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Was geht ab auf WhatsApp?: Dresdner Forscher untersucht Sprachwandel über Kurznachrichten

Was geht ab auf WhatsApp?: Dresdner Forscher untersucht Sprachwandel über Kurznachrichten

Der Dialog mag erdacht sein, doch nahe an der Art, wie jüngere Teenager über Kurznachrichten-Dienste wie "WhatsUp" schier endlos palavern könnten. Und dies oft im schnellem Wechsel sehr kurzer Sentenzen, Emojis (Emotions-Symbole) und Codes, die für Außenstehende teils schwer entschlüsselbar sind.

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Prof. Joachim Scharloth

Quelle: privat

"Gehört?"

"?"

"Paul & Luise"

"Really?"

"Krass"

"Superkrass"

(rosa Einhorn mit weinendem Auge)

Zunehmend rückt die Transformation jugendlicher Sprachwelten von SMS-Kurznachrichten bis hin zu den modernen, multimedial angereicherten App-Dialogen (Chats) auf Smartphones (Computertelefonen) auch ins Visier von Forschern. Die wollen zum Beispiel wissen, ob und wie diese Art der Kommunikation aus digitalen Parallelwelten in unsere Alltags-Gesprächskultur hinüberschwappt.

Einer dieser Berufs-Neugierigen ist Prof. Joachim Scharloth von der TU Dresden. Mit Kollegen aus sechs weiteren Unis hat er mit "Whats's up Deutschland" eine Dialogsammelmaschine angeworfen. In die können Teenager und Erwachsene freiwillig und anonymisiert ihre über das Miniprogramm "WhatsApp" geführten Chat-Verläufe einspeisen - damit Linguisten, Dialektforscher und Sozialwissenschaftler daraus schlau werden, was die "Generation Smartphone" bewegt, wie junge Leute Beziehungen aufbauen, welche Sprachformen sie generieren.

Scharloth interessiert vor allem, "wie wir unsere Identität in diesen WhatsApp-Räumen konstruieren, wie wir uns in diesem Raum inszenieren und wie uns umgekehrt dieser Raum formt", erklärt der 42-jährige Professor, der selbst auch gelegentlich per WhatsApp mit Kollegen digital plaudert. Besonders haben es ihm die Eigengesetze des Beziehungsaufbaus per App-Chat angetan: Wie sieht der "Erste Kontakt" in der lakonischen Welt der kurzen Worte aus? Wie entwickelt sich daraus eine Freundschaften, gar ein Flirt oder eine Liebe?

Ist genug Material ausgewertet, will der Professor einen Schritt weiter gehen und einen "Social Media Bot" entwerfen. Ein Computerprogramm also, das sich als Frau in den digitalen Foren ausgibt und so chattet, wie es die Forscher als typisch für WhatsApp herausgearbeitet haben. Abzuwarten bleibt dann freilich, ob echte Gesprächsteilnehmer auf diese getürkte Anbandlerin hereinfallen-

Dafür müssen die Forscher freilich noch viele Dialoge-Verläufe sammeln. Immerhin sind schon innerhalb weniger Tage nach dem Projektstart 1,7 Millionen "Token" (also Worte, Bilder oder Symbole aus elektronischen Dialogen) zusammengekommen. Erste Erkenntnisse: Im Schnitt kamen die Teilnehmer auf 6,5 Token pro Nachricht, was in der Regel für vollständige Sätze nicht reicht und ein Hinweis auf die Sprachverkürzung in Chats ist. Viele Kulturbewahrer sehen in SMS- und App-Chats daher eine Verarmung und Verwilderung der Sprache. "Aber wie legt man eigentlich fest, was ,Standardsprache' ist?", fragt Scharloth. Er sieht eine Wahrnehmungsverschiebung am Werke: Früher haben zum Beispiel Literatur, Presse, Politikerreden unser Bild von Hochsprache geprägt. Doch daneben gab es schon immer die einfachere, verkürzte "andere Sprache von unten" - "und die wird nun durch das Internet, Facebook und andere digitale Kanäle öffentlich sichtbar".

Wer den Forschern helfen will, kann seine Chat-Verläufe aus WhatsApp über whatsup-deutschland.de zur Verfügung stellen. Dort gibt es eine technische Anleitung für den Export. Die Dialoge werden anonymisiert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2014

Heiko Weckbrodt

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