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Stasi überwachte mit erheblichem Aufwand das Staatsschauspiel in Dresden

Zeitgeschichte Stasi überwachte mit erheblichem Aufwand das Staatsschauspiel in Dresden

Als Christoph Hein 1988 „Die Ritter der Tafelrunde“ auf die Bühne bringen will, löst das viel Aufregung bei der DDR-Obrigkeit aus. In einem Vortrag am Donnerstag am Kleinen Haus zeigt Cornelia Herold von der Stasi-Unterlagenbehörde, wie groß Angst und Unsicherheit im Geheimdienst waren und wer letztlich über das Stück entschieden hat.

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Aufnahme der Stasi vom Schauspielhaus in Dresden im Jahr 1986, als der Geheimdienst wegen einer Sachbeschädigung ermittelte. Jemand hatte den Schriftzug „Im Bruderbund mit der Sowjetunion – alles für Sozialismus und Frieden“ abmontiert.

Quelle: BStU

Dresden. 1988 stellte Christoph Hein sein Theaterstück „Die Ritter der Tafelrunde“ vor Chefdramaturgen der DDR-Schauspielhäuser zur Diskussion. Das Ministerium für Kultur stellte Bezüge zum Zentralkomitee und seinem Vorsitzenden Erich Honecker fest. Damit kam das Räderwerk des sozialistischen Staates in Gang.

In einem Vortrag am Donnerstag im Kleinen Haus des Staatsschauspiels wird Cornelia Herold von der Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) schildern, wie der DDR-Geheimdienst mit reichlich Aufwand versuchte, das Bedrohungspotenzial des Stücks auszuforschen. Gleichzeitig zeigt der Vorgang, wie groß Unsicherheit und Angst im Staatsapparat zu dieser Zeit schon waren.

Eine Arbeitserlaubnis des Ministeriums für Kultur genehmigte dem Dresdner Staatsschauspiel lediglich, das Stück zu proben. Überprüft werden sollte, ob das Stück in der vorliegenden Fassung und angesichts der politischen Lage 1988/89 überhaupt gezeigt werden konnte.

Die Stasi ermittelte wegen Sachbeschädigung am Staatsschauspiel, weil jemand einen sozialistischen Spruch abmontiert hatte

Die Stasi ermittelte wegen Sachbeschädigung am Staatsschauspiel, weil jemand einen sozialistischen Spruch abmontiert hatte.

Quelle: BStU

„Die Angst war damals groß“, erklärt die Referentin gegenüber DNN. Ein Stück um einen überalterten Personenkreis, der nicht mehr handlungsfähig ist, der den Generationenkonflikt nicht bewältigen kann – die Analogie zur DDR-Staatsführung lag auf der Hand. Durfte das gezeigt werden? Selbst die Stasi-Spitzel in den damaligen Reihen des Staatsschauspiels waren sich nicht einig. Einer will es unbedingt aufführen lassen, weil es progressives Theater sei. Ein IM „Stein“ erklärt dagegen kategorisch: Die Tafelrunde gehört nicht auf die Bühne.

Die Staatssicherheit beobachtete nicht nur die Proben. Sie überwachte die Gastauftritte des Dresdner Ensembles in der Bundesrepublik Deutschland, überprüfte die reisenden Schauspieler im Vorfeld, analysierte die Stimmung unter den Schauspielerkollegen und warb inoffizielle Mitarbeiter an. Laut Cornelia Herold waren unter den 345 Mitarbeitern von Großem Haus, Kleinem Haus und Theater im Hof 1985 insgesamt 16 inoffizielle Mitarbeiter (IM), die für die Stasi spitzelten.

Heins Stück musste mehrere Test-Aufführungen überstehen, unter anderem dreimal vor ausgesuchtem Publikum. Erst dann gab es grünes Licht für die öffentliche Premiere im April 1989. „Die Entscheidung fiel letztlich bei SED-Bezirkschef Hans Modrow, die Stasi war nur Zuträger der Partei-Führung“, verweist Herold auf eine wichtige Erkenntnis.

Vortrag „Vorhang auf! Das Dresdner Staatsschauspiel im Fokus der Stasi“, Donnerstag, 27. Oktober 2016, 19.00 Uhr, Referentin: Cornelia Herold (BStU), Kleines Haus des Staatsschauspiel Dresden, Glacisstraße 28, Dresden, der Eintritt ist frei.

Von Ingolf Pleil

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