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Ausstellung zum Wirken des Missionars August Hermann Francke im Völkerkundemuseum Herrnhut

Ausstellung zum Wirken des Missionars August Hermann Francke im Völkerkundemuseum Herrnhut

Der von Mao angeordneten "friedvollen Befreiung Tibets" folgte ein kultureller Kahlschlag ohnegleichen. Der Potala in Lhasa wurde nicht angetastet, aber sonst wurde der Klosterkultur der Kampf angesagt.

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Peter van Ham. Junger Mönch, Kloster Tabo. Tabo ist Heimat des ältesten und größten erhaltenen buddhistischen Klosters. Repro: Faltblatt

Das grandios gelegene Kloster Ganden beispielsweise, 1416 von Tsongkhapa gegründet, das religiöse Zentrum der Gelbmützen-Schule, wurde von den Rotgardisten während der Kulturrevolution komplett zerstört, so wie hunderte andere Klöster. Heute stehen in Ganden von den mehr als 200 Gebäuden immerhin wieder etwas über 50 - Statuen, Malereien, das gesamte Klosterinventar ist entsprechend jung, was der Spiritualität des Ortes zum Glück nicht allzu viel nimmt.

Ganz anders die Situation im Westhimalaja - es ist "dem indischen Militär zu verdanken, dass die Kulturstätten in dieser Region vom Terror der Roten Garden nicht erreicht wurden, sich nahezu unverändert erhalten haben", erklärte der Fotograf und Autor Peter van Ham bei der Eröffnung der Ausstellung "Indiens Tibet - Tibets Indien" im Völkerkundemuseum Herrnhut. Van Ham bereist seit über 20 Jahren die Bergwüsten im Westhimalaja, dokumentiert in abgeschiedenen Tälern die letzten Rückzugsgebiete der tibetischen Kultur, fotografiert die Menschen und ihr Brauchtum, die Zeugnisse ihrer Kunst, Religion und Architektur und nicht zuletzt die atemberaubenden Landschaften in diesem Winkel der Erde.

Der Clou: Ham reist(e) nicht zuletzt auf den Spuren August Hermann Franckes (1870-1930). Nicht jenes Franckes, dem die Franckeschen Stiftungen in Halle zu verdanken sind, sondern des aus Schlesien stammenden Herrnhuter Missionars, der sage und schreibe 170 wissenschaftliche Beiträge über Tibet und den Buddhismus verfasste. Seine bekanntesten Werke sind die 1907 erschienene "History of Western Tibet" und das in den Jahren 1914 und 1926 in zwei Bänden publizierte Material zu seinen archäologischen Untersuchungen unter dem Titel "The Antiquities of Indien Tibet". Ja, er übersetzte sogar - als erster - das Evangelium nach Markus ins Tibetische. An sich war er nicht der erste Herrnhuter Missionar im Westhimalaja. Das waren Eduard Pagell und August Wilhelm Heyde, die an sich in Tibet missionieren wollten, aber da ihnen dort die Einreise verweigert wurde, nach einigen Touren durch Zanskar und Ladakh in Keylong (Lahaul) und 1865 in Poo (Kinnaur) an den Haupthandelsstraßen nach Tibet Missionsstationen errichteten. Und ganz allein war auch Francke nicht, er wurde bei seiner 2000 Kilometer langen Expedition von dem Fotografen Babu Pindi Lal begleitet.

Erstellung einer lückenlosen historischen Chronologie

Es war Francke, wie van Ham klarstellt, der mit der damaligen wissenschaftlichen Überzeugung von "statischen Kulturkreisen" aufräumte, darlegte, dass sich hier kulturelle Einflüsse mischen und austauschen. Francke verfolgte auf seiner Expedition drei Hauptziele: Die Erstellung einer lückenlosen historischen Chronologie für Ladakh und die angrenzenden Gebiete (von ihm "Indiens Tibet" genannt), die Identifizierung von frühen Kulturstätten, die auf den Großen Übersetzer Rinchen Zangpo (958-1055) zurückgehen, sowie die Erforschung der prä-ladakhischen Volksgruppen der Mon und Darden. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Francke, der nie studierte, 1911 die Ehrenwürde der Universität Breslau verliehen, bekam 1925 sogar eine außerordentliche Professur für den Lehrstuhl für Tibetische Wissenschaften an der Universität in Berlin - es war der erste seiner Art in Deutschland.

"Francke war mir in langen (Lese-)Nächten ein väterlicher Freund", erzählt Ham, der sich 1993 einen Kindheitstraum erfüllte und nach Spiti mit seiner "grandiosen Ödnis" reiste - zwei Wochen nach der offiziellen Öffnung dieser Gebiete, die zuvor fast 50 Jahre verschlossen gewesen waren. Sah von vereinzelten Satellitenempfängern auf den Dächern der Häuser ab, dann hatte sich nur wenig verändert seit Franckes Zeiten. Seitdem kam van Ham wieder und wieder, nach Shimla und Kinnaur, nach Ladakh und Zanskar, in das Gebiet von Rupshu und das von Nubra, wo sich einst auf dem 70 Kilometer langen und 5500 Meter hoch gelegenen Siachen-Gletscher indische und pakistanische Soldaten bekämpften.

Zu sehen sind in der kleinen, aber doch recht feinen Ausstellung Masken, (Trachten-)Gewänder, buddhistisch-religiöse Gegenstände... Und immer wieder großformatige Fotos, wobei historische Aufnahmen in Schwarz-Weiß aus alten Kolonialtagen jüngeren Farbbildern, die van Ham machte, nebeneinander gestellt sind. 1866 lichtete beispielsweise der legendäre britische Landschaftsfotograf Samuel Bourne (1834-1912) den kilometertiefen Abbruch bei Chini gegenüber dem Massiv des Kailash ab. Damals nur durch ein Handgeländer gesichert, ist aus dem schwindelerregenden Fußweg 1998 eine für Geländewagen befahrbare Piste geworden, wie das Foto van Hams bezeugt. Der erste Wagen, mit dem van Ham unterwegs war, hatte übrigens Reifen, "die hier nicht mal als Schwimmreifen durchgehen würden". Deutlich geringer ist da die Veränderung bei den Aufnahmen des Bhimakali-Tempels von Sarahan an der Südgrenze Kinnaurs. Der ehemalige Sitz des Rajas von Bushair zeigt noch immer die Essenz der einzigartigen kinnaurischen Bauweise: In Schichten aus abwechselnd grob behauenem Naturstein und Deodar-Zederbalken errichtete Bauwerke, die geschwungene, mit Schieferschindeln gedeckte Rutschendächer tragen. Christian Ruf

Bis 18.11. Di-Fr 9 bis 17 Uhr, Sa & So 9 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr.

www.voelkerkunde-herrnhut.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2012

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