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DNN-Barometer zur OB-Wahl: Knappe Entscheidung ist von vielen Faktoren abhängig

DNN-Barometer zur OB-Wahl: Knappe Entscheidung ist von vielen Faktoren abhängig

Die Dresdner Neuesten Nachrichten veröffentlichen in dieser Ausgabe Ergebnisse aus einer Umfrage unter der Dresdner Bevölkerung, die wir in deren Auftrag durchgeführt haben.

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Unser Gastautor Wolfgang Donsbach ist Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden. Das Institut erstellt im Auftrag der DNN das Barometer.

Quelle: Steffen Füssel

Uns liegt daran, dass die Leser über die Aussagekraft der Ergebnisse Bescheid wissen. Sie stellen nämlich keine Prognose im Sinne einer prozentgenauen Wette auf den Wahlausgang dar, sondern geben die Stimmung in der Dresdner Bevölkerung in den beiden Wochen vor dem zweiten Wahlgang wieder.

Wie man die Zahlen verstehen sollte

Unsere Leser bitten wir folgende Umstände zu berücksichtigen. Zeitfaktor: Wir haben unsere Umfrage in den zwei Wochen vor dem zweiten Wahlgang durchgeführt. Aber bis zum Wahltag kann sich immer noch etwas ändern. Dies war bei der Kommunalwahl im letzten Jahr, aber auch bei vielen Bundestagswahlen der Fall. Wäre es nicht so, wäre Wahlwerbung herausgeworfenes Geld-Zudem steigt auch der Anteil der Wähler, die von Wahl zu Wahl zwischen den Parteien wechseln immer mehr an, sodass bis zuletzt wahlentscheidende Veränderungen eintreten können. Es wird sich zeigen, ob Hilberts "Auf Sieg" oder Stanges neues, lieblicheres Foto die größere Wirkung hatte.

Wahlbeteiligung: Zweitens ist gerade bei Wahlen auf der kommunalen Ebene die Wahlbeteiligung sehr schwankend und wird auch davon beeinflusst, ob es regnet oder die Sonne scheint. Wer am Ende zu Hause oder im Biergarten bleibt, obwohl er im Interview steif und fest behauptet hat, wählen zu gehen, kann das Ergebnis beeinflussen, weil sich die Wähler und Nicht-Wähler in der Regel nicht proportional auf die Kandidaten verteilen. Eine wichtige Frage wird sein: Wer ist am Sonntag höher motiviert? Das generell etwas politisiertere rot-rot-grüne Lager oder das bürgerliche Lager, das eine solche Einheitsfront in Stadtrat und OB-Amt unbedingt verhindern will?

Repräsentativität: Aus zeitlichen Gründen haben wir bis heute unsere übliche Stichprobengröße von mindestens 500 Personen noch nicht ganz erreicht, sondern "nur" rund 450 repräsentativ ausgewählte Dresdner befragt, was die statistische Fehlertoleranz etwas vergrößert. Zudem setzen wir zwar alle Möglichkeiten ein, um eine repräsentative Stichprobe zu befragen, politisch interessierte Bürger sind aber immer eher bereit, unseren Interviewern Rede und Antwort zu stehen als uninteressierte. Mit unseren statistischen Gewichtungsverfahren wir können dieses Problem nur bedingt ausgleichen. Beispiel: In dieser Umfrage sagten uns rund drei von vier Befragten, sie seien beim ersten Wahlgang wählen gegangen. Tatsächlich lag die Wahlbeteiligung bei nur 51 Prozent.

Was wir für Sonntag erwarten

Wir haben Anzeichen in unseren Daten, dass Hilbert ganz überwiegend die Stimmen derjenigen bekommt, die beim ersten Wahlgang Ulbig gewählt haben.. Auch die Wähler Festerlings (Pegida) und Vogels (AfD) werden so abstimmen. Bei ihnen ist aber die Wahlbeteiligung weniger sicher. Eva-Maria Stange hat kein Wählerpotential mehr, das sie ausschöpfen kann. Ihr kann nur eine sehr ungleiche Wahlbeteiligung helfen. Dass es knapp werden wird, dafür spricht auch die Bewertung der beiden Kandidaten. Beide werden mit jeweils unterschiedlichen Stärken in den verschiedenen Politikfelder wahrgenommen - Stange vor allem in der Sozial- und Hilbert in der Wirtschaftspolitik - aber unter dem Strich kommen sie gleich gut weg. Hilbert bei vier persönlichen Merkmalen deutlich besser gesehen, vor allem bei Wirtschaft und Finanzen, Stange gilt nur als "sozialer". Gewichtet man diese Bewertungen auch noch mit der Bedeutung, die sie für die Bürger jeweils haben, kommt am Ende ein doch deutlicher Vorsprung bei den Eigenschaften heraus.

Das lässt sich auf die Formel bringen: Hilbert ist weniger sozial, wird dafür aber eher für Arbeitsplätze sorgen und eine Neuverschuldung der Stadt verhindern. Gerade in Sachsen, wo eine solide Finanzpolitik schon immer geschätzt wurde und unter dem Eindruck der Griechenland-Krise kann das den Ausschlag geben.

Warum überhaupt Umfragen?

Es gibt Bürger und vor allem Politiker, die die Veröffentlichung von Umfragewerten vor Wahlen am liebsten verbieten würden. In einer Gesellschaft mit Presse-, Informations- und Wissenschaftsfreiheit kann man das nicht. Und: Menschen wollen wissen, was andere denken und das gerade vor Wahlen. Es ist auch ein probates und legitimes Mittel, um sich selbst eine Meinung zu bilden, wen man wählen will. Weil das so ist, proklamieren ja alle Politiker im Wahlkampf ihren eigenen Sieg. Sie wollen damit den Wählern suggerieren, für den vermeintlichen Sieger zu stimmen, um sich danach gut zu fühlen.

Was Politiker aus wahltaktischen Gründen machen, erforschen wir mit sozialwissenschaftlichen Methoden. Es ist gut und ganz normal, wenn solche Ergebnisse, sofern sie solide und methodenkritisch erhoben werden, allen zur Verfügung stehen. Sie stellen die bestmögliche Abschätzung dar, was die Wähler zu einem bestimmten Zeitpunkt vor der Wahl beabsichtigen zu tun. Was sie dann tatsächlich tun, kann durch Vieles noch beeinflusst werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.07.2015

Prof. Wolfgang Donsbach

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