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Wie die Musike in den Stummfilm kommt

Wie die Musike in den Stummfilm kommt

Die erste Szene des Films beginnt. Schwarz-weiß, leicht flimmrig und in gewohnt schnellen Bewegungen erscheint ein Zirkus auf der Leinwand. Gezeigt wird "Circus" von und mit Charlie Chaplin aus dem Jahr 1928. Das Besondere dabei ist: Es ist ein Stummfilm.

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Andreas Krug begleitet seit mehreren Jahren im "Kino in der Fabrik" alte Stummfilme am Piano.

Quelle: Andor Schlegel

Und trotzdem ertönt Musik - live.

Links vor der Leinwand im ausverkauften "Schwarzen Salon" steht ein E-Piano, dahinter sitzt Andreas Krug. "Während ich spiele, schaue ich ständig auf die Leinwand. Viele Sachen geschehen ja punktuell, wenn beispielsweise eine Tür zuschlägt oder ein Darsteller hinfällt", erzählt der Pianist. Er ist von der ersten bis zu letzten Sekunde in das Film-Geschehen involviert, darf sich keinen Patzer erlauben.

Seit 2007 begleitet er regelmäßig im "Schwarzen Salon" des "Kinos in der Fabrik" (KiF) Stummfilme. Dabei wechselt er sich seit einem Jahr mit Benjamin Klum ab. "Stummfilme sind zeitlos. Hauptsächlich viele aus den 1920er Jahren. Nicht nur die Inhalte drehen sich damals wie heute um die gleichen Themen, auch der Humor und die Machart sind geblieben", meint er.

Krug hat keine klassische Pianisten-Ausbildung, in der Schule erhielt er lediglich einige Jahre Klavierunterricht. Der 43-Jährige spielt auch nicht nach Noten. Ihm war das Improvisieren und Ausprobieren immer viel wichtiger. "Das hat meinen Klavierlehrer damals schon gestört. In mein Hausaufgabenheft schrieb er dann eines Tages: ,Bitte nicht klimpern!'"

Krug geht aus diesem Grund auch anders an die Sache ran, als man eventuell vermuten würde: "Die Originalmusik des Films blende ich vollkommen aus. In der Vorbereitung schaue ich mir den Stummfilm zwei bis drei Mal ohne Musik an und bilde über die Bilder kleine Melodien und Phrasen in meinem Kopf." Er sagt selbst von sich, dass er kein Komponist sei. Meistens passiere alles ganz spontan. "Man muss sich auf den Fluss des Films konzentrieren. Mitten drin fallen mir dann kleine musikalische Baustellen ein, die ich an einer anderen Stelle verwenden kann. Oder ich bastle kleine Zitate aus bekannten Stücken mit ein."

Eine komplette Tonspur für einen Film neu zu improvisieren, reizt ihn besonders: Durch verschiedene musikalische Stile verleiht er den Filmrollen-Klassikern seine ganz persönliche Note. Für manche Stummfilmstreifen setzt er sich ans Keyboard und hat dadurch die Möglichkeit, verstärkt mit Geräuschen und künstlichen Synthesizer-Sounds zu arbeiten. Damit kann er die Stimmungen und Spannungsbögen im Film authentischer kommentieren.

Dabei spielt der Pianist nicht nur Klavier im KiF. Nebenbei ist er Mitglied in der Folk-Rock-Combo "Die Fussgänger" und in einer Reggae-Band. Und pro Monat buchen ihn mehrmals Bars oder Restaurants als Bar-Pianisten. "Da spiele ich alles querbeet, Jazz, Schlager, Blues, Filmmusik. Was eben gewünscht wird."

Ein Faible für Kinofilme und Filmmusik hatte er aber schon immer, auch wenn sich sein Repertoire über alle möglichen Genres erstreckt. Die Komponisten Ennio Morricone und Danny Elfman haben ihn bei seiner Arbeit inspiriert. Fragt man ihn nach seinen persönlichen Favoriten unter den Stummfilmen, erhält man folgende Antwort: ",Gier' von Erich von Stroheim aus dem Jahr 1924 beeindruckt mich sowohl inhaltlich und musikalisch. Ebenso mag ich ,Die Austernprinzessin' und ,Die Bergkatze' von Ernst Lubitsch. Aber jeder Film ist was eigenes für sich."

Nächster Stummfilmabend mit Andreas Krug: 27.März, 20.30 Uhr im Kino in der Fabrik, Tharandter Straße 33. Der Eintritt ist kostenlos. Gezeigt wird "Der Mieter" von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1927.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2012

Annette Thoma

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