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Asyl in Turnhalle: Landesdirektion bittet um Verständnis

Asyl in Turnhalle: Landesdirektion bittet um Verständnis

Die Landesdirektion Sachsen hat um Verständnis für die Kurzfristigkeit der Entscheidung, die Turnhalle am Siedlungsweg zur Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber umzufunktionieren, gebeten.

Kamenz.

"Bitte glauben Sie mir: Wenn wir hätten anders handeln können, dann hätten wir es getan", erklärte der zuständige Abteilungsleiter Helmut Koller bei einem Vor-Ort-Termin.

"Wir laufen der Entwicklung permanent hinterher", so der Abteilungsleiter. "Wir suchen im ganzen Land nach geeigneten Liegenschaften und haben in Chemnitz auch schon Hotelzimmer angemietet", so Helmut Koller. Vorrangig kämen Objekte in Betracht, die sich im Besitz des Freistaates Sachsen befinden - so wie die Kamenzer Turnhalle, die noch bis zum Mittwoch vergangener Woche das Domizil des dortigen Polizeisportvereines bildete.

"Wir brauchen größere Einheiten, um die Betreuung organisieren zu können, und wollen die Menschen nicht - so wie es in einigen anderen Bundesländern bereits der Fall ist - in Zelten unterbringen", erläuterte der Abteilungsleiter weiter. Wie lange die Turnhalle benötigt werde, könne man jetzt noch nicht sagen, es handele sich jedoch auf alle Fälle um eine vorübergehende Lösung. "Wir haben auch derzeit keine weiteren Objekte im Landkreis Bautzen in der Prüfung", versichert Koller. Erst 2017 sollen demnach zwei große, neu zu errichtende Erstaufnahmeeinrichtungen in Leipzig und Dresden mit jeweils 700 Plätzen in Betrieb gehen.

Bis es soweit ist - und das dauert noch immerhin mindestens zwei Jahre - müssen die neu angekommenen Asylbewerber in Interimslösungen wie der Turnhalle am Kamenzer Siedlungsweg untergebracht werden. Bis zu 200 Menschen, darunter Frauen und Kinder, in einem Turnsaal - da bleibt keine Privatsphäre. Die Einrichtung besteht ausschließlich aus Betten und dünnen Trennwänden. Der mit Biertischgarnituren versehene kleinere Trainingsraum dient dem Aufenthalt tagsüber, an einer provisorisch errichteten Theke geben Mitarbeiter des DRK Essen aus. Von einem erhöht liegenden Raum bietet sich dem Wachdienst durch ein Oberlicht ein Panoramablick auf die "Bewohner".

Für den Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz waren die vergangenen Tage nicht einfach. Sichtlich bewegt liest er Hasstiraden vor, die er per E-Mail erhalten hat. In ungewöhnlich deutlichen Worten geht Dantz mit der Landesdirektion ins Gericht: "Wären wir nur einen halben Tag eher informiert worden, dann hätte uns das viel Ärger erspart. Diese Geheimniskrämerei führt in eine Sackgasse und muss aufhören. Mit einer solch unbedachten Handlungsweise kann man eine ganze Welt in Brand setzen." Die sozialen Netzwerke zeigten, wie gereizt die Stimmung ist. Und mitten dazwischen steht der eigentliche Hauptbetroffene - der Polizeisportverein. Dieser distanziert sich in aller Deutlichkeit von allen Versuchen, den Konflikt auf dem Rücken der Asylbewerber auszutragen: "Es nützt uns überhaupt nichts, wenn hier gegen diese Menschen demonstriert wird, und wir befürworten das auch nicht", wie Präsident Thomas Santruschek betont. Dies gelte umso mehr, als dass sich der Verein bereits seit Jahren um die Integration von Flüchtlingen bemüht. Und weiter: "Die Meinungen sollten auf eine demokratische Art und Weise dort zum Ausdruck gebracht werden, wo politische Entscheidungen getroffen werden."

Mit der gefundenen Lösung für den Trainingsbetrieb des Vereins, so der Präsident, "können wir gut leben." Diese sieht vor, dass die Sporthalle des Berufsschulzentrums für das Kinder- und Jugendtraining genutzt werden kann, was erstmals am 2. März passieren soll. Andere Vereine straffen ihre Trainingszeiten, um weitere Möglichkeiten für den PSV zu schaffen. "Ich bedanke mich bei allen, die uns auf diese Weise unterstützen", so Thomas Santruschek. Sein Dank gilt auch der Stadt Kamenz und dem Landkreis Bautzen, die sich "intensiv für uns bemüht haben". Noch keine passende Lösung gebe es allerdings für den Vorschulsport und für die Kraftsportgruppe.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2015

Uwe Menscher

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