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Spiel aus dem Niemandsland - Zwei Dresdner erschaffen in Mickten ein Paralleluniversum

Spiel aus dem Niemandsland - Zwei Dresdner erschaffen in Mickten ein Paralleluniversum

Es ist, als kämen sie wirklich aus dem Nirgendwo in das verabredete Café. Das Ehepaar Ritter entwickelt in heimischer Klausur das Videospiel "Nowhere", zu deutsch "Nirgendwo".

Von ihrer Wahlheimat Dresden sehen die beiden wenig. Sie arbeiten zu Hause. So abgetaucht sind sie in ihre neue Welt, dass ihnen der Tagesrhythmus abhanden kommt. Bleich und übernächtigt erscheinen sie zum Gespräch, sie haben nur "zwei bis drei Stunden" geschlafen. Sylvia ist anfangs still, Leonard blinzelt verkniffen. Aber das Gespräch über ihr Traumprojekt wirkt mindestens so belebend wie der bestellte Latte Macchiato.

Die Ritters verfolgen ein aberwitziges Ziel. Als Duo geben sie sich den Künstlernamen "Duangle" und entwickeln auf eigene Faust ein Videospiel. Sie wissen, worauf sie sich einlassen. Er hat als Programmierer jahrelang in der Branche gearbeitet, sie ist Medienprofi. Und auch als Künstler bringen sie Erfahrung mit. Sylvia malt, Leonard macht unter dem Künstlernamen "paniq" elektronische Musik. Die beiden wirken gut aufeinander eingespielt. Leonard ringt sich trotz der Müdigkeit quirlige Kommentare ab. Sylvia beobachtet ihn amüsiert und steigt in das Gespräch ein, wenn sie sich zuständig fühlt.

Zu ihrem großen Schritt in das Unbekannte wurden die beiden fast gezwungen - mit einer Geschichte, die viele Spielemacher so ähnlich erleben. Als Spielefan freute sich Leonard anfangs sehr, als er einen festen Job in einem Hamburger Spielestudio bekam. Aber die Realität dort hatte wenig mit dem zu tun, was er sich erhoffte. Nicht kreative Selbstverwirklichung war gefragt, sondern Pflichterfüllung in einem großen Team. Nach einem festgelegten Plan wurden Konsolenspiele entwickelt. Und die sollten nicht möglichst gut werden, sondern die Vorgaben eines Auftraggebers erfüllen, der, so Leonard, "keine Ahnung hatte von Spielen".

Die Ritters waren in eine Tretmühle geraten. Aber sie schmiedeten Pläne für ihr eigenes Spiel. Als Fans der elektronischen Musikrichtung "Goa" liebten sie psychedelische Traumwelten. Als Spieler sehnten sie sich nach Abwechslung. "Etwas Originelles und Neues machen" wollten die beiden. Das war die Keimzelle von "Nowhere" - einem traumhaften Spiel, das bisher nur in Entwürfen existiert.

Die Idee: Wir befinden uns in einer Welt fernab unserer Wirklichkeit. Vielleicht in einem kleinen Mini-Universum. In diesem Nirgendwo leben die "Nowherians". Die 'Nirgendwoianer' führen ein seltsames Leben. Sie sehen aus wie Korallen in der Disko; unförmige Gebilde, in Schwarzlicht getaucht. Spieler starten als neugeborener Nowherian. Sie lernen, mit ihren Eltern und mit ihrer Gesellschaft zu kommunizieren. Es gibt tatsächlich eine eigene, einfache Symbolsprache, die man "erst einmal entschlüsseln muss". Die anderen Einwohner haben einen eigenen Willen und verfolgen eigene Ziele. Letztendlich soll "Nowhere" ein ganzes Leben in dieser anderen Welt simulieren. Was passiert, ist völlig offen. Vorher festgelegt ist nichts.

Zu zweit ein so ungewöhnliches Spiel zu entwickeln, ist eine Herkulesaufgabe. Schnell war klar, dass die Arbeit Jahre dauern würde. Geldgeber waren nicht in Sicht. So brüteten die beiden in ihrer Freizeit an der Idee, kamen aber nur sehr schleppend voran; bis ein Trend zur Rettung kam. Als "Alpha Funding" bezeichnet man in Spielekreisen ein neues Geschäftsmodell. Spielemacher erklären im Internet, was für ein Spiel sie entwickeln wollen. Wer investiert, kann die die jeweils neuesten Entwürfe herunterladen und mitverfolgen, wie ein Spiel entsteht - oder wie es zu Grunde geht. Wenn das Projekt floppt, oder der Entwickler pleite geht, dann haben die Investoren Pech.

Überraschend viele Spieler gehen das Risiko ein. Und so trauten sich auch Duangle und starteten mit ausgefeilten Plänen, einem ausführlichen Video und wenig vorzeigbaren Inhalten in das Abenteuer. Und tatsächlich: Inzwischen sind über 18 000 Euro gesammelt und die Arbeit an Nowhere läuft in vollen Zügen.

Dabei räumt Leonard die Unwägbarkeiten des Projektes offen ein: "Ich hoffe, wir haben klar gemacht, dass das riskant ist." Wer die "Alpha", also den aktuellen Entwurf herunterlädt, der sieht nur einen kleinen Ausschnitt des geplanten Spieles. Fertig werden soll "Nowhere" erst gegen Ende 2015. Und auch das ist nur eine vorsichtige Schätzung. Vielleicht wird es nie fertig. Vielleicht aber werden Sylvia und Leonard Ritter aus ihrer Wohnung in Mickten heraus eine ganz besondere Parallelwelt schaffen. Wer sie auf der Reise begleiten will, ist herzlich eingeladen. Zum Investor werden kann man für 15,50 Euro.

@www.duangle.com/nowhere

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.03.2014

Jan Bojaryn

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