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Allianz gegen Wildschweine: Jäger und Landwirte vereinbaren enge Zusammenarbeit

Allianz gegen Wildschweine: Jäger und Landwirte vereinbaren enge Zusammenarbeit

Wer glaubt, Wildschweine gebe es nur im Wald, ist auf dem Holzweg. Wildschweine sind Allesfresser und leben am liebsten dort, wo es ihnen gut geht und sie nicht gestört werden.

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Noch können sich Wildschweine allzu oft in großen Rapsschlägen verstecken. Damit soll nun bald Schluss sein.

Quelle: Bernd Lichtenberger

Hierzulande sind das zumindest im Sommerhalbjahr die großen Felder. Nicht erst seit die Energiepolitik in der Landwirtschaft für riesige Raps- und Maisschläge gesorgt hat, herrschen für die Schwarzkittel geradezu paradiesische Verhältnisse. Das drückt sich in einer wachsenden Population aus.

Beweis dafür ist die Entwicklung der Jagdstrecke beim Schwarzwild. Brachten die Jäger vor 20 Jahren sachsenweit 14 000 Wildschweine zur Strecke, so waren es im Jagdjahr 2013/14 mit 25 000 Tieren fast doppelt so viel. Landwirte und Waldbesitzer beklagen die wachsende Zahl von Wildschweinen. Doch die Jäger hoben bisher bedauernd die Hände. Obwohl sich die Wildschweine so drastisch vermehren, bekommen die Jäger die Tiere kaum zu sehen, weil der Raps und der Mais, die in Sachsen zusammen etwa ein Drittel der Anbaufläche einnehmen, den Wildschweinen das bestmögliche Versteck bieten. Jetzt könnten diese paradiesischen Zustände ein Ende finden. Gestern haben die Verbandsspitzen des Landesjagdverbandes Sachsen, des Sächsischen Landesbauernverbandes, des Sächsischen Waldbesitzerverbandes, der Landesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer und der Geschäftsführer des Staatsbetriebes Sachsenforst in Dresden im Beisein von Umweltminister Frank Kupfer (CDU) eine Erklärung mit "Gemeinsamen Empfehlungen zur Reduzierung von überhöhten Schwarzwildbeständen in Sachsen" unterzeichnet.

Kupfer begrüßt die Allianz gegen die Schwarzkittel. Sie ebne nicht nur den Weg zur Eindämmung des von den Wildschweinen angerichteten Schadens in der Land- und Forstwirtschaft, sondern verringere auch die Seuchengefahr. Die Zahl von Wildunfällen, die in den vergangenen Jahren ebenfalls stetig anstieg, könnte ebenfalls gemindert werden.

Nachdem die Politik mit dem neuen Jagdgesetz dafür sorgte, dass es für Schwarzkittel keine Schonzeit mehr gibt - eine Ausnahme gilt nur für Frischlinge führende Bachen - garantiert sie den Landwirten jetzt eine Förderung sogenannter Schussschneisen in großen Maisschlägen. Damit haben die Jäger die Chance, das Schwarzwild auch dort zu erlegen.

Hausgemachtes Problem

Das allerdings setzt einen Schulterschluss von Jägern, Landwirten und Waldbesitzern voraus. Gemeinsam sollen sie - so die Erklärung - eine Strategie entwickeln, wie den Wildschweinen in ihrem Jagdbezirk am Besten beizukommen ist. Dabei sind regionale Unterschiede bei der Wildschweindichte nicht zu übersehen. So betrug die Wildschweinstrecke im Jagdjahr 2013/14 allein im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 2900 erlegte Tiere. Im Stadtgebiet Dresden, zu dem die Dresdner Heide gehört, wurden 190 Wildschweine geschossen.

Gert Dittrich, als Präsident des Landesjagdverbandes Mitunterzeichner der Erklärung, erinnert daran, dass die übergroße Mehrzahl der 10 800 sächsischen Jägerinnen und Jäger keine Berufsjäger und auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind. Die wird ihnen in dem Dokument zugesichert.

Tino Weiser, Jagdpächter in Liegau-Augustusbad und Schönborn, kann sich über die Zusammenarbeit mit dem Agrarcentrum Grünberg nicht beklagen. Mit dem Unternehmen, das die meisten Schönborner Felder bewirtschaftet, gibt es bereits eine Vereinbarung zu Schneisen in großen Maisschlägen. Illusionen hat Weiser trotzdem nicht. Im vergangenen Jagdjahr hat er über tausend Stunden seiner Freizeit, viele davon nachts, auf einer Jagdkanzel gesessen und auf Wildschweine gewartet. Sehr oft vergeblich. "Die große Wildschwein-Population ist ein hausgemachtes Problem der Landwirtschaft", sagt Weiser und wünscht sich kleinere Schläge. Auch das Offenhalten vernässter Flächen könnte helfen, meint sein Vater, Peter Weiser, jahrzehntelang passionierter Jäger.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.07.2014

Bernd Lichtenberger

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