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Rostbratwurst am Polarkreis und auf Kuba - Stumph sucht Heimatliebe

TV-Reportage Rostbratwurst am Polarkreis und auf Kuba - Stumph sucht Heimatliebe

Nach der Spurensuche zu „Go Trabi Go“ hat Wolfgang Stumph nun Menschen besucht, die in der Fremde eine neue Heimat gefunden haben. Seine neue Dokumentation „Heimatliebe“ soll auch Denkanstöße geben.

Der Schauspieler Wolfgang Stumph steht am 01.07.2016 auf dem Hausmannsturm des Residenzschlosses in Dresden (Sachsen) bei den Dreharbeiten zur Dokumentation «HeimatLiebe».

Quelle: dpa

Dresden. „Und een Schälchen Heeßer“, freut sich Wolfgang Stumph und reibt sich die eisigen Finger. Der Schauspieler und Kabarettist sitzt bei minus 18 Grad am Ufer eines zugefrorenen Flusses in Lappland – auf einem Rentierfell. Mandy Senger hat ein Feuer gemacht und Kaffee gekocht. „Ich würde nicht wieder dort leben wollen“, sagt die Hallenserin, nach ihrer alten Heimat befragt. Sie liebt die Weite, Ruhe und endlose Natur, wie Martina und Steffen Hopp oder die Familie Junghans aus dem Erzgebirge.

Die ehemalige Betriebsratschefin und der Ingenieur aus Mülsen bei Zwickau wohnen seit 2007 am Polarkreis, der nächste Ort 58 Kilometer entfernt. „Heimweh – niemals!“, sagt Martina Hopp, die zwei Hütten an Urlauber vermietet. Auf der Suche nach der Heimatliebe ist Wolfgang Stumph um die halbe Welt gereist und hat Sachsen, Sachsen-Anhalter und Thüringer nach ihren Motiven, Gefühlen und ihrem Leben befragt. Ihre Geschichten erzählt seine zweite TV-Dokumentation „Heimatliebe“, die der MDR am Sonntag (30. Oktober 20.15 Uhr) ausstrahlt.

Mehr als 1,6 Millionen Menschen haben die drei Bundesländer seit 1990 verlassen, für Stumph selbst kommt das nicht in Frage. Der 70-Jährige kam zwar in Schlesien zur Welt - wurde aber schon kurz darauf zum Flüchtling. „Das erste Mariechen, hören, sehen und fühlen kam hier“, sagt der überzeugte Dresdner. „Hier sind meine Wurzeln, von denen ich aus die Welt sehe.“ Mit „Heimatliebe“ will er nun Denkanstöße geben - auch zum Umgang mit Fremden.

„Der Film zeigt, wie wir Deutschen in der Fremde empfangen werden“, erklärt er. Gastfreundschaft, Integration, Freundlichkeit, Hilfe bei der Suche eines neuen Zuhauses sind selbstverständlich, ob im kalten Norden oder der heißen Karibik. Martina Hopp häkelt mit schwedischen Frauen, Michael Diegmann saniert Havannas Wahrzeichen, das Capitol, und Mandy Senger hilft, eine vom Aussterben bedrohte sämische Sprache zu retten – mit ihrer Band und als Lehrerin.

Auch für Anke Junghans gibt es kein Zurück. „Für mich ist Deutschland fast ein fremdes Land, das hier ist meine Heimat“, erklärt sie. Mit ihrem Mann Sven hat sie sich eine neue Existenz in Harads (Schweden) aufgebaut, die beiden Söhne essen wie ihre einheimischen Freunde Blutpudding und -eierkuchen. Auch der Thüringer Diegmann fühlt sich inzwischen eher in Havanna zu Hause, was auch an seiner kubanischen Freundin Annabel liegt. Die backt ihm Schwarzbrot und kauft auf dem Markt auch Thüringer Rostbratwurst. „Die gibt es hier dank Michael auch“, berichtet sie stolz.

Mit seiner Handkamera interviewt „Stumpi“ auch die Kubanerin Ella, die in Wien aufwuchs und in Sachsen ein zweites Zuhause hat. Für ihren Mann Wolfgang, der aus Radebeul bei Dresden stammt, ist „Kuba meine Heimat“. Mit dem Ehepaar kommt „Stumpi“ sogar in die Finca von Ellas Vater, wo einst Fidel Castro und Che Guevara auf der Veranda saßen. Bei seiner Cocotaxi-Tour durch Havanna entdeckt „Stumpi“ sogar die Dresdner Altstadt - und im Schuppen von Roberto dessen Thüringer Geliebte.

Am Polarkreis taufen ihn die Hoppes mit Eiswasser, danach gibt es Blaubeersaft und geräuchertes Rentierfleisch, in Münchens Englischem Garten teilte er sich mit Kai Pflaume einen Topf Weißwürste. „Ich bin ein Zugereister, aber ich glaube, ich bin akzeptiert“, sagt der aus Leipzig stammende Moderator, dem man den Sachsen nicht mehr anhört. „Heimat kann man nie ablegen“, meint Martina Hopp. „Sachse bleibt man immer, alleene schon die Sprache, die wird man ja ne los.“ Auch Pflaume kann sich auf Wunsch in breitem Sächsisch mit Stumph unterhalten.

„Was mich fasziniert hat, ist die Authentizität der Menschen“, sagt Stumph. Inzwischen hat er noch einen Spielfilm in Kanada gedreht, der auch mit Heimat und Zuhause zu tun hat. Dort begegneten ihm die Neugier auf das Fremde, ausgesprochene Freundlichkeit und eine No Problem-Mentalität. „Ich habe in diesem Jahr mehrfach am eigenen Leib erfahren, wie man sich fühlt als Fremder.“

Seine zweite TV-Reportage nach dem Erfolgserstling „Go Trabi Go forever“ soll Denkanstöße geben. „Durch meine Arbeit habe ich begriffen, wie nah die Probleme dieser Welt uns sind und dass unsere Heimat eigentlich diese kleine Erde ist“, erklärte er. „Wenn sie unser Haus ist und es im Erdgeschoss riecht, zieht es eben bis in den obersten Stock.“ Als Ostdeutscher spüre man das noch viel mehr, „denn vor 1989 war die Welt weit weg“.

Von Simona Block, dpa

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