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Makabre und gesellschaftspolitisch engagierte Themen beim Nationalen Wettbewerb des Dresdner Filmfestes

Makabre und gesellschaftspolitisch engagierte Themen beim Nationalen Wettbewerb des Dresdner Filmfestes

Im Nationalen Wettbewerb des Filmfests Dresden bekannten sich die große Jury und das Publikum zu makabren, dabei gesellschaftspolitisch durchaus engagierten Themen.

Lediglich die Jugendjury scherte aus und wählte das mediale Eifersuchtsdrama "Long Distance Call" von Falk Schuster (siehe DNN vom 19.4.) zum Favoriten. Der Goldene Reiter für den besten Spielfilm ging an die Arbeit von Philipp J. Neumann, der versuchte, sich bzw. das Publikum in die Situation eines 75-Jährigen zu versetzen, der eines Morgens aufwacht und feststellen muss, dass die Frau neben ihm gestorben ist.

Seiner Verwirrung und dem langsam aufkommenden Schmerz ist die alltägliche Routine nicht gewachsen. Irrationalität greift um sich, auch in der Dramaturgie, wobei nicht recht klar wird, ob die symbolisch gemeint oder nur ein weiteres Indiz dafür ist, dass der Film vor allem die Hilflosigkeit des Autors ausdrückt, der zum Beispiel gar nicht auf die Idee kommt zu fragen, ob die im Titel zitierte Schicksalsgöttin "Atropos" (Alte Zelluloidfabrik Produktion Leipzig) nicht vielleicht auch gnädig gestimmt war.

Ganz auf die sichere Seite begab sich das sächsische Kunstministerium bei der Vergabe des Förderpreises an "Nagel zum Sarg". Die Beichte einer Frau, die ihren unheilbar kranken Mann nach dessen jahrelangem Siechtum tötet und dann 30 Jahre lang darauf wartet, dass eines Tages die Polizei vor der Tür steht, hat Philipp Döring sehr sparsam und mit Gespür für Atmosphäre, Milieu und historische Gegebenheiten in Szene gesetzt. Freilich konnte mit dieser Geschichte, diesem Text von Wolfgang Kohlhaase und einer Schauspielerin wie Ursula Werner auch nicht viel schiefgehen.

Die Frage, die sich bei etlichen Beiträgen stellt: Darf man auf mildernde Umstände plädieren, wenn die Filmemacher mangels Erfahrung das Leben so zeigen, wie sie es sich vorstellen, statt ihm wirklich auf den Grund zu gehen?

Einen Schritt weiter ist Nora Fingscheidt, die im Finale einer missglückten Verlobungsfeier zu einem berührenden Ausgleich zwischen zwei Generationen und ganz unterschiedlichen Charakteren findet. ("Synkope", lobende Erwähnung). Der Publikumspreis ging an Mickey Nedimovic, der in seinem Film "Dva" (Zwei - filoufilm Dresden), die tödliche Begegnung eines serbischen und eines kroatischen Soldaten im Balkankrieg schildert. Eine Atempause im Zweikampf lässt sie erkennen, dass sie beide auf einer Mine stehen, die einer von ihnen gelegt hat und deren Zünder beim Verlassen auslösen würde. Die letzten Tage und Stunden in der einsamen Gebirgslandschaft lassen sie beinahe zu Freunden werden, fördern Erkenntnisse zutage, die grausam eindringlich, letzten Endes aber wie im wirklichen Leben doch scheinbar wirkungslos verpuffen.

Fast so schlicht wie der Titel "Das Haus" ist die Botschaft des preisgekrönten Animationsfilms von David Buob. Ein Mädchen kümmert sich rührend um seine Großmutter, aber deren Tochter frisst der alten immer wieder buchstäblich die frisch aufgetürmten Haare vom Kopf. Damit die Botschaft nicht gar zu plakativ ankommt, wird die simple Story verdreht und verschachtelt durch allerlei Tricks wie sich verselbständigende Spiegelbilder und andere gegenständlich/räumliche Verwandlungen.

Doch von der Bildästhetik her hatten andere Filme mehr zu bieten, etwa der im Wechsel von skripturalen und kinetischen Strukturen geprägte Streifen von Michel Klöfkorn, der den Zuschauer unter dem etwas weitschweifigen Titel "Ich fahre mit dem Fahrrad in einer halben Stunde an den Rand der Atmosphäre" auch an die Grenzen des Wahrnehmungsvermögens führt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.04.2012

Tomas Petzold

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