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Sozialstudie statt Schlager - Neuer Dresden-„Tatort“ zu ernstem Thema

Krimi Sozialstudie statt Schlager - Neuer Dresden-„Tatort“ zu ernstem Thema

Mit der „König der Gosse“ flimmert nun der zweite Fall des neuen, weiblichen „Tatort“-Teams aus Dresden über den Fernsehschirm. Ging es im ersten Fall noch mit viel Wortwitz um die Welt der Volksmusik, ist das Thema am kommenden Sonntag ernster.

Die Kommissarinnen Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Henni Sieland (Alwara Höfels) gucken Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) fragend an - Szene des "Tatort: Der König der Gosse"

Quelle: dpa

Für die Obdachlosen ist Hans Martin Taubert (Michael Sideris) der Retter. Der beliebte Sozialunternehmer und Gründer der „Berberhilfe“ sorgt dafür, dass Menschen wie sie eine trockene und warme Bleibe haben. Drei von ihnen passen sogar als selbst ernannte „Security“ auf den von Neidern Bedrohten auf - in löchrigen Pullovern und dreckigen Jacken. Im entscheidenden Moment aber versagen sie: Der durch die Armen reich gewordene Lebemann stürzt im zweiten Fall des neuen Ermitllerteams aus Dresden nachts von einer Brücke und überlebt knapp - zunächst.

„Was genau machen wir nochmal nach Feierabend hier, wenn einer von der Brücke springt?“, mault Oberkommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) ihren Chef Peter Michal Schnabel (Martin Brambach) in „Der König der Gosse“ an, der an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist. Dabei muss die alleinerziehende Mutter noch öfter nach Feierabend ran. Nur widerwillig befragt sie die Obdachlosen Hansi, Eumel und Platte, deren Treberjargon übersetzt werden muss.

Sie erzählen, dass Taubert nach dem Treffen mit einem „Schlipsträger“ und einem Typen mit schielendem Drachen auf dem Arm von der Brücke gestoßen wurde. Der Kellner des Restaurants berichtet allerdings etwas ganz Anderes. Mit solchen Rückblenden, in denen Situationen aus verschiedenen Perspektiven mit sich widersprechendem Tenor erzählt werden, schafft Regisseur Dror Zahavi eine besondere Spannung.

Nach der vermeintlich heilen Welt der Volksmusik und des Schlagers im ersten Fall pendeln die Ermittlerinnen Karin Gorniak und Henni Sieland (Alwara Höfels) zwischen sozialem Elend und Reichtum, Korruption und Arroganz der Macht. Dabei ist nichts, wie es scheint: Tauberts Bruder konnte seine Schulden beim ihm nicht begleichen, es gab Streit mit der Konkurrenz im „Dienst“ am Rand der Gesellschaft, und die „Security“ sollte erben.

Als die Kommissarinnen den Bruder ins Visier nehmen, bekommen sie wie im ersten Fall unerwünscht weibliche Verstärkung: eine Kollegin aus dem Betrugsdezernat. Wiebke Lohkamp (Jule Böwe) kennt sich nicht nur mit der Materie aus, sondern ist offenbar mit dem Chef mehr als näher bekannt. „Ich wollte schon immer zur Mordkommission“, sagt sie. Gorniak und Sieland sind alles andere als begeistert. „Weil sie zu zweit gut funktionieren und es überflüssig finden, dass sich noch eine dritte Person in ihre Arbeit einmischt“, erklärt Höfels.

Der Schlagabtausch sorgt mit für die wenigen lustigen Szenen des Dresden-„Tatort“, der im Gegensatz zur Premiere in einer traurigen, einsamen, dunklen Welt spielt. Selbst im Zuhause der Protagonisten ist das Licht spärlich und die Atmosphäre kühl: Hennis Freund hat nicht eingekauft, sie geht mit der Akte ins Bett, Gorniak streitet sich mit Sohn Aaron.

Trotz der Sticheleien à la „Der Schnupperkurs bei der Mordkommission ist mal langsam vorbei“ kann „die Wiebke“, wie Schnabel sie zärtlich nennt, so manchen Pluspunkt machen. Denn falsche Aussagen und Fährten sowie die Verweigerung der Zeugen erschweren die Tätersuche. Fast bis zum Schluss bleibt offen, wer den exzentrischen Taubert auf dem Gewissen hat.

Feinde hatte der Geschäftsmann, der mit der Vermietung von Häusern an Obdachlose und Flüchtlinge Geld machte, genug – vom Bruder bis zum künftigen Stadtrat. Die „drei Könige“, wie Gornik die Obdachlosen um Hansi nennt, nehmen die Mördersuche wegen „Mauscheleien“ bei der Polizei schließlich in die eigene Hand - mit gravierend Folgen.

Sie haben zuvor im Kommissariat erlebt, wie Gorniak den Fehltritt ihres Sohnes Aaron „regelt“. Dabei war das Trio gerade bei Sieland zum Abendessen - mit überraschender Erkenntnis für die Kommissarin. Das Labor bestätigt: Die „Security“ wurde in der Bar mit K.o.-Tropfen ausgeschaltet. Schnabel hat indes Tauberts Gegenspieler Gerald Schleibusch im Visier, der für den Stadtrat kandidiert.

Auf der Theaterbühne kommt es zum großen Finale - mitten in einem sozialkritischen Stück mit „besorgten Bürgern“. Zuguterletzt klicken mehrfach die Handschellen. Für Schnabel und seine „Mädels“ gibt es aber kein richtiges Happy-End: „Wiebke“ steigt zum Feierabend zu ihrem Mann ins Auto, obwohl „der es mit Romantik nicht so hat“. Sieland kommt in eine leere Wohnung – Freund Ole hat sich eine Auszeit genommen – und Aaron fängt sich eine Ohrfeige.

Simona Block, dpa

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