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Die Allein-Kanzlerin - Angela Merkel führt CDU wieder über 40 Prozent

Die Allein-Kanzlerin - Angela Merkel führt CDU wieder über 40 Prozent

Es war ihr Wahlkampf, sie war Programm: Angela Merkel hat die CDU wieder in ersehnte Höhen gehievt. Wie sie eine neue Regierung für ihre dritte Kanzlerschaft bilden kann, war aber am Abend lange ungewiss.

Alles schien zunächst möglich - nur nicht Schwarz-Gelb.

"Bisschen aufgeregt ist man natürlich auch", hatte Angela Merkel noch am Vortag gesagt. Als die Kanzlerin gestern Abend eine Dreiviertelstunde nach Schließung der Wahllokale auf die Bühne der völlig überfüllten CDU-Zentrale kommt, ist der Jubel riesig. "Heute können wir echt froh sein", sagt Merkel und winkt leicht mit der Hand. Triumphierende Gesten zeigt die 59-Jährige selbst im Moment ihres wohl größten Sieges nicht. Dabei hat die Union ersten Hochrechnungen zufolge erstmals seit langen Jahren wieder die magische 40-Prozent-Marke geknackt. In die Karten schauen lassen will sich die CDU-Chefin im Trubel des Abends aber noch nicht.

"Es ist zu früh, genau zu sagen, wie wir vorgehen", sagt Merkel. Auf der Bühne steht sie nicht allein, gekommen sind auch ihre Vize-Vorsitzenden Armin Laschet, Ursula von der Leyen, Thomas Strobl, Generalsekretär Hermann Gröhe, Unionsfraktionschef Volker Kauder und Gerda Hasselfeldt von der CSU - und als sehr seltener Gast ihr Mann Joachim Sauer, der an der Seite steht. Merkel dankt auch ihm. Und auch er wird frenetisch beklatscht. Wie immer scheint ihn das eher verlegen zu machen.

Der Wahlkampf war komplett auf sie zugeschnitten. Die populäre Kanzlerin sollte es richten - und hat geliefert. Die Union ist mit weitem Abstand stärkste Kraft geworden. Seit 1990 mit damals 43,8 Prozent sind CDU und CSU im Bund nicht mehr so stark gewesen, damals hieß der Kanzler Helmut Kohl. "Das ist für die CDU ein Tag, wie wir ihn seit Jahren nicht mehr gehabt haben", sagt Laschet. "Fantastisch", schwärmt von der Leyen. Die für die Mitglieder so enttäuschenden 33,8 Prozent von 2009 hat Merkel wett gemacht. Die Frage war am frühen Sonntagabend aber, was dies für eine künftige Bundesregierung bedeuten wird. Merkel hat das Heft des Handelns in der Hand. Nach den Hochrechnungen (Stand: 21.30 Uhr) schien sogar eine absolute Mehrheit der Mandate möglich.

Den CDU-Wahlkampfslogan "Gemeinsam erfolgreich" konnte Merkel nicht auf ihre schwarz-gelbe Koalition ummünzen - sie war allein erfolgreich. Dabei waren die Liberalen der erklärte Wunschpartner, wie schon 2009. Damals an die FDP verlorene Stimmen dürften CDU und CSU nun zu großen Teilen wieder zurückgeholt haben. Also gegebenenfalls ein neues Bündnis mit der SPD? Oder Schwarz-Grün? Als in den Prognosen zu Beginn des Abends das schwächere Ergebnis der Grünen erwähnt wurde, brandete jedenfalls noch einmal Extra-Jubel auf im Atrium des Konrad-Adenauer-Hauses.

Wenn es nun an Koalitionsgespräche gehen soll, müssen aber auch die Schwesterparteien CDU und CSU ihr Verhältnis justieren. Auch das Selbstbewusstsein der bayerischen CSU ist mächtig gestiegen, seitdem sie bei der Landtagswahl vor einer Woche die Alleinregierung zurückerobern konnte. Nach den Bayern-Hochrechnungen hat sie im Freistaat bei der Bundestagswahl sogar 50 Prozent geholt. Nach den obligatorischen Beteuerungen der Geschlossenheit im Wahlkampf stehen zwischen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer jetzt jedenfalls einige Klärungen an.

Ausgerechnet die beiden Spitzenleute höchstpersönlich haben dafür gesorgt, dass sich ein altbekanntes Thema zu einer heiklen Frage der Glaubwürdigkeit hochschaukelte. Die bayerischen Wähler im Blick, versprach Seehofer ultimativ, im Bund keinen Koalitionsvertrag ohne eine PKW-Maut für Ausländer zu unterzeichnen. Merkel hielt den Ball lange flach, sah sich dann aber doch genötigt, ebenso ultimativ dagegenzuhalten: "Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben." Wie eine von Merkel angekündigte Lösung aussehen könnte, ist ungewiss. Einträchtig hohe Priorität legen CDU und CSU besonders auf ein Anliegen, das in der schwarz-gelben Koalition nicht zustande kam: Rentenverbesserungen für Mütter, die vor 1992 Kinder bekommen haben.

So strahlend Merkels Unionsergebnis bei der Bundestagswahl auch war - es könnte eine dritte Kanzlerschaft werden, die sie zum Nachdenken über den besten Zeitpunkt für einen Ausstieg bewegt. Wenn sie selbstbestimmt aufhören und sich nicht abwählen lassen will.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2013

Sascha Meyer und Kristina Dunz

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