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Im Interview: Christian Friedel spielt ie Hauptrolle in "Elser"

Im Interview: Christian Friedel spielt ie Hauptrolle in "Elser"

Auf der Dresdner Theaterbühne ist er "Hamlet" oder "Don Carlos". Er spielte Hauptrollen in Michael Hanekes preisgekröntem Drama "Das weiße Band" oder neben Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke in "Russendisko" und er steht mit seiner Band Woods of Birnam regelmäßig auf der Konzertbühne: Christian Friedel gehört zu den vielseitigsten Künstlern seiner Generation.

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Christian Friedel interpretiert den Hitler-Attentäter Georg Elser als "sehr stringenten, fokussierten Menschen".

Quelle: Lucky Bird Pictures

Nun ist der 36-jährige in Oliver Hirschbiegels Drama "Elser - Er hätte die Welt verändert" in der Hauptrolle des visionären Hitler-Attentäters Georg Elser zu erleben, dessen Anschlag im Bürgerbräukeller München sein Ziel nur deshalb verfehlte, weil Hitler den Ort früher als geplant verließ. Heute Abend kommt Christian Friedel zu Gespräch und Filmvorführung ins Dresdner Programmkino Ost (ausverkauft). André Wesche sprach vorab mit ihm.

Frage: Kannten Sie die Geschichte des Georg Elser?

Christian Friedel: Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von Elser bis dahin noch nichts gehört hatte, nicht einmal im Geschichtsunterricht in der Schule. Ich wusste nur, dass es ein Attentat im Bürgerbräukeller gegeben hat. Woran das liegt, kann ich schlecht sagen. Wenn man das Drehbuch bekommt, beschäftigt man sich natürlich intensiv mit dem Charakter und der Geschichte. Das hat mich wahnsinnig fasziniert.

Was für ein Bild haben Sie sich von "Ihrem" Elser geschaffen?

Unser Film basiert natürlich auf realen Ereignissen und nimmt gerade bei den Verhörszenen auf die Original-Protokolle Rücksicht. Alles andere ist aber eine Form der Interpretation, die wir liefern. Somit war die Freiheit gegeben, sich ein eigenes Bild von ihm zu machen. Ich persönlich sehe Elser als einen Menschen mit einer großen, intelligenten Emotionalität. Er war sehr freiheitsliebend und er genoss auch die Frauen, die Musik und das Leben. Seinem Elternhaus stand er sehr zwiespältig gegenüber. Der betrunkene Vater war keine Respektsperson. Die Mutter ging in ihrer Religion auf. Das hat in ihm wahrscheinlich eine gewisse Aggression oder Wut hervorgerufen, die später von den Alltagsbeobachtungen verstärkt wurden, die er gemacht hat. So ist er zu einem sehr stringenten, fokussierten Menschen geworden, der diese kompromisslose Tat organisieren und durchführen konnte.

Gerade die Verhörprotokolle sind natürlich auch subjektiv gefärbt. Wurde das berücksichtigt?

Die Drehbuchautoren haben beide sehr gut recherchiert und auch mit Wegbegleitern Elsers gesprochen. Ich konnte seinen Neffen leider erst nach dem Dreh treffen. Zum Glück erzählte er mir einige Dinge, die auch in unserem Film so beschrieben werden. Die Protokolle sind natürlich immer vom Beamtendeutsch der Nazis beeinflusst. Deswegen muss man mit der Behauptung vorsichtig sein, dass das die Sprache des Georg Elser war.

Wie haben Sie sich auf die Folterszenen vorbereitet?

Oliver Hirschbiegel, der Regisseur, hat mir einen Aufsatz über Verhörtechniken im Zweiten Weltkrieg gegeben und meinte, dass da alles drin steht. Das hat mich zutiefst beunruhigt. Eigentlich wollte ich aber, auch wenn das jetzt vielleicht ausgedacht klingt, gar nicht so viel darüber wissen, sondern es im Moment zulassen. Wir haben eine Woche lang in diesem Verhörraum gedreht, eingeschlossen in diesem engen Set mit starren Kameraeinstellungen. Zunächst sind wir durchgegangen, was alles passieren wird. Der Stuntman schlug vor, dass ich in diesen Szenen gedoubelt werde, aber das wollte ich nicht. Nicht, dass ich einen auf Tom Cruise machen will. Ich wurde nicht verletzt, ich hatte nur blaue Flecken auf dem Kopf vom Haare ziehen und am Körper von diesem unbequemen Bettgestell. Mit den Gewaltexzessen, die Georg Elser aushalten musste, ist das natürlich nicht ansatzweise vergleichbar. Trotzdem war es eine harte Woche.

Weshalb werden Sie mit Vorliebe für historische Filme besetzt?

Es stimmt, bis auf den Polizeiruf, der am 1. März lief, habe ich noch nie etwas in der Gegenwart gespielt. Manche Schauspieler haben so ein historisches Gesicht. Und ich habe das Gefühl, dass ich auch eines habe. Ich finde das ja toll, ich bin Schauspieler geworden, weil ich mich verwandeln und gern auch in frühere Zeiten abtauchen will. Ich möchte mich aber nicht festlegen. Wenn man automatisch den Friedel besetzen würde, wenn man Weltkriegsfilme dreht, wäre das auch langweilig. Man muss ein bisschen aufpassen, dass man nicht in eine Schublade gerät. Aber sollten meine Angebote so vielschichtig und bunt bleiben wie derzeit, hätte ich nichts dagegen.

Das große Thema des Filmes ist Zivilcourage. Hinterfragt man, wie man in der damaligen Zeit selbst gehandelt hätte?

Absolut, diese Frage hat mich sehr beschäftigt. Ich wüsste nicht, wie ich gehandelt hätte. Natürlich können wir mit unserem Wissen 70 Jahre nach Kriegsende immer leicht sagen, dass wir alle Revoluzzer gewesen wären. Aber das glaube ich nicht. Den Mut, den ein Georg Elser aufbrachte, hatten bestimmt nur wenige. Ob ich diese Courage gehabt hätte, wage ich doch zu bezweifeln. Aber ich bin, genau wie Elser, sehr freiheitsliebend. Ich habe oftmals ein Problem mit Autoritäten. Wenn ich mich eingeschränkt fühle, kann das zu ziemlichen Spannungen führen. Ich hätte damals bestimmt eine große Wut im Bauch gehabt. Aber ob ich mich deshalb dem Widerstand angeschlossen hätte?

Warum geht der mutige Elser nicht dazwischen, als seine Geliebte Elsa von ihrem Mann verprügelt wird?

Ich habe es immer so interpretiert, dass er nicht entlarven will, wie viel ihm an ihr liegt. Deshalb bleibt er auf Abstand. Es gibt eine Szene, die der Schere zum Opfer gefallen ist, die das noch mehr verdeutlicht. Elser wird Zeuge eines solchen Vorfalls und kann nicht wirklich damit umgehen, greift zum Akkordeon und versucht seine Aggressionen in Musik rauszulassen. Man sieht die Sequenz kurz in den Rückblenden. Elser hadert und kämpft, hat aber noch nicht den Mut, zu dem er später finden wird.

Wenn Sie Georg Elser eine Frage stellen dürften, welche wäre das?

Mich würde sehr interessieren, ob er auch seine Flucht wirklich geplant hat und ob er die Folgen durchdacht hat, wenn er gefasst werden würde. Er wurde an der Grenze verhaftet und es kam mir immer so leichtfertig vor, dass er die belastenden Dinge bei sich getragen hat. Angeblich, um sich in der Schweiz als der Attentäter zu erkennen zu geben und um Asyl zu bitten. Mir kam es so seltsam vor, dass er festgenommen wurde und klare Indizien mit sich führte. Danach würde ich ihn sehr gern fragen.

Was wäre passiert, wenn Elsers Attentat erfolgreich gewesen wäre?

Ich bin nicht so ein Fan des Konjunktiv. Er ist immer interessant für die Fantasie, bringt aber letztendlich nicht so viel. Es gibt verschiedene Theorien, die wir auch am Set durchgespielt haben. Ich kann es nicht genau sagen. Manche behaupten, wenn Hitler zu einem so frühen Zeitpunkt getötet worden wäre, hätte er zum Märtyrer werden können. Ob der Krieg und die Verbrechen verhindert worden wären, ist eine spannende Frage, auf die es keine Antwort geben kann.

Was lehrt uns Georg Elser heute?

Wenn wir diesen Film sehen, sollten wir uns eine Scheibe abschneiden und sagen, dass wir in diesem demokratischen System eine Stimme haben, die wir mit großer Sorgfalt auch einsetzen sollten. Politik fängt bereits in der Familie an. Man sollte viel mehr über die Dinge des Lebens reden und einen offenen Blick bewahren. Elser inspiriert dazu.

Christian Friedel ist heute ab 19.45 Uhr zu Gast beim Filmgespräch bei Körners Corner im Programmkino Ost, anschließend läuft "Elser". Die Veranstaltung ist ausverkauft.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.04.2015

André Wesche

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Von Redakteur Andre Wesche

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