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Debatte über die Reform der Mittelschule

Debatte über die Reform der Mittelschule

Auf ihrem derzeit in Leipzig laufenden Bundesparteitag will die CDU ein Bildungskonzept beschließen, das die Hauptschule bundesweit abschafft und in die neue Oberschule integriert.

Vor allem die Widerstände der Union in Hessen und der bayerischen CSU haben dieses Papier jedoch weichgespült.

Die Südländer wollen an der Hauptschule festhalten. Dabei würde jene neue Oberschule nur nachholen, was seit 1991 in Sachsen als Mittelschule im Schulgesetz steht und ab Klasse fünf als weiterführende Schulform die Alternative zum Gymnasium darstellt. In Thüringen wird diese Zusammenführung von Haupt- und Realschule Regelschule genannt. Der Hauptschulabschluss aber bleibt, etwa jeder siebente Mittelschüler in Sachsen erlangt ihn. Dieser Anteil ist jedoch nur halb so groß wie im Bundesdurchschnitt.

Nun ist seit dem zwischen CDU und FDP 2009 geschlossenen Koalitionsvertrag auch in Sachsen die Oberschule ein Begriff. Die Mittelschule soll zur Oberschule weiterentwickelt werden, eine Oberschule, die wiederum über den Minimalkonsens der Bundes-CDU hinausgehen könnte. Im Durcheinander des deutschen Bildungsföderalismus herrscht ohnehin eine babylonische Begriffsverwirrung. Jüngst erst haben die Bayern ihre Hauptschule in "Mittelschule" umgetauft. Und in Bremen oder Niedersachsen firmieren seit einem Jahr unter dem Namen "Oberschule" integrierte Schulformen, die mehr von Gesamt- und Gemeinschaftsschulen haben und teilweise gymnasiale Bildungsgänge einschließen.

"Der Begriff ,Oberschule' interessiert mich nicht", überrascht denn auch Schulleiter Ulrich Hammerschmidt von der Mittelschule in Freital. "Vorrang vor Namen und Strukturen hat für mich immer die Frage, was das einzelne Kind braucht!" Dabei hatte doch das sächsische Kultusministerium die Waldblick-Schule als eine der vorbildlichen Mittelschulen benannt, die auf dem Weg zur neuen sächsischen Oberschule sind. Hammerschmidt hält nicht einmal die bereits auf den Weg gebrachten Oberschulreformen für wesentlich. Auch die bisherige Mittelschule bot einen Rahmen für individuelle Förderung, wenn man sie richtig organisierte. Und eine zweite Bildungsempfehlung nach Klasse sechs konnte seit jeher auf Antrag der Eltern ausgesprochen werden. Den Schulleiter in Freital stört ohnehin die einseitige Fixierung auf Aufwärts-Wechsler. "Die geringe Zahl von Wechselschülern nach Klasse sechs liegt bei uns nicht an mangelnder Kompatibilität zum Gymnasium, sondern daran, dass sie sich hier gut fühlen", behauptet er selbstbewusst.

"Hauptziel der Reform ist es, Spätstartern und anderen den Wechsel auf das Gymnasium zu erleichtern", stellt hingegen FDP-Bildungspolitiker Norbert Bläsner im sächsischen Landtag noch einmal klar. In Sachsen stand die FDP 2009 beim Eintritt in die Koalition mit der CDU im Wort, längeres gemeinsames Lernen bis zur sechsten Klasse anzustreben. Heraus kam mit der Oberschule ein Modell, das mehr Durchlässigkeit und spätere Wechsel an das Gymnasium ermöglichen soll, ohne die Struktur zu erschüttern.

Zunächst aber erhöhte die schwarz-gelbe Koalition die Hürde für das Gymnasium wieder auf einen Notendurchschnitt von 2,0. Etwa 1500 Fünftklässler jährlich weniger wechseln in Sachsen seither auf das Gymnasium. Damit sollte einesteils die hohe Zahl gescheiterter Rückwechsler begrenzt, vor allem aber das Image der Mittelschule als "Restschule" korrigiert werden. Da klingt "Oberschule" wie einst die Polytechnische Oberschule (POS) in der DDR doch viel erhebender als die an Mittelmaß erinnernde Mittelschule. Der Begriff ist allerdings noch nicht im Schulgesetz verankert, und seine Interpretationen sind auch im Freistaat breit gestreut.

Gegenwärtig sollen in der Orientierungsstufe 5/6 schrittweise Leistungsgruppen eingerichtet und mit der zweiten Fremdsprache Kompatibilität zum Lehrplan des Gymnasiums erzielt werden. Am Schluss dieses laufenden Schuljahres erhalten erstmals alle Sechstklässler eine zweite Bildungsempfehlung.

Mehr als diese Neuerungen begrüßt Schulleiter Ulrich Hammerschmidt die neue Mittelschulverordnung, die mehr Binnendifferenzierung erlaubt. "Den Unterricht kann man ein bisschen mit dem Kurssystem in der Oberstufe vergleichen", sagt er. Für Einzelförderung herrschte bislang noch zuviel Gleichschritt.

Eine "Mogelpackung" nennt die SPD-Landtagsabgeordnete, ehemalige Wissenschaftsministerin und frühere GEW-Bundesvorsitzende Eva-Maria Stange die Oberschulreform. Leistungsgruppen in der Orientierungsstufe 5/6 förderten nochmals die Auslese, an deren Ende die Verlierer ein zweites Mal gesagt bekämen, dass sie nicht für das Gymnasium taugen. Für die Anschlussfähigkeit der Oberschule an das Gymnasium zum Beispiel durch die zweite Fremdsprache hergestellt werden. Dafür aber fehlen an der Hälfte der Mittelschulen die Fachlehrer, wie Lehrer in Sachsen bald überhaupt. Michael Bartsch

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.11.2011

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