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Biedenkopf kritisiert Sozialverbände

Rentendebatte Biedenkopf kritisiert Sozialverbände

In keinem anderen Bundesland leben durchschnittlich so viele alte Menschen wie in Sachsen. Das bringt die Rentensysteme in Bedrängnis. Was das bedeutet und welche Auswege es gibt, diskutierten Experten in Dresden.

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Sachsens Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf.
 

Quelle: dpa

Dresden.  Wie sicher ist die Rente? Gestern gingen Experten in Dresden der Frage nach, wie sich die Rentenhöhe und die Kaufkraft in Sachsen bis 2040 entwickeln werden. Grundlage war eine Studie des Berliner Wirtschaftsinstituts Prognos. Das sind die Ergebnisse:

 Sachsens Alt-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (86, CDU) konstatiert, dass Ältere heute sehr viel neugieriger und unternehmungslustiger seien als früher. Den „typischen Rentner“ gebe es nicht mehr. Rentenversicherungen, Krankenversicherungen, Sozialverbände, Diakonie und andere täten sich jedoch schwer damit. Sie müssten wieder lernen, Dienstleistungsunternehmen zu werden statt reiner Fürsorger. „Die deutsche Sozialpolitik hat den Rentner am liebsten, der tut, was man ihm sagt.“

Deshalb werde man kaum Initiativen finden, die zur Selbstständigkeit der in dem Sozialsystem lebenden Menschen beitrage. Es ist aber ganz wichtig, dass das geschieht. In wenigen Jahren müssten nämlich 70-Jährige 90-Jährige pflegen, weil es nicht mehr genug junge Leute gebe, die das tun könnten.

 Die Sachsen werden im Durchschnitt
7 Jahre älter, als sie selbst es schätzen, konstatiert Gerhard Müller (59), Vorstandschef der Sparkassen-Versicherung. Schon jetzt verfügt der Freistaat über die im Durchschnitt älteste Bevölkerung der Bundesrepublik. Neugeborene haben heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 91 (Mädchen) beziehungsweise 86 Jahren (Jungen). Ergo: „Wir brauchen mehr und länger Geld.“

Der „Eckrentner“ als Standardgröße hat ausgedient. Künftig wird es noch schwieriger zu ermessen, wie hoch die eigene Rente sein wird. Denn das Einkommen hängt ab von der Wirt­schaftsstärke der Region. Auch Arbeitslosigkeit ist ein wichtiger Faktor. Und schließlich spielt die Kaufkraft der Rente eine Rolle. Hier sind die Lebenshaltungskosten, vor allem die Wohnkosten, treibende Größe.

 Prognos-Chefökonom Michael Böhmer (40) warnt: „Heute liegen die Renten in Sachsen höher als im Bundesdurchschnitt, weil die Erwerbsbiografien nicht durch Arbeitslosigkeit unterbrochen wurden. Auch waren hier mehr Frauen berufstätig.“ Dieses Verhältnis werde sich aber bis 2040 grundlegend wandeln.

 Was man an Rente bekommt, wird auch durch die Berufswahl und die damit verbundenen Einkommensperspektiven bestimmt. So kommt in einer Modellrechnung eine durchschnittlich verdienende, kinderlose Teamleiterin auf eine Rente von 2370 Euro. Das sind nur 34 Prozent ihres einstigen Einkommens. Eine Verkäuferin mit zwei Kindern bringt es dagegen auf 51 Prozent Bruttorentenniveau, hat absolut aber nur 1090 Euro in der Tasche.

 Ein Euro Rente ist nicht automatisch ein Euro Kaufkraft. Logischerweise wird die Kaufkraft im teuren Dresden 2040 am niedrigsten sein. Leipzig und Chemnitz folgen dahinter. Dagegen werden sich Rentner im Erzgebirgs- oder Vogtlandkreis mehr leisten können. Ein Elektro­installateur bekäme beispielsweise eine Rente von 1400 Euro. Am wenigsten ­kaufen könnte er sich dafür in Dresden. Dort beträgt die Rentenkaufkraft 1359 Euro, im Erzgebirgskreis hätte er vergleichsweise 1560 Euro im Porte­mon-­
­naie.

 Biedenkopf sieht langfristig Chancen für strukturschwache Regionen. „Dort könnte man mit der Rente gut leben. Die Mobilität der heutigen Rentner ist ja kein Problem mehr.“

 Lösungen aus der Politik sind derzeit nicht im Sicht. Im Gegenteil: Die Ungerechtigkeiten werden langfristig zunehmen. Vorsorgen kann der Einzelne nur selbst. Zum Beispiel durch Wohneigentum.

Abschließend die gute Nachricht: Nach einer Studie der Generali-Versicherung sind 57 Prozent der deutschen Rentner mit ihrem Einkommen zufrieden, 36 Prozent einigermaßen und nur 7 Prozent überhaupt nicht.

Von Roland Herold

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