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Der Papst und die DDR: Benedikt fuhr bei seiner ersten Thüringen-Visite im Trabi

Der Papst und die DDR: Benedikt fuhr bei seiner ersten Thüringen-Visite im Trabi

Der Fuhrpark hat sich geändert: Wenn Papst Benedikt XVI. am Freitag nach Erfurt kommt, wird er standesgemäß chauffiert - mit Staatskarosse und 15 Motorrädern als Eskorte oder im Papamobil.

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Benedikt XVI. als Wachsfigur: Anlässlich des Besuchs des Papstes in der Berlin wurde die Figur aus Madame Tussauds für einen Fototermin geholt.

Quelle: dpa

Bei seinem ersten Besuch in Erfurt noch als Joseph Ratzinger war das anders. 1972 musste sich der Theologieprofessor in einen Trabi zwängen. Sein Fahrer, damals wissenschaftlicher Assistent an der einzigen Hochschule für katholische Theologie in der DDR, ist nun sein Gastgeber - Erfurts Bischof Joachim Wanke.

Wanke verspricht sich viel Ermutigung und den Hauch der Weltkirche von der ersten Visite eines Papstes im Luther-Land Thüringen, in dem die Katholiken keinen leichten Stand haben. Sie sind in doppelter Hinsicht eine Minderheit: Wie überall in Ostdeutschland gegenüber der konfessionslosen Mehrheit, die bis zu 75 Prozent der Bevölkerung ausmacht, aber auch gegenüber den Protestanten. Doch immerhin knapp acht Prozent der Thüringer sind katholische Christen, im Nachbarland Sachsen sind es nur 3,6 Prozent. „Der Papst wird helfen, unseren Glauben zu stärken“, sagt Wanke.

Benedikt habe sich bewusst entschieden, eines der neuen Länder zu besuchen, die mit Ausnahme des Thüringer Eichsfeldes und Teilen der Lausitz in Sachsen und Brandenburg kaum katholische Hochburgen zu bieten haben. „Ich bin dankbar, dass der Papst damit den Blick auch auf den gelungenen Neuanfang der Menschen in Ostdeutschland nach der friedlichen Revolution 1989 lenkt“, sagt der Erfurter Bischof.

Wie es in der DDR zugegangen ist, hat Ratzinger bei Stippvisiten in den 1970er und 1980er Jahren erahnen können. „Er kennt Thüringen ein wenig. Er hat auch die Entwicklung unserer kleinen Hochschule begleitet“, erzählt Wanke. Dass der heutige Papst noch Erinnerungen an die Trabi-Fahrt zu Klassikerstätten in Weimar und Jena hat, erwartet der Bischof nicht. In dem kleinen Plastegefährt saß neben dem heutigen Papst der 1999 gestorbene Erfurter Theologie-Professor Heinz Schürmann. „Die beiden waren viel zu vertieft in ihr Gespräch“, erinnert sich Wanke - mit inzwischen 30 Jahren im Amt der dienstälteste Bischof der ostdeutschen Diözesen.

Wahrscheinlich hat damals auch nur Wanke wahrgenommen, dass der Aufenthalt des Dogmatik-Professors von der Universität Regensburg unter Beobachtung stand. „Wir wurden von der Stasi observiert, aber ordentlich.“ Im Oktober 2005, einige Monate nach der Wahl von Ratzinger zum Papst, hatte die Stasi-Unterlagenbehörde Dokumente vorgelegt, die das Interesse der DDR-Staatssicherheit belegten. Er sei von der Stasi als „einer der schärfsten Gegner des Kommunismus“ angesehen worden,  äußerte ein Sprecher der Behörde.

Von denen gab es auch im katholisch geprägten Thüringer Eichsfeld einige. „Wir haben die 40-jährige Gefangenschaft im Sozialismus ausgehalten“, sagt Franz-Xaver Stubenitzky, Pfarrer in Steinbach nahe der Wallfahrtskapelle Etzelsbach. Dort wird der Papst eine Marienvesper mit voraussichtlich etwa 60 000 Pilgern auf einem Feld feiern, das dafür mit Millionenaufwand planiert wurde.

Der Besuch ist eine Anerkennung für die Standhaftigkeit der Eichsfelder in ihrem Glauben. Thüringens Ex-Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), den der Papst wahrscheinlich in Etzelsbach kurz trifft, hatte im Vatikan immer wieder Einladungen ins Eichsfeld ausgesprochen. Noch heute ist die Region an der Grenze zu Niedersachsen anders: Mit nur 1,3 Scheidungen auf 1000 Einwohner hat sie beispielsweise die mit Abstand niedrigste Trennungsquote unter Eheleuten in Thüringen, errechnete das Statistische Landesamt.

Dass das Oberhaupt der katholischen Kirche seinen Thüringen- Aufenthalt verlängert hat, freut Wanke. „Erfurt war im Programm zunächst zwischen Berlin und Freiburg eingeklemmt“, sagt der Bischof. „Jetzt sind es eineinhalb Tage.“ Dafür hatte der Papst selbst gesorgt - er wollte mehr Zeit für das Treffen mit der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), für das die EKD das Augustinerkloster in Erfurt vorgeschlagen hat. In das Kloster war der spätere Reformator Martin Luther (1483-1546) im Jahr 1505 als Mönch eingetreten. In seinem „Wort zum Sonntag“ in der ARD nannte der Papst Erfurt einen „Höhepunkt der Reise“.

Simone Rothe, dpa

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