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Arbeiten hinter Gittern - Über die Hälfte der Häftlinge nutzen Chance

Gefängnis Arbeiten hinter Gittern - Über die Hälfte der Häftlinge nutzen Chance

Zu Weihnachten ein Stollen aus dem Knast? In Sachsens Gefängnissen kann man zudem sein Auto reparieren oder die Hemden bügeln lassen. Viele Häftlinge gehen einer Tätigkeit nach.

Mehr als die Hälfte der Strafgefangenen in Sachsens Justizvollzugsanstalten haben einen Job oder machen eine Ausbildung.

Quelle: Felix Kästle/dpa

Dresden . Wäscherei, Tischlerei, Autopflege: Mehr als die Hälfte der Strafgefangenen in Sachsens Justizvollzugsanstalten haben einen Job oder machen eine Ausbildung. Die Beschäftigungsquote schwankt seit 2011 zwischen 57,2 und 58,9 Prozent. Am 1. September erreichte sie nach Angaben des Justizministeriums mit fast 60 Prozent den Höchstwert. Insgesamt arbeiteten 2027 der 3394 Gefangenen, die meisten in Eigen- und Wirtschaftsbetrieben der Haftanstalten, 215 in Unternehmen. 849 von ihnen waren Lehrlinge und 95 gemeinnützig tätig. „Arbeit ist im Strafvollzug ein wichtiger Resozialisierungsfaktor“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten in den zehn Gefängnissen sind vielfältig. Die Wirtschaftbetriebe wie Küche oder Wäscherei dienen meist der Eigenversorgung, in Eigenbetrieben werden Produkte auch für den Verkauf hergestellt: Zellentüren, Fenstergitter, Büromöbel oder Volkskunst. Auch Autowerkstatt, Schneiderei, Schlosserei, Drechslerei, Druckerei, Buchbinderei, Metallbetrieb oder auch Bäckerei und Fleischerei bieten Jobs hinter Gittern. So mancher Arbeitsplatz befindet sich außerhalb der Gefängnismauern, die meisten der 19 zertifizierten Unternehmen lassen in den Anstalten fertigen.

Seit 2013 steht es Gefangenen frei zu arbeiten, zuvor war es als Teil der auferlegten Strafe eine Pflicht, wie der Ministeriumssprecher sagte. Nun gehe es um gezielte Angebote zugunsten der Resozialisierung, wobei Straftäter einen Beruf erlernen oder Berufserfahrung sammeln. Sie werden an einen geregelten Tagesablauf herangeführt, lernen, „sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren und erleben sich zunehmend als leistungsfähig“, sagte Justizminister Sebastian Gemkow (CDU). Teamfähigkeit und soziale Kontakte würden gefördert und eine Brücke für ein straffreies Leben in sozialer Verantwortung gebaut.

Der Stundenlohn schwankt nach Ministeriumsangaben zwischen 96 Cent und 1,96 Euro, je nach Leistungsfähigkeit und Einarbeitungszeit, die Ausbildungsbeihilfe liegt zwischen 1,18 Euro und 1,72 Euro. 2015 summierte sich der Verdienst laut der Antwort des Justizministeriums auf eine Landtagsanfrage der AfD auf insgesamt fast 2,5 Millionen Euro bei 1151 Beschäftigten. Bis Ende August 2016 waren es mehr als 1,5 Millionen Euro für 1204 arbeitende Gefangene.

An Ausbildungsbeihilfe wurden 2015 gut 1,6 Millionen Euro an 805 Lehrlinge gezahlt, in den ersten acht Monaten 2016 waren es rund 1,1 Millionen Euro für 841 Azubis. Von „billigen Arbeitskräften“ kann auch wegen des höheren Personalaufwandes keine Rede sein. „Dem Freistaat bringt das finanziell nichts“, sagte der Ministeriumssprecher. Die Arbeit im Justizvollzug sei nicht kostendeckend. Auch 2015 lagen die Ausgaben über den erwirtschafteten Einnahmen von 6,7 Millionen Euro.

Die Produkte werden direkt in den jeweiligen Gefängnissen, bei Veranstaltungen oder online im „Gitterladen“ verkauft. Und Häftlinge waschen und reparieren Autos von Kunden, bügeln Hemden, nähen Wäsche, binden Bücher oder drechseln Räuchermänner, zählte der Sprecher des Ministeriums auf. „Man kann sogar Stollen bestellen.“

dpa

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