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Unglücke in der DDR: Ein Gefühl der Ohnmacht bei Hinterbliebenen

Doku Unglücke in der DDR: Ein Gefühl der Ohnmacht bei Hinterbliebenen

Es waren Katastrophen, die es eigentlich nicht geben sollte im Sozialismus. Nicht selten waren Schlamperei und überalterte Technik die Ursachen. Doch das sollte niemand so genau wissen. Eine Dokumentation zeigt jetzt, was und wie die Stasi vertuschte.

Blick auf Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle nach der Bahnkatastrophe in Langenweddingen bei Magdeburg (Archivbild vom 06.07.1967). Beim schwersten DDR-Eisenbahnunglück im Juli 1967 sterben in Langenweddingen (heute Sachsen-Anhalt) 94 Menschen, 44 davon sind Kinder.

Quelle: dpa

Berlin. Ein Tanklastzug kracht in einen vollbesetzten Zug und explodiert. Beim schwersten DDR-Eisenbahnunglück im Juli 1967 sterben in Langenweddingen (heute Sachsen-Anhalt) 94 Menschen, 44 davon sind Kinder. Die Öffentlichkeit erfährt die Ursachen der Katastrophe nicht, vielmehr schnüffelt die Stasi herum. In einem geheimen Bericht steht, dass der Bahnübergang nicht geschlossen war. Ein Telefonkabel hatte so tief gehangen, dass sich die Schranke darin verfing und nicht herunterklappte.

Die Katastrophe vor rund 49 Jahren wird in einer zweiteiligen Dokumentation beleuchtet, die ZDFinfo am Mittwochabend (21.00/22.00 Uhr) zeigt. Die beiden Teile rücken die schwersten Unglücke in der DDR und ihre Hintergründe in den Focus. Feuerwehrleute von einst, Augenzeugen und Hinterbliebene kommen zu Wort. Es wird deutlich: Für viele sind die Tragödien von einst nicht verblasst. Das historische Filmmaterial zeigt bedrückende Bilder.

Zwar werden der Fahrdienstleiter und Dienstvorsteher des Bahnhofs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Doch die DDR-Führung habe nicht nach strukturellen Ursachen gesucht, denn das hätte ja das System infrage stellen können, konstatiert der Historiker Henrik Bispinck im ersten Teil. Eher sei es darum gegangen, einzelnen Schuldigen die Verantwortung zuzuschieben.

Das Gefühl der Ohnmacht sei geblieben, sagt ein bewegter Sohn in die Kamera, der seine Mutter im August 1972 bei dem Absturz einer sowjetischen IL 62 nahe Berlin in Königs Wusterhausen verlor. Die Maschine war auf dem Weg nach Bulgarien. In der dürren offiziellen Meldung bleibt offen, warum es an Bord brannte und knapp 160 Menschen sterben mussten.

Dafür gibt es eine geheime „Verschlusssache“, die erst nach dem Mauerfall ans Licht kam. Die Stasi-Experten listen in ihrer Untersuchung demnach gravierende Konstruktionsmängel auf - eine Heißluftleitung verlief in der Nähe von Elektrokabeln. Auch eine Feuerwarnanlage im Cockpit fehlte.

Doch der sowjetischer Hersteller habe Veränderungshinweise zurückgewiesen, heißt es in der Dokumentation. Die Sowjets hätten vielmehr vorgeschlagen, die Sache ruhen zu lassen - und SED-Parteichef Erich Honecker sei einverstanden gewesen. Historiker Michael Goll meint, das sei vermutlich ein Freundschaftsdienst für die Sowjets gewesen.

In anderen Fällen sei Hilfe aus dem Westen abgelehnt worden, so Goll. „Wir sind stark, wir schaffen das allein“, habe die DDR-Führung damit signalisieren wollen. Dass auch mangelnde Arbeitssicherheit, alte Technik und Planerfüllung um jeden Preis zu Unglücken mit viel menschlichem Leid führten, wurde offiziell nicht eingestanden, wie die Dokumentation verdeutlicht.

Die Katastrophen werden in einen Zusammenhang gestellt. Gezeigt wird das Muster, wie DDR-Führung und Stasi agierten. Oft wird strengstes Stillschweigen angeordnet, werden Spuren schnell beseitigt. Und: „Schuld ist nie der Sozialismus“, wie es der Titel des ersten Teils formuliert.

dpa

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