Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+
Nicht nur Spaßmacherin: Helga „Henne“ Hahnemann starb vor 25 Jahren

Eine lebenslustige Frau mit großem Herz Nicht nur Spaßmacherin: Helga „Henne“ Hahnemann starb vor 25 Jahren

Ihre Berliner Schnauze und ihr Herz waren riesengroß. Als richtige „Rampensau“ lachte Helga Hahnemann auch gut über sich selbst. Das Publikum liebte sie dafür. Heute trägt ein Medienpreis ihren Spitznamen „Henne“.

Die Schauspielerin und Entertainerin Helga Hahnemann bei einem Auftritt während der IFA im September 1991.

Quelle: Hubert Link/dpa

Potsdam. „Jetzt kommt die Süße, dein kleines Engelein“ - unvergessen wie DDR-Entertainerin Helga Hahnemann singend über die Bühne schwankt. Sie hat einige Kilogramm zuviel auf den Rippen, 'zig Schnäpse intus und viele Rachegedanken im benebelten Kopf. Der oftmals tief ins Glas schauende Ehemann „Hugo“ bekommt sein Fett weg. Mit ihrem berlinischen Dialekt reißt Hahnemann das Publikum mit. Als sie ihre imaginären nassen Engelsflügel schüttelt, lachen die Zuschauer.

Lange sind solche Vorstellungen her. Am 20. November 1991 starb Hahnemann im Alter von 54 Jahren. Seit 1995 trägt der Medienpreis „Goldene Henne“ ihren Spitznamen. Die Zeitschrift „Super Illu“ vergibt ihn gemeinsam mit dem MDR und dem RBB. Geehrt werden in Erinnerung an die umjubelte „Henne“ alljährlich Stars aus Sport, Musik und Fernsehen, aber auch Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.

In der DDR war die 1937 in Berlin geborene Künstlerin bekannt wie ein bunter Hund. Sie sang, tanzte und spielte im Berliner Friedrichstadt-Palast und war in vielen Sendungen im DDR-Fernsehen zu sehen. Mit „Helgas-To(p)-Musike“ hatte sie eine eigene Radioshow. Und auch den Fans der „Olsenbande“ war ihre Stimme vertraut: Hahnemann synchronisierte die Film-Nervensäge Yvonne in ihrer typischen Tonlage, ohne Punkt und Komma.

In Sketchen schlüpfte „Henne“ in verschiedene Rollen. Sie war „Diplomraumpflegerin“ Traudel Schulze, mit zünftiger ostiger Kittelschürze. Da nahm sie kein Blatt vor den Mund, äußerte sich über Gott und die Welt und den realen sozialistischen Alltag mit fehlenden Waren in den Geschäften. Mit lockerer Moderation führte sie durch „Ein Kessel Buntes“, den Quotenhit des DDR-Fernsehens. Die Zuschauer wählten „Big Helga“ mehrmals zum Fernsehliebling.

Ihre Karriere hatte die quirlige Künstlerin beim Leipziger Kabarett „Pfeffermühle“ begonnen. Fans liebten die Berliner Schnauze, kesse Lieder, aber auch die sehr gefühlvolle Hommage „100 Mal Berlin“ an ihre Heimatstadt. Sie schien nie still zu sitzen, wirkte wie Quecksilber und wollte dem Publikum immer 100 Prozent Leistung abliefern. Trotz ihrer Körperfülle konnte sie mit Profitänzern einen formvollendeten Spagat hinlegen.

Nach der Wende suchte Hahnemann ein gesamtdeutsches Publikum - handelte sich aber nur Absagen ein. Man brauchte nicht so einen Spaßmacher, schreibt ihre langjährige Autorin und Texterin Angela Gentzmer in einem Buch, das an ihre Freundin erinnert. Anfang November 1991 erfuhr „Henne“ von ihrer Krebserkrankung. Zwei Wochen später starb sie.

In Erinnerung bleibt eine lebenslustige Frau mit großem Herz. Sie spielte Skat, kochte gern und war ein Fan des US-Schauspielers Robert Redford. Auf dem Berliner „Boulevard der Stars“ hat sie seit Jahren einen Stern. Das Gemeindehaus ihres langjährigen Wohnortes Schöneiche bei Berlin trägt ihren Namen.

In diesem Jahr hatte der Medienpreis „Goldene Henne“ deutlich abgespeckt. Die stilisierte Figur einer Henne wirkt moderner und wiegt nur knapp 3 Kilogramm, früher waren es 3,5 Kilogramm. „Henne“ hätte es gefallen. Immerhin war die füllige Berlinerin sehr körperbewusst und legte Wert auf flippige Bühnenoutfits.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Medien

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr