schaffen wollen und schaffen werden, dann die AfD in Deutschland und Europa fest zu verankern." Petry warnte aber vor zu viel Euphorie: Die Niederlage bei der Bundestagswahl sei auch gut gewesen, weil sie der Partei "Zeit zur Konsolidierung" gegeben habe. Sie wünsche sich im August nun einen "Erfolg, der uns nicht zu Kopf steigt, sondern klar macht, dass es dann erst richtig losgeht". Petrys Stellvertreter Thomas Hartung konnte sich ohne Gegenkandidat mit 84,6 Prozent Platz zwei sichern. Danach folgten die Mitglieder den Vorstellungen der Führungsspitze aber nicht mehr konsequent. Zwar hatte der Landesvorstand in der vergangenen Woche noch einen Listenvorschlag für die ersten elf Plätze erarbeitet. Doch schon bei der Wahl von Generalsekretär Uwe Wurlitzer auf Rang drei kam es zu Verzögerungen, da eine Reihe von Gegenkandidaten unerwartet antrat. Am Schluss zogen sie allerdings zurück, weil sie teilweise mehr als kritisch von den eigenen Leuten angegangen worden waren. Wurlitzer sicherte dies ein Ergebnis von 86,8 Prozent.

Auch die übrigen Wahlgänge dauerten durch eine Vielzahl von Kandidaten stundenlang. Viele Mitglieder wollten offensichtlich die Chance nutzen, künftig im Landtag zu sitzen. Denn die Aussichten sind günstig: Erzielt die AfD eine ähnliche Zustimmungsrate von 6,8 Prozent in Sachsen wie bei der Bundestagswahl, kann sie mit neun Sitzen rechnen. Am späten Nachmittag hatten die Mitglieder so gerade einmal eine Hand voll Listenplätze bestimmt. Die Wahl für die aussichtsreichen ersten neun Ränge dauerte bis 23 Uhr. Der Parteitag, auf dem 200 AfD-Mitglieder anwesend waren, endete erst gegen zwei Uhr nachts.

Deutlich wurde in Weinböhla aber auch, dass die Partei immer noch um eine Strategie ringt, wie sie sich gegen Kräfte jenseits des konservativen Spektrums abgrenzen kann. Aktuell wird die parteiinterne Diskussion am Fall Sören Oltersdorf festgemacht. Das Vorstandsmitglied des Dresdner Kreisverbandes hatte jüngst an einem Kongress der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) teilgenommen und war auch bei Neonazi-Demonstrationen im vergangenen Jahr mitgelaufen, wie zuletzt bekannt wurde. Petry sagte am Rande des Parteitages, sie sei "entsetzt" gewesen, als sie von Oltersdorfs Besuch der JN-Veranstaltung gehört habe. Der 23-Jährige trat zwar mittlerweile von allen Ämtern zurück. Petry wünscht sich aber, dass er auch vorerst seine AfD-Mitgliedschaft ruhen lässt. Auch der Landesvorstand werde noch einmal über Oltersdorf beraten. Die AfD wolle eine gemeinsame Linie entwickeln, wie man solche Fälle in Zukunft verhindern könne.

In der Partei gibt es aber durchaus Zuspruch für das Dresdner Mitglied. Parteivize Thomas Hartung stärkte Oltersdorf auf dem Podium den Rücken. "Ich habe gerade in der Affäre Oltersdorf gesagt, es wird heute fürchterlich verwischt ,rechts', ,rechtspopulistisch', ,rechtskonservativ', ,rechtsextrem' und sofort das Wort verboten", erläuterte er den Parteifreunden, die ihm tosenden Applaus schenkten.

Listenplätze

1. Frauke Petry (KV Leipzig Land), 2.Thomas Hartung (KV Dresden), 3. Uwe Wurlitzer (KV Leipzig), 4. Mario Beger (KV Meißen), 5. Andre Barth(KV Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), 6. Carsten Hütter (KV Erzgebirgskreis), 7. Gunter Wild (KV Vogtland), 8. Jörg Urban (KV Dresden), 9.Sebastian Wippel (KV Görlitz)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.04.2014

Kai Kollenberg

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