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Kommissarin im Dresdner Tatort: Alwara Höfels im DNN-Interview

„Düster und ernster“ Kommissarin im Dresdner Tatort: Alwara Höfels im DNN-Interview

Nach einem bunten Auftakt im Schlager-Milieu verspricht die zweite Folge des Dresdner Tatorts ein düstereres Kapitel aufzuschlagen. Am Sonntagabend läuft „Der König der Gosse“ in der ARD. Die DNN haben vorab mit Alwara Höfels gesprochen. Sie spielt Kommissarin Henni Sieland im Dresden-Tatort.

Alwara Höfels spielt im Dresdner „Tatort“ die Kommissarin Henni Sieland.
 

Quelle: MDR/Gordon Mühl

Dresden.  Nach einem bunten Auftakt im Schlager-Milieu verspricht die zweite Folge des Dresdner Tatorts ein düstereres Kapitel aufzuschlagen. Am Sonntagabend läuft „Der König der Gosse“ in der ARD. Die DNN haben vorab mit Alwara Höfels gesprochen, die die Kommissarin Henni Sieland im Dresden-Tatort verkörpert.

Frage: Frau Höfels, die erste Folge des Dresdner Tatortes „Auf einen Schlag“ hat krasse und sehr geteilte Meinungen hervorgerufen, auch in den sozialen Netzwerken ging es an diesem Sonntag hoch her. Haben Sie mit solch einer Reaktion gerechnet?

Alwara Höfels: Klar, denn das ist ja grundsätzlich das, was mit dem Tatort einhergeht. Da hat jeder seine Meinung und das ist auch richtig und schön. Letztendlich ist es ja so: Wenn etwas polarisiert, dann funktioniert es. Ich habe nichts anderes erwartet. Das war ein bunter, knalliger Auftakt.

Viele der Dresdner und sächsischen Zuschauer haben sich in der Darstellung von Michael Specht als Walther Ungerland, des „typischen Ossis“, angegriffen und missverstanden gefühlt. Wie empfanden Sie diese überspitzte Darstellung?

Wir haben das natürlich etwas überzeichnet erzählt, sind aber trotzdem nah am Menschen geblieben. Diese Rolle steht ja nicht für die komplette Dresdner Gesellschaft. Insofern finde ich es absolut legitim, so eine Figur so zu zeichnen und zu erzählen.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie in Vorbereitung auf eine Rolle sehr konkret recherchieren. Wie haben Sie sich auf den Charakter der Dresdner Ermittlerin Henni Sieland vorbeireitet?

Ich habe mit einem pensionierten Kommissar geredet, der seinen Dienst lange hinter sich hat, mir aber viel Wissenswertes zu erzählen konnte. Wir haben Schießtraining bekommen, einfach um die Körperlichkeiten zu erfahren und fitter zu werden. Das ist auch etwas, was man immer wieder auffrischen muss. So etwas vergisst man auch wieder.

Haben sie im Vorfeld versucht, das Dresdner Lebensgefühl einzufangen?

Ja klar, Dresden als solches ist ja bekannt und eine wunderschöne Stadt. Auch mit allen Widersprüchen, die sie in sich trägt. Die Geschichten sollen sich natürlich auch aus den Menschen heraus in der jeweiligen Gesellschaft erzählen. Wir sind jetzt am Anfang und stecken noch in den Kinderschuhen, das ist ein Prozess. Wir wollen den Krimi als solches ernst nehmen und relevante Themen erzählen. Da gibt es ja einige Geschichten in der Stadt, die erzählenswert sind unabhängig von Pegida. Letztendlich ist es das, was der Tatort kann.

Ralf Husmann führt beim „König der Gosse“ wieder Buch. Was erwartet die Zuschauer?

Der „König der Gosse“ ist auf jeden Fall im Look viel düsterer, in der Erzählweise ernster und richtet sich mehr darauf aus, den Krimi zu erzählen. In diesem Fall haben wir auch einen realen Skandal, der dort in all seinen Widersprüchlichkeiten erzählt wird. Es nimmt Bezug auf das Thema Obdachlosigkeit und sozialen Wohnungsbau. Das ist auch die Richtung, die wir einschlagen wollen: Reale Themen in die Fälle verflechten.

Die Ermittlerin Henni Sieland ist eine sehr impulsive und emotionale Rolle. Steckt auch ein klein wenig Alwara in Henni?

Alwara ist das Werkzeug und letztendlich steckt nicht viel von Alwara in Henni, wie auch nicht viel von Alwara in anderen Rollen steckt. Ich bin ja nur das Medium, das der Rolle Leben einhaucht. Ich bin eher die vielfältige Schauspielerin, als eine, die sich immer wieder selber spielt. Dafür stehe ich auch. Und ich hoffe, dass auf langer Strecke ein interessanter Charakter entsteht, der den Leuten etwas bedeutet und etwas in ihnen auslösen kann.

Die beiden Dresdner Ermittlerinnen Henni Sieland und Karin Gorniak sind zwei unterschiedliche Charaktere, begegnen den Zuschauern aber auf Augenhöhe. Ist es Ihrer Meinung nach das, was das Dresdner Team so besonders macht?

Ja, ich denke dass das Novum, dass zwei Frauen zusammen ermitteln, das Alleinstellungsmerkmal dieses Tatortes ist. Sie begegnen und arbeiten auf Augenhöhe, haben ein großes Vertrauensverhältnis miteinander. Diese privaten Stränge beinhalten natürlich die Chance, diese Charaktere noch nachvollziehbarer für den Zuschauer zu zeichnen und von der Funktionalität zu befreien. Darüber hinaus wird von Menschen erzählt, von Nöten nach dem Feierabend und von Menschen, die ihre Sorgen der Arbeit mit nach Hause tragen. Da ist es eben wieder: Die Geschichten erzählen sich aus dem Menschen heraus. Je klarer diese gezeichnet sind, desto besser funktioniert das Gesamte.

Im neuen Dresden-Tatort bekommen Sieland und Gorniak weibliche Unterstützung. Wird es dort zu Reibereien kommen?

Schon, aber das hat nichts mit Zickereien zu tun, sondern eher die Frage „Was macht die denn jetzt an meinem Arbeitsplatz?“

Wenn Sie nicht Schauspielerin geworden wären, was wären Sie heute?

Schauspielerin.

Ist es denn persönlich für Sie ein Traum gewesen, eine Tatort-Ermittlerin zu spielen? Das ist ja eine „würdevolle“ Aufgabe...

...und eine schöne zugleich. Weil man sich stets konstant mit der Rolle und allen Beteiligten auseinandersetzen und am Ball bleiben muss.

Haben Sie das Gefühl, dass ihre Rolle im Tatort Ihnen karrieretechnisch ein Ruck gegeben hat?

Ich bin ja vielfältig aufgestellt und habe vorher in einigen Kinoprojekten mitgewirkt. Die Popularität war also schon da, der Tatort setzt jetzt noch eine Schippe drauf. Das tut dem „Produkt“ Alwara Höfels keinen Abbruch für weitere Filme. Das kann dem jeweiligen Projekt vielleicht sogar in die Karten spielen. Ich bin vor der Kamera ein viel selbstbewussterer Mensch, als im Privaten. Da lebe ich eher zurückgezogen und bin auch eher scheu.

Haben Sie ein Lieblings-Tatort-Ermittlerteam?

Es ist immer von Film zu Film abhängig. Sehr spannend finde ich die Österreicher und das Frankfurter Ermittlungsteam. Toll finde ich auch Ulrich Tukur, weil er experimentiert und nicht so glatt ist.

Haben Sie während der Dreharbeiten in Dresden einen Ort gefunden, der Ihnen ganz besonders gefällt?

Ich finde die Neustadt toll. Die Neustadt ist eine gute Übersetzung für ein Berliner Kind wie mich. Da fühlt man sich gleich wohl in der Vielfältigkeit und in dem, was sich dort den ganzen Tag über abspielt. Das ist spannend. Während der Dreharbeiten habe ich so ein großes Pensum, dass ich der Stadt überhaupt nicht gerecht werden kann. Ich würde mich gerne einfach mal aufs Rad setzen und zum Blauen Wunder oder die Stadt zu Fuß erkunden. Da der Dresdner Tatort aber ein Format ist, das als Konstante laufen soll, werden sich sicherlich auch noch Gelegenheiten geben, die Stadt zu erkunden.

Von Juliane Weigt

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