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Neue Facebook-Seite "Humans of Dresden" will für mehr Toleranz sorgen

Neue Facebook-Seite "Humans of Dresden" will für mehr Toleranz sorgen

Wenn die Pegida-Demonstrationen der vergangenen Monate eines gezeigt haben, dann ist es die Notwendigkeit, einander zuzuhören. So gab es nicht wenige Demonstranten, die Vorbehalte gegen Flüchtlinge hatten, obwohl sie noch nie leibhaftig einem begegnet sind.

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„Ich bin stolz auf mich, weil ich mich in Dresden ganz gut schlage“, sagte diese junge Frau von sich bei „Humans of Dresden“.

Auf der anderen Seite war es für Ausländer, vor allem mit muslimischem Hintergrund, ebenfalls schwer zu verstehen, warum auf der Straße Zehntausende Menschen protestierten.

Auch wenn sich die meisten dieser Menschen mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen niemals im richtigen Leben begegnen werden, haben sie seit kurzem zumindest virtuell die Möglichkeit. Nach dem bekannten Vorbild aus New York gibt es seit dem 4. Januar die Facebook-Seite „ Humans of Dresden – Menschen in Dresden“. Einer der Initiatoren ist der 36-jährige Veit Kühne aus Radebeul. „Ich hatte die Idee bereits seit einiger Zeit. Als mir dann auch noch eine Freundin geschrieben hat, die das Gleiche vorhatte, gab mir das den letzten Anstoß“, sagt Kühne.

Eine große Rolle spielten bei den Überlegungen auch die Pegida-Demos. „Sie waren der Grund, über mehr Engagement nachzudenken“, betont der 36-Jährige. Es sei das Anliegen der Seite zu zeigen, welch große Vielfalt es in Dresden gibt. „Allerdings steht nicht die Außenwirkung im Vordergrund, um etwas für Dresdens Image zu tun. Vielmehr soll die Toleranz der Dresdner untereinander gefördert werden“, so Kühne.

Dass er und seine neun Mitstreiter einen Nerv getroffen haben, sieht man an der Anzahl der „Likes“. Nach weniger als einem Monat wurde bereits die 2000er Marke übersprungen. Die kurzen Einblicke in das Leben der Anderen scheinen die Dresdner zu bewegen. Und jeden Tag kommt eine neue Geschichte hinzu.  

Da ist z.B. die junge schwarze Frau mit krausem Haar, die erst in Dresden gelernt hat, mit ihrer Hautfarbe klar zu kommen. Auf die Frage: „Worauf bist Du stolz?“, sagt sie: „Ich bin stolz auf mich, weil ich mich in Dresden ganz gut schlage. Ich wohne erst seit fünf Jahren hier und hatte eigentlich einen ziemlich schweren Anfang. Aber dadurch, dass ich nach Dresden gezogen bin, habe ich auch irgendwie zu mir selbst gefunden, also ich akzeptier mich und meine Hautfarbe und meine Haare jetzt. Ich hatte damit viele Probleme, und in Dresden hat sich das alles zusammengefunden.“

Zu Wort kommt auch ein Pegida-Demonstrant: „Was ich im Leben mal gemacht hab? Zeitungen hab ich mal gemacht, Zeitungen verkauft. Auf der Straße, aber Du verdienst überhaupt nichts mehr, es wurde immer weniger, und es kamen auch keine Leute mehr, weil die wahrscheinlich abonnieren. Und da stehste stundenlang in der Kälte und verdienst nichts mehr. Und jetzt krieg ich die Berufsunfähigkeitsrente. Das ist aber auch nicht viel, muss man zusehen, wie man über die Runden kommt.“ Zu den Demos sagt er: „Nu, die Demo. Jeden Montag. Die ganzen Ausländer kriegen ja mehr Geld in den Arsch gesteckt als wir. Das geht auch nicht.“

Während der montäglichen Kundgebungen versuchte Veit Kühne auch den inzwischen zurückgetretenen Pegida-Anführer Lutz Bachmann zu befragen, aber dieser verweigerte sich. Dennoch ist das eher die Ausnahme. Die meisten Menschen sind aufgeschlossen, bei dem Projekt mitzumachen.

Davon war Veit Kühne auch von Anfang an überzeugt. Am Erfolg hat er niemals gezweifelt. „Ich dachte schon, dass es funktioniert“, sagt er. Zugute kam ihm dabei auch seine Erfahrung mit sozialen Netzwerken. Denn bereits lange bevor es Facebook gab, schuf er mit dem „Hospitality Club“ eines der größten sozialen Netzwerke der Welt. Darüber hinaus gründete der Radebeuler mit den „International Friends Dresden“ eine Facebookgruppe, die bereits über 4000 Mitglieder hat und Woche für Woche internationalen Menschen in Dresden eine Plattform gibt, um sich gegenseitig sowie Einheimische kennenzulernen.

Stephan Hönigschmid

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