Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Problem Rechtsrock: Regisseur Peter Ohlendorf stellt seinen Film in Dresden vor

Problem Rechtsrock: Regisseur Peter Ohlendorf stellt seinen Film in Dresden vor

Riesiger Andrang am Dienstagabend an der Schauburg in der Dresdner Neustadt: Mehr als 700 Leute wollten die Vorführung des Filmes "Blut muss fließen" von Regisseur Peter Ohlendorf in Zusammenarbeit mit dem Undercover-Journalisten Thomas Kuban sehen.

Die beiden thematisieren darin die im versteckten agierende Nazi-Szene und vor allem rechtsextreme Konzerte. Knapp 250 Dresdner fanden letztlich im rappelvollen Kinosaal Platz, rund 100 weitere konnten in der nahen "Grünen Ecke" eine kurzfristig organisierte Zweitvorführung sehen.

phpff32426c4d201301152310.jpg

Aufgrund der großen Nachfrage gab es eine zweite Zeitversetzte vorführung in der "Grünen Ecke".

Zur Bildergalerie

Fast fünf Jahre arbeitete Ohlendorf an dem Projekt, noch viel länger ist Kuban damit beschäftigt. Peter Kuban gibt es eigentlich nicht. Der Name ist ein Pseudonym, in der Öffentlichkeit agiert er mit dicker Sonnenbrille, Heino-Perücke und einem senfgelben Sakko. Denn der Journalist arbeitet mit weiteren Identitäten inkognito: Seit 2003 besucht er Konzerte der Rechtsextremen und filmt dort heimlich mit - immer mit der Gefahr, erwischt zu werden. Wie genau Kuban dabei vorgeht, wollte Ohlendorf in Dresden nicht verraten. "Das darf ich nicht", sagte er. Es schwebe immer die Angst mit, zu viel zu verraten und seinen Kollegen damit zu enttarnen.

Aus dem Material, laut Ohlendorf sind es weit mehr als 100 Stunden Film, ist letztlich ein Film entstanden, der viel über die Rechtsextremen preis gibt. Als "total gespenstisch" mit einer "Form der Unerträglichkeit" bewertete Ohlendorf selbst manches, was er im Rahmen der Arbeiten sah.

Von hessischen Dörfern über Geheimkonzerte in Wurzen oder Bautzen bis hin zu regelrechten Großveranstaltungen in Italien führt Kuban den Zuschauer tief in die Szene der Nazi-Konzerte hinein. Immer wieder entblößt er rassistisches und verbrecherisches Gedankengut, vom Hitlergruß bis hin zu Textzeilen, die zu Mord aufrufen. Hinzu kommen immer wieder Szenen, in denen beispielsweise Polizisten trotz Gesetzesverstößen nicht eingreifen, der damalige bayrische Innenminister Beckstein die Lage relativieren will oder Szenen, in denen Wirte vorn ihre Stammtisch-Kunden bedienen, während eine Tür weiter Rechtsrock grölt.

Die Dresdner Zuschauer ließ der Film weitgehend sprachlos zurück. Dabei ist das Problem nah, warnt Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen. Statistisch gebe es allein im Freistaat pro Woche ein Nazi-Konzert, von Bands im "Graubereich", die nicht offen rechts agieren, Nazis als Publikum aber gern mitnehmen, bis hin zu offen rechtextremen Gruppen. "Natürlich gibts das auch in Dresden", so Nattke.

In Kubans und Ohlendorfs Film kommt Sachsen gleich drei Mal vor. Unter anderem mit dem Beispiel Wurzen, wo Rechtsrock nach Ansicht der Filmmacher gefährlich nah an die Mitte der Gesellschaft herangekommen sei. Es bewege sich aber langsam etwas, ergänzt Miro Jennerjahn, der für die Grünen im Landtag sitzt. Gerade in Wurzen sei es ein zäher Kampf gewesen, da Protestierende oft genug als "Nestbeschmutzer" hingestellt würden. Inzwischen habe sich die Situation aber gebessert.

Der Film entstand zwischen 2007 und 2011 - komplett in Eigenregie, wie Regisseur Ohlendorf betont. Förderung gab es keine, selbst die Bundeszentrale für politische Bildung habe abgewunken. Die jetzige Filmtour sei "umso beindruckender", freute er sich. Zudem gebe es inzwischen Verhandlungen mit dem NDR, um den Film eventuell doch noch ins Fernsehen zu bringen.

sl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr