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Aufklärung des Weinskandals in Sachsen kommt langsam voran

Landesumweltamt weist in Rindenproben wieder Dimethoat nach Aufklärung des Weinskandals in Sachsen kommt langsam voran

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat erneut Rindenproben von Rebstöcken genommen und in einem Fachlabor auf Dimethoat untersuchen lassen. Wieder wiesen mindestens zwei der Proben eindeutig Rückstände des im Weinbau verbotenen Insektizid-Wirkstoffes auf.

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Wie viele belastete Weine in den Tanks der Kellereien lagern, darüber wird Öffentlichkeit auch ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Weinskandals im Unklaren gelassen.

Quelle: Lars Müller

Meißen. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hat erneut Rindenproben von Rebstöcken genommen und in einem Fachlabor auf Dimethoat untersuchen lassen. Wieder wiesen mindestens zwei der Proben eindeutig Rückstände des im Weinbau verbotenen Insektizid-Wirkstoffes auf. Im Fokus standen Kellereien, bei denen belastete Weine gefunden worden waren. Im Fall des Betriebs mit den gut 2000 Flaschen gesperrten Rotlings wurden beziehungsweise werden die drei größten seiner insgesamt 27 Traubenlieferanten sowie der Weinproduzent selbst kontrolliert, erklärte eine Sprecherin des LfULG auf Anfrage. „Die Rindenproben der Weinkellerei blieben ohne Befund.“ Bei einem der drei Zulieferer liege jedoch ein Dimethoat-Nachweis in der Rinde vor. An den Rebstöcken eines weiteren Zulieferers wurden demnach keine Rückstände gefunden. Bei dem dritten Traubenerzeuger stünde die Kontrolle noch aus. Sie soll im Laufe des Monats erfolgen.

Besorgniserregend: Ein Zusammenhang zum bisher bekannten Fall, der zu den verunreinigten Trauben in der Weinkellerei Ulrich und bei der Winzergenossenschaft Meißen führte, besteht nach Einschätzung des Landesumweltamtes nicht. Offenbar haben also mehrere Traubenerzeuger verbotene Pflanzenschutzmittel eingesetzt, ohne dass die Kontrollpflicht der Weinproduzenten wirksam gegriffen hätte.

Wegen Dimethoat-Rückständen wurde auch gegen eine weitere Kellerei ermittelt. Dort sind nach Angaben des Landesumweltamtes „Gutedel Landwein 2015“ und „Grauer Burgunder 2015“ betroffen und nach Angaben des Landratsamtes Meißen gesperrt. Die Sprecherin des Landesumweltamtes erklärte, zunächst sei das Weingut selbst kontrolliert worden. Die genommen Rindenproben wiesen aber keine Rückstände von Dimethoat auf. Überdies wurden drei Zulieferer des Betriebs kontrolliert. Zwei blieben ohne Befund. „Bei einem der Zulieferer wurden in den Rindenproben hohe Dimethoat-Rückstände analysiert. Darüber hinaus wurden weitere Verstöße gegen das Pflanzenschutzgesetz festgestellt.“ Ein entsprechendes Verwaltungsverfahren sei eingeleitet worden, hieß es.

Im Zusammenhang mit dem sogenannten Weinskandal wurden bisher zwei Bußgeldbescheide erlassen. Einmal – wie bereits berichtet – gegen den Anwender der Pflanzenschutzmittel. Dieser Bußgeldbescheid sei inzwischen rechtskräftig, erklärte die Behörde. Ebenso erging Ende Juni ein Bußgeldbescheid an den Betriebsleiter, bei dem der Anwender beschäftigt ist. Diese beiden Bußgeldbescheide stünden sowohl im Zusammenhang mit den inzwischen entsorgten Weinen der Weinkellerei Ulrich als auch mit Weinen der Winzergenossenschaft. Die Genossenschaft gab bisher keine Auskunft zu betroffenen Weinen, möglichen Rückholaktionen oder der Zukunft der Geschäftsbeziehung mit dem Traubenlieferanten, der mutmaßlich für den finanziellen Schaden und Imageverlust verantwortlich ist. Offenbar werden aber die Mitglieder nach und nach über den Stand der Dinge informiert.

Untersuchungen laufen noch in einem Weinbaubetrieb mit gut 4000 Flaschen gesperrten Rosé-Weins, in dem das seit Jahren nicht mehr zugelassene Fungizid Iprodion gefunden wurde. Das betreffende Weingut wurde laut Landesumweltamt kontrolliert. Die Ergebnisse von Rindenproben stünden aus. „Eine zusätzlich durchgeführte Analyse auf Dimethoat-Rückstände blieb ohne Befund“, so die Behördensprecherin. Sie verwies noch auf zwei Kontrollen bei Zulieferern, die noch nicht abgeschlossen seien. Als geklärt gilt der Fall des Dresdner Küfermeisters Stefan Bönsch, der ebenfalls Iprodion einsetzte und dies nach anfänglichem Zögern auf Anfrage mehrerer Zeitungen in einem offenen Brief einräumte. Demnach war das Mittel nicht deklariert, hätte somit – erst Recht von einem Weinbaufachmann – nicht angewandt werden dürfen. Laut Dresdner Stadtverwaltung will der Küfermeister die 223 Liter gesperrten Weins selbst verbrauchen, er muss dies allerdings dokumentieren.

„Für uns gehen die Untersuchungen zum Einsatz unerlaubter Pflanzenschutzmittel im sächsischen Weinbau weiter“, betonte die Sprecherin des Landesumweltamtes. Immerhin steht noch ein Anfangsverdacht gegen einen siebten Betrieb im Raum. Das Landratsamt Meißen wertet den Weinskandal hingegen als beendet. Eine Sprecherin verwies in diesem Zusammenhang auf das Verbraucherschutzministerium und auf den Bericht einer Zeitung, in dem dies vermeldet worden sei. Der Landkreis gibt weiter keine Auskunft zu betroffenen Betrieben oder gesperrten Weinmengen. Die Behörde sei nicht verpflichtet, die entsorgten Mengen zu erfassen. Fest steht aber, dass eine Entsorgung mit der Lebensmittelüberwachung abgestimmt werden müsste. Somit bleibt die Kreisverwaltung ihrer bisherigen Linie treu und stellt sich augenscheinlich schützend vor die mutmaßlichen Verursacher der Affäre. Besorgte Verbraucher und unbeteiligte Winzer werden über das tatsächliche Ausmaß im Unklaren gelassen und damit getröstet, dass von den verunreinigten Weinen keine Gefahr ausgehe. Laut Landratsamt dürften aus rechtlichen Gründen keine Details zum Giftweinskandal genannt werden.

Das Verbraucherschutzministerium stellte zumindest unlängst klar, dass ein Verschneiden belasteter Weine mit „sauberem“ Rebensaft zum Unterschreiten einer Nachweisgrenze unerlaubter Pflanzenschutzmittel verboten sei und nicht geduldet werde. Ob zwischenzeitlich neben dem einen bekannten 2013er Rotwein der Winzergenossenschaft noch weitere Weine dieses Jahrgangs als belastet ermittelt wurden, wollte das Landratsamt nicht verraten. Das wäre allerdings für die Frage interessant, seit wann denn schon verbotene Pflanzenschutzmittel auf sächsischen Rebflächen ausgebracht werden und ob diese tatsächlich in direktem Zusammenhang mit einer angeblichen Sorge vor der Kirschessigfliege stehen, die mitunter als Rechtfertigung herhalten muss. Die Insekten wurde erstmals 2014 zum Problem in Sachsen. 2015 gab es gar keine Empfehlung, gegen den Schädling zu spritzen. Im vergangenen Jahr war die Kirschessigfliege nur in Weinbergen eine Gefahr, in denen Hagel die fast reifen Beeren zerschlug. Eine Behandlung der Anlagen wäre aber auch dort sowieso nicht mehr möglich gewesen.

Von Lars Müller

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