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Jägerschnitzel statt Lasagne: DDR-Kochbücher bleiben gefragt

Bodenständige Küche Jägerschnitzel statt Lasagne: DDR-Kochbücher bleiben gefragt

Soljanka-Kochen leicht gemacht oder hübsch den Mett-Igel angerichtet: DDR-Familien beherzigten die Tipps aus Leipzig. Der Verlag für die Frau ist mittlerweile 70 Jahre alt.

Die Bücher «Wir kochen gut» und «Das Backbuch» stehen neben anderen des «Verlags für die Frau» am 24.11.2016 in einer Ausstellung in Leipzig (Sachsen). Diese Bücher standen in fast jedem DDR-Haushalt.

Quelle: dpa

Potsdam/Leipzig. Welche Zutaten gehören in einen deftigen Gulasch? Wie gelingt ein „Kalter Hund“? Und wann schmeckt ein Erbseneintopf am besten? Zwei Bücher, in denen die Antworten zu finden waren, standen in fast jedem DDR-Haushalt: „Wir kochen gut“ und „Das Backbuch“. Generationen von Familien zwischen Ostsee und Erzgebirge bezogen ihr Wissen aus diesen zwei Standardwerken. Sie wurden vom Leipziger Verlag für die Frau herausgegeben und sind nach wie vor gefragt. Der Verlag - heute heißt er Buchverlag für die Frau - wurde vor 70 Jahren gegründet.

„Zu DDR-Zeiten wurde bodenständig gekocht“, sagt Sabine Melchert, Verlags-Programmleiterin. Die Rezepte seien vor dem Hintergrund der aktuellen Versorgungslage im sozialistischen Handel entwickelt worden. „Exotische Zutaten hatten da weniger eine Chance“, sagt sie. Trotzdem finden sich auch Rezepte für Obstsalate mit Melone, Pfirsich und Bananen, obwohl diese Früchte im Laden eher schwer zu bekommen waren. „Unsere Rezepte funktionieren und die Zutaten sind heute alle einfach zu besorgen. Das ist auch unser Erfolgsrezept“, sagt Melchert.

Die Koch- und Backbücher sind im Laufe der Jahrzehnte etwas modernisiert worden. Es gibt nun Farbfotos, auch die Mengenangaben für Fett und Zucker wurden etwas reduziert. Ansonsten blieb bewusst das meiste wie gewohnt.

Der 1946 in Leipzig gegründete Verlag verdankte zu DDR-Zeiten seine Bekanntheit vor allem Modezeitschriften wie „Pramo“ (Praktische Mode), „Modische Maschen“ oder „Saison“ mit Auflagen zwischen 200.000 und 300.000 Exemplaren. Ab 1956 erschien die Zeitschrift „Sibylle“ - die Vogue des Ostens. Aus Leipzig kam auch die Zeitschrift „Guter Rat“, die heute zum Burda-Verlag gehört.

Zum Ende der DDR hatte der Verlag über 400 Mitarbeiter. Er gab zehn Zeitschriften heraus, pro Jahr erschienen 40 Bücher und 700 Schnittmuster, Handarbeitsvorlagen und handkolorierte Kunstblätter. Heute sind es nur noch vier Mitarbeiterinnen.

Nach der Wende gab es einen schwierigen Schnitt: Angesichts bundesdeutscher Konkurrenz hatte der Verlag wenig Chancen, fand aber seine Nische. Seit 2015 gehört er zur Verlagsgruppe grünes herz (Ilmenau), die auf Land- und Wanderkarten sowie auf Regionales spezialisiert ist.

„Wir setzen weiter auf Bewährtes und auf das ostdeutsche Publikum“, sagt Geschäftsführer Lutz Gebhardt. Das Backbuch ist seit 50 Jahren ein Quotenhit und in 43. Auflage auf dem Markt. Der Klassiker „Wir kochen gut“ wurde in den vergangenen 55 Jahren über fünf Millionen Mal verkauft. Es sei aber nach wie vor schwierig, an Leser im Westen heranzukommen, sagt Gebhardt. Resonanz finden mittlerweile Werke zur Natur- und Kräuterküche, zu veganer Ernährung oder modernen Küchentrends wie Quinoa und Paleo.

Kochbuch-Bloggerin Katharina Höhnk (valentinas-kochbuch.de) aus Berlin sagt: „Kochbücher sind heute Lifestyle-Produkte, die den Zeitgeist spiegeln. Man hat nicht mehr ein, zwei Bücher fürs ganze Leben, sondern ein ganzes Regal.“ Nicht klassische Rezepte, sondern der „moderne Appetit“ stünden im Vordergrund - schnell, leicht, international und mit kleiner Raffinesse. Kochbücher von heute würden mit Food-Fotografie und einem Autor bestechen, der erzählen könne.

„Es gibt aber auch die Sehnsucht nach den Wurzeln, nach der Küche aus der Kindheit“, sagt Höhnk. Dieser Trend der nostalgischen Heimat-Kochbücher halte sich seit Jahren. Bundesweit gibt es nach ihren Angaben etwa 20 Verlage, die sich auf Kochbücher spezialisiert haben. Sie erreichten in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten.

Bei dem Verlag in Leipzig entsteht auch weiter die vor über 30 Jahren begründete Minibibliothek. Bislang kamen über 300 Bände heraus. Sie sind 6,2 mal 9,5 Zentimeter klein und 128 Seiten stark. Auch in den Mini-Büchern geht es um Kulinarisches - aber nicht nur. Es gibt etwa auch Biografien oder Städteporträts.

An die Geschichte des einstigen Verlags für die Frau erinnert derzeit in der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur eine Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Exemplare der beliebten Modezeitschriften sowie Originalkleider und Bücher - bis zum 17. Dezember. Danach wandert sie weiter; zunächst nach Berlin, dann nach Königs Wusterhausen (Brandenburg).

dpa

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