Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Crossgolf in Hoyerswerda - Abschläge zwischen Neubaublöcken

Alternatives Golf Crossgolf in Hoyerswerda - Abschläge zwischen Neubaublöcken

Wilde Wiesen statt kurz getrimmter Rasen: Beim Golfen im Gelände oder in der Stadt zählt der Spaß. Das Ziel sind Bäume, Sandkästen - oder Papierkörbe. Das ganze nennt sich Crossgolf und scheint um einiges entspannter als klassischer Golf.

Ein Crossgolfer schlägt einen Ball ab, der zwischen Gänseblümchen liegt.

Quelle: dpa

Hoyerswerda. Franz Neugebauer holt einen Golfschläger aus der Tasche. Der 36-Jährige fixiert den kleinen Ball, der in dem zentimeterhohen Rasen liegt. Zwei Probeschwünge mit dem Schläger, dann fliegt ein Stück Rasen durch die Luft. Neugebauers Mitspieler mitten in der Hoyerswerdaer Neustadt haben mehr Glück. Ihre Bälle fliegen zwar nicht, aber sie rollen oder hoppeln zumindest über den Boden dem Ziel entgegen.

In dem zwischen elfstöckigen Wohnblöcken gelegenen Skulpturenpark gibt es weder Caddys noch getrimmten Rasen. Stattdessen wachsen hier Löwenzahn und Gänseblümchen, links und rechts stehen graffitiverschmierte Betonblöcke. Hier trifft sich Neugebauer mit seinen Freunden, um einem ungewöhnlichen Freizeitsport nachzugehen: Sie spielen Crossgolf - auch Stadtgolf genannt. Seit zehn Jahren betreiben sie den einstigen Underground-Sport, der sich inzwischen in etlichen deutschen Großstädten etabliert hat. „Natural Born Golfers“ nennen sich die Crossgolfer gern selbst.

„Bei uns geht es nicht um Punkte oder sportliche Höchstleistungen“, erzählt Andy Seidel aus Hoyerswerda. Der Reiz des alternativen Golfspiels sei das Abseits von der Etikette in den Golfclubs, den hohen Mitgliedsbeiträgen, dem vorgeschriebenen Dresscode in Clubhäusern und auf Golfplätzen. Beim Crossgolf gehe es darum, nach eigenen Regeln zu spielen: In lockerer Form, in legerer Freizeitkleidung. Vor einigen Jahren in Schweden hatte Seidel das erste Mal einen Golfschläger in der Hand. „Auf einem richtigen Golfplatz“, so der 36-Jährige. Als er dann im Internet vom Crossgolf las, wusste er: „Das ist etwas für meine Freunde und mich.“

Zwangloses Spielen mit dem Second-Hand-Schläger

Der Vizepräsident des Golfverbandes von Sachsen und Thüringen, Enno Heistermann, ist eher ein klassischer Golfer. Crossgolf findet aber auch er spannend. „Ich finde es gut, wenn man auf so eine Weise unseren Sport positiv darstellt.“ Schon seit einigen Jahren gibt es in etlichen Städten Ostdeutschlands, etwa in Leipzig, Chemnitz oder Halle mittlerweile Crossgolf-Clubs, die sich in Wettbewerben miteinander messen.

Bundesweit gibt es geschätzt rund 100 000 Crossgolfer, genaue Zahlen liegen nicht vor. Wenn der ein oder andere Lust bekäme, einem Golfclub beizutreten, sei das zu begrüßen, sagt Heistermann. Als Konkurrenz betrachte er die Freizeitgolfer nicht. Der Verband zählt rund 13 000 Mitglieder.

Franz Neugebauer mag, dass man sich spontan auf einer Brache in der Stadt, in Parks oder auf Streuobstwiesen zum zwanglosen Golfspielen treffen könne. Doch Sicherheit steht an erster Stelle. Wenn die Bälle geschlagen werden, dürfen keine Menschen in der Nähe sein. Sie fliegen schließlich bis zu 50 Meter durch die Luft. Als Ziele kommen für die Stadtgolfer Bäume, Sandkästen, Papierkörbe in Frage. Gespielt wird solange, bis die festgelegten Zielpunkte mit den Bällen touchiert wurden. Die Frage nach dem Handicap erübrigt sich bei dieser Sportart. „Ist uns egal, wie viele Schläge man braucht, bis man das Ziel trifft“, sagt Neugebauer lapidar. Treffen sollte man aber schon.

Früher probierte es Neugebauer mit Mini-Golf. Doch das sei ihm „zu reglementiert“, erzählt der gebürtige Hoyerswerdaer, der jetzt in Dresden lebt. Auch die Investitionen halten sich in Grenzen: Lediglich zehn Euro habe sein gebrauchter Golfschläger gekostet. Mehr brauche man nicht, so Neugebauer.

Das Spiel geht unterdessen in die heiße Phase. Jeder beeilt sich, die vorgegebenen Zielpunkte zu treffen. Es regnet. Nach knapp drei Stunden ist das Spiel vorüber. Am treffsichersten war Neugebauer. Er benutzt einen Second-Hand-Schläger.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News

Majong: Der Klassiker unter den Computer-Puzzles. Hier kostenlos online spielen im Spieleportal von DNN.de ! mehr

Gewinnspiele
  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr