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Bewerberansturm für neue Wachpolizei in Sachsen

Schon 800 Bewerbungen Bewerberansturm für neue Wachpolizei in Sachsen

Dieser Andrang überrascht selbst die Landesregierung: Für die neue sächsische Wachpolizei liegen bereits 830 Bewerbungen vor, davon sind rund ein Fünftel von Frauen. Dabei wurde die groß angelegte Plakatkampagne "Wachpolizei - Die Berufschance für alle, die Berufung suchen"gerade erst gestartet.

Quelle: SMI

Dresden. Dieser Andrang überrascht selbst die Landesregierung: Für die neue sächsische Wachpolizei liegen bereits 830 Bewerbungen vor, davon sind rund ein Fünftel von Frauen. Dabei wurde die groß angelegte Plakatkampagne "Wachpolizei - Die Berufschance für alle, die Berufung suchen" gestern gerade erst gestartet. Bislang hatte das zuständige Innenministerium allein im Internet um Interessenten geworben. Offenbar machen sich viele Sachsen Hoffnungen, sozusagen auf kurzem Dienstweg zur Polizei zu kommen.

Die ersten 50 der insgesamt 550 geplanten Hilfskräfte sollen schon am 1. Februar mit einer dreimonatigen Ausbildung beginnen und damit ab Mai ihren Dienst antreten. Danach kommen pro Quartal jeweils 100 weitere hinzu, bis die volle Stellenzahl erreicht ist. Die Kosten sind enorm: Für die Erstausstattung werden rund vier Millionen Euro veranschlagt, die Einsatzkräfte selbst machen etwa 23 Millionen Euro pro Jahr aus.

"Der sächsische Wachpolizeidienst ist ein wichtiger Baustein in der Unterstützung für unsere Polizei. Die Wachpolizisten können die Polizei besonders beim Objektschutz und in der Personenbewachung entlasten", stellt Innenminister Markus Ulbig (CDU) klar. Aufgrund des hohen Flüchtlingszuzugs nach Sachsen, der verschärften Bedrohungslage sowie der Zunahme von Einsätzen bei Versammlungen und Demonstrationen sei eine sofortige Verbesserung auch der personellen Möglichkeiten der Sicherheits-behörden zwingend erforderlich.

Daneben soll sich aus der Wachpolizei auch der Nachwuchs für den regulären Dienst rekrutieren, erklären CDU und SPD unisono, die das entsprechende Gesetz erst vor drei Wochen beschlossen hatten. "Wer sich bewährt, wird gute Chancen haben, als Beamter in den Mittleren Polizeivollzugsdienst übernommen zu werden", sagt die SPD-Innenpolitikerin Sabine Friedel. Zunächst gehe es aber darum, "kurzfristig mehr Polizisten auf die Straße zu bekommen". Denn die herkömmliche Ausbildung dauert drei Jahre - trotz des avisierten Einstellungs-zuwachses kann es also erst ab 2019 tatsächlich zu einer Entlastung kommen. Die Wachpolizei ist bis Ende 2020 befristet. Ulbig spricht deshalb von einer Übergangslösung in schwieriger Zeit.

Dennoch hat sich eine politische Front gegen die Wachpolizei gebildet - kritisiert werden die kurze Ausbildung, das Tragen von Pistolen und die vergleichsweise geringe Entlohnung. "Der Freistaat hat sich wieder einmal für die Billiglösung entschieden", moniert Hagen Husgen, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). So erhalten Wachpolizisten knapp 2200 Euro brutto, was netto 500 bis 600 Euro weniger als bei Streifenbeamten ausmacht. "Hier wird versucht, die Fehler der vergangenen zehn Jahre mit einer Hauruck-Aktion auszumerzen."

Ähnlich sehen es Linke und Grüne. "Die Staatsregierung versucht, die Notlage mit der Einführung einer Wachpolizei auszusitzen. Dabei handelt es sich um deutlich schlechter bezahlte und befristet Angestellte, die zudem im hochsensiblen Bereich der Sicherung von Asylunterkünften arbeiten sollen", kritisiert Enrico Stange, Innenexperte der Linksfraktion. Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Valentin Lippmann, spricht von einem "Sicherheitsrisiko auf zwei Beinen" - die "Hilfssheriffs" seien kaum geeignet, Problemfelder wie Asylbewerberheime abzusichern. Zudem würden Ausbildungskapazitäten für die Wachpolizei benötigt, die bei regulären Beamten gestrichen werden müssten.

Andreas Debski

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