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Klütz '87 - Wie Familienurlaub zu animierter Zeitgeschichte wird

Klütz '87 - Wie Familienurlaub zu animierter Zeitgeschichte wird

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) vergibt jährlich mehrmals Produktionsförderungen für diverse Filmvorhaben. Als einziges sächsisches Projekt erhielt in diesem Jahr bisher "Klütz '87" von Falk Schuster, produziert von der Balance Film GmbH aus Dresden, 15 000 Euro für einen Kurzfilm.

Das reicht natürlich nicht für das gesamte Vorhaben, und so haben Schuster und die Produzenten Grit Wißkirchen und Ralf Kukula weitere Mittel eingeworben, zum Beispiel beim MDR, der Mitteldeutschen Medienförderung oder der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und Neue Medien. Und damit erst kann die tatsächliche Arbeit an dem Filmprojekt beginnen.

In diesem befindet sich die Protagonisten-Familie im wohlverdienten Urlaub an der Ostsee: Kinder toben mit vor Kälte blauen Lippen im Wasser, Eltern genießen entspannt die Sonne, die Dünen und Strände, die Brandung spült Quallen an, Spaziergänger flanieren vorbei - und Grenzsoldaten. Mittagessen gibt es in der überfüllten HO-Gaststätte, Sprit nur nach endlosem Warten an der Minoltankstelle. Dieser ganz spezielle Urlaub fand 1987 in Klütz nahe der innerdeutschen Grenze statt. Eines der Kinder hieß Falk Schuster und war sieben, acht Jahre alt. Jetzt macht der gebürtige Oschatzer aus seinen Urlaubserinnerungen einen Film, einen animierten Dokumentarfilm, geplante Länge: 30 Minuten.

Ist das Thema Wende denn nicht langsam ausgeleiert?

Das habe er sich auch gefragt, als er 2011 in die Arbeit an "Klütz '87" einstieg, erzählt der mittlerweile 34-Jährige. Während der Studienzeit im Ausland auf das Leben in der DDR angesprochen, habe er immer wieder von den Familienurlauben an der Grenze erzählt, den abstrusen Gegensätzen zwischen Idylle und staatlichem Machtgebaren. "Die Geschichte ist authentisch, eine detailgetreue Beobachtung ohne erhobenen Zeigefinger", sagt Schuster. Dokumentieren will er nicht die große Politik, sondern das Kleine, Alltägliche mit all seinen kuriosen Begebenheiten.

Aus Gesprächen mit Zeitzeugen und Reiseteilnehmern, Originaldokumenten und historischem Filmmaterial soll das persönliche Reisetagebuch entstehen. Reale Filmszenen wird es aber fast nicht zu sehen geben. Zeichen- und Puppentricktechnik im Mix mit Rotoskopie - dem Nachzeichnen von Filmmaterial Einzelbild für Einzelbild - sind das Mittel der Wahl, um dem Zuschauer die Erinnerungen der Reiseteilnehmer, versehen mit Hintergrundinformationen zur Geschichte und politischen Lage aus dem Off, zu vermitteln. "Man kann es auch als ästhetische Collage bezeichnen", erklärt Schuster. Mit der Rotoskopie können die Animatoren die Filmszenen ändern, beispielsweise alte DDR-Autobahnen in den Hintergrund einfügen, die heute nicht mehr zu sehen sind.

Doch noch ist kein einziges Bild fertig gezeichnet. Der Jungregisseur, der sich bisher vor allem mit allein produzierten animierten Kurzfilmen einen Namen gemacht hat, kann ein so großes Projekt wie "Klütz '87" nicht allein stemmen. Deshalb ist die Balance Film GmbH mit im Boot, kümmert sich um Finanzierung, Drehpläne, Personal und Ausstattung, Zutritt zu Archiven und so weiter. "Das kann einer allein einfach nicht leisten", weiß Grit Wißkirchen aus Erfahrung. Sie und Kukula waren vor der Wende bei der DEFA, sehen sich mit ihrer 1993 gegründeten Firma in der Tradition des abgewickelten Dresdner Trickfilmstudios.

Sie und Falk Schuster kennen sich schon länger, wollten immer ein gemeinsamen Projekt machen. Nun hat es geklappt. Für Schuster, der sonst allein an wesentlich kürzeren Filmen arbeitet, ist die lange Vorbereitungsphase, ehe es endlich ans Filmen geht, ungewohnt, aber trotzdem spannend. Dass der MDR mit im Boot ist und den Film auch im Fernsehen zeigen wird, gibt dem Projekt eine ganz andere Tragweite. Denn von seinen animierten Kurzfilmen, mit denen er zahlreiche Preise bei Filmfestivals gewann, kann Schuster nicht leben. Dafür erledigt er Auftragsarbeiten und gibt Workshops wie zuletzt beim Filmfest Dresden. Sein nächstes Projekt soll trotzdem wieder ein kürzeres werden, verrät er.

Doch erst einmal steht "Klütz '87" an und wird nach Fertigstellung wohl auch in Dresden zu sehen sein. Grob geschätzt könnten Schusters Urlaubserinnerungen, gebannt in 30 Minuten Animationsfilm, im Sommer 2015 bei uns über die Bildschirme flimmern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.06.2014

Franziska Schmieder

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