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Von Laufsteg Ost bis Kellerkino: Dresdens Filmfest 2014 ist eröffnet und trotzt den finanziellen Wirren

Von Laufsteg Ost bis Kellerkino: Dresdens Filmfest 2014 ist eröffnet und trotzt den finanziellen Wirren

Als sich am Dienstagabend Filmemacher, Festivalorganisatoren und Publikum unter dem traditionsreichen Stuckgewölbe im Leone-Saal der Schauburg einfanden, um die Eröffnung des 26. Dresdner Kurzfilmfestes zu feiern, trafen gleich in vielerlei Hinsicht Klassik und Moderne aufeinander.

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Star-Appeal beim Kurzfilmfest: Gerard Depardieu in "Frank-Etienne".

Quelle: PR

Als Rahmung der Veranstaltung dienten zwei Filme, die aus der diesjährigen Retrospektive "Laufsteg Ost" über ostdeutsche Modefilme ausgewählt worden, und mit ihrem naiv-nostalgischen Charme für einige Erheiterung sorgten. Selbiges galt für den über 50-jährigen Debütfilm des polnischen Regisseurs Daniel Szczechura, dem ein Tribut gewidmet ist und dessen espritreiche Satire auf Zensur und den wankelmütigen Geschmack des Kinopublikums den Abend auf gelungene Weise aufzulockern verstand.

Doch wer jetzt glaubt, dass sich die diesjährige Inkarnation des Festivals gänzlich in Nostalgie verlieren möchte, könnte nicht mehr irren. So wird die Filmauswahl zum ersten Mal nahezu komplett in modernster digitaler Projektion gezeigt, letzteres nicht zuletzt dank der Unterstützung des Freistaats für die andauernde Wettbewerbsfähigkeit sächsischer Programmkinos und der von ihnen garantierten cineastischen Vielfalt. Und auch die Präsentation des Festivals bemüht sich um Zeitnähe und Originalität, nicht zuletzt in dem Bestreben, über die etablierten Spielorte Schauburg, Thalia und Programmkino Ost hinaus neue, ungewöhnliche Vorführorte zu erschließen: So gibt es Screenings im historischen Kinosaal des Lingnerschlosses, Gebäude der Dresdner Altstadt dienen als Projektionsfläche für "A Wall is a Screen", und als durchaus sinngemäßes Highlight wird auch das ehemalige DVB-Hochhaus am Albertplatz zur Filmfest-Location.

Welcher Aufwand hinter der Organisation des Gesamtevents steckt, verdeutlichten die Festivalleiterinnen Katrin Küchler, Alexandra Schmidt und Karolin Kramheller in ihrer Ansprache. Nicht nur, dass manche Retrospektive ganze zwei bis drei Jahre Vorlaufzeit in Anspruch nimmt (die Klassiker der französischen Regisseurs Luc Moullet beispielsweise wurden vom Institut français eigens für das Festival übersetzt) und über 2000 Einreichungen gesichtet werden mussten - zudem sahen sich die Organisatorinnen mit einem Wegbruch wichtiger Förder- und Sponsorengelder konfrontiert, den sie mit viel Leidenschaft und Improvisationstalent aber auszugleichen vermochten. So gelang es unter anderem, das Preisgeld für die Kategorie bester internationaler Animationsfilm noch vor Ablauf der anvisierten Frist über eine Crowdfunding-Kampagne zu finanzieren.

Insgesamt gehen beim diesjährigen Festival 80 Kurzfilme aus über 40 Ländern ins Rennen, um in 5 nationalen und 8 internationalen Wettbewerben sowohl Publikum als auch Jurys zu begeistern und am Ende vielleicht einen der begehrten Goldenen Reiter zu gewinnen, die mit insgesamt über 60 000 Euro dotiert sind. Daneben laufen zahlreiche weitere Filme in diversen Rahmenprogrammen und Retrospektiven, und im Kellerkino des Alten Wettbüros kommt zudem eine zufällige Auswahl aus all jenen Einreichungen zu Aufführungsehren, die es nicht bis ins eigentliche Festival geschafft haben.

Einen kleinen Vorgeschmack auf das Programm gab es auch während der Eröffnung. Aus dem nationalen Wettbewerb wurde der Animationsfilm "Nachschlag" präsentiert, der eine zum Schmunzeln anregende Geschichte erzählt, nur leider eine Pointe vermissen lässt, die es an Schlagkräftigkeit mit dem kriegerischen Prota- gonisten aufnehmen könnte. Derweil wartete der französische Beitrag "Frank-Etienne" mit Gerard Depar-dieu in der Titelrolle, beeindruckenden Bildern und einem sehr menschlichen Humor auf; allerdings ließ auch die Geschichte eines unbeholfenen Vertreters, der in eine Beziehungskrise inklusive Hunde-Kidnapping hineingerät, ein wirklich befriedigendes Ende vermissen.

Aber bei insgesamt 300 Filmen, die es bis zum Abschluss des Festivals am Sonntag zu betrachten gibt, wird sicher auch der eine oder andere dramaturgische Höhepunkt im Angebot sein. Die Kulmination des Festivals stellt indes die feierliche Verleihung des "Goldenen Reiters" dar, die am Samstag um 20 Uhr im Kleinen Haus stattfinden wird. Bis dahin ist Dresden einmal mehr (Kurz-)Filmstadt, und wird es hoffentlich für die absehbare Zukunft trotz Finanzkrise und Kulturkürzungen auch bleiben.

@www.filmfest-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2014

Rafael Kühn

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