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„Hochwasser Dresden“ und „Elbpegelstand“ – Dresdner organisieren Hochwasserhilfe im Internet

„Hochwasser Dresden“ und „Elbpegelstand“ – Dresdner organisieren Hochwasserhilfe im Internet

Unaufhaltsam ist der Pegel bis in die Nacht auf Donnerstag nach oben geklettert. In vielen Dresdner Stadtteilen wie Pieschen, Laubegast, Gohlis und Zschieren herrschte tagelang Ausnahmezustand.

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Quelle: Hauke Heuer

Tausende freiwillige Helfer fuhren zu den von der Elbe bedrohten Stadtteilen und stapelten Sandsäcke. Organisiert haben sie sich vor allem via das Internetportal Facebook. Auf Seiten wie „ Hochwasser Dresden“, „ Elbpegelstand“ und „ Fluthilfe Radebeul“ haben sich die Helfer organisiert.

Von Menschen für Menschen: Anlaufstellen für Betroffene und mögliche Helfer

„Für Deutschland ist das zweifellos eine neue Entwicklung“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bei der Jahrhundertflut 2002 hätten die sozialen Netzwerke noch in den Kinderschuhen gesteckt. International würden Facebook und Twitter mittlerweile schon stärker bei Katastrophen eingesetzt - etwa bei dem Erdbeben in Haiti.

„Vieles passiert momentan spontan“, sagt Neuberger zu der Situation in den Hochwassergebieten. „Es wäre gut, wenn es eine zentrale Stelle gebe, die so etwas wie eine Art redaktionelle Prüfung übernimmt“, regt er an. Das könne eine Kommune, oder auch eine Hilfsorganisation sein. Damit könnten Falschinformationen herausgefischt und korrigiert, Hilfe aber auch koordiniert werden.

„Wir haben am Mittwochmorgen spontan die Seite Fluthilfe Radebeul ins Lebe gerufen und am Donnerstagmorgen hatte schon rund 2000 Leute auf Gefällt-mir gedrückt“, erzählt Administratorin Sophie Ruby. Gemeinsam mit ihren Kollegen David Schmidt muss sie eigentlich krank geschrieben das Bett hüten. „Wir wollten aber nicht tatenlos herumsitzen und trotzdem helfen.“ Auf der Seite posteten seit Mittwoch Helfer und Hilfesuchenden ihre Nachrichten und organisierten so ein einmalige Hilfeaktion am Dorfanger in Altkötzschenbroda.

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Lage an der Erbgerichtsklause am 5. Juni 2013 (Foto: rand OM via Google+)

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 Auch die Mitarbeiter vom Fitnessstudio Formel 4 haben sich auf der Facebookseite registriert, um zu helfen. „Wir haben von einem Mitglied den Hinweis bekommen, dass sich die Helfer über Facebook organisieren“, erzählt eine Mitarbeitrein. Im Fitnessstudio stehen seit Mittwoch zahlreiche Helfer rund schmieren Brötchen und verteilen die Lebensmittel und Getränke an die Helfer. „Wir bekommen so viele Spenden von den umliegenden Lebensmittegeschäften, wir sind überwältigt“.

 Auch Brigitte Mätz hat in dem sozialen Netzwerk inseriert, um zu helfen. „Ich bin gerade mit meiner Tochter zusammen krank geschrieben und kann so auf der Straße leider nicht mit anpacken. Um aber doch irgendwie zu helfen, habe ich angeboten, Kleintiere von Flutopfern aufzunehmen.“ Christian aus Dresden hat am Mittwochnachmittag mit seinem Transporter säckeweise Sand durch Dresden gefahren. „Es war sehr anstrengend. Aber das Gefühl, man kann wirklich helfen, macht das alles wieder wett.“

Helfen will auch die hochschwangere Sara, die schon etwas bewegungseingeschränkt ist. „Eine Freundin und ich haben uns zusammengetan und möchten die Flutopfer gerne mit Kindersachen und Kuscheltieren unterstützen. Wir fahren morgen vom Kurort Hartha nach Dresden und verteilen die Sachen.“

Doch nicht alles passt und funktioniert: Denn die Stärke der sozialen Medien ist zwar, dass sie schnell und mobil verfügbar sind - und zu spontanen Zusammenschlüssen führt. Dennoch betrachten Behörden und Kommunen das spontane Anpacken bisweilen mit Sorge. So hätten zum Beispiel eine über das Internet organisierte Gruppe ohne Anweisung Säcke auf einen Deich bei Dresden geschleppt, erzählt Katrin Schöne, Sprecherin der sächsischen Landestalsperrenverwaltung. „Teilweise waren sie mit Anhänger und Traktor gekommen.“

Dabei sei das weder notwendig noch nützlich gewesen. Ein Meter Sandsackmauer wiege eine Tonne, die dann zusätzlich auf den Deich drücke. Das Gewicht könne zu einem Abrutschen führen. Wer helfen will, solle sich besser an die Krisenstäbe wenden.

Überhaupt wirken die Aktionen in den Hochwasser-Städten bisweilen noch wie das Internet selbst: Vieles schwirrt umher, einige versuchen den Überblick zu bewahren. Der Unterschied: Während Facebook und Twitter nie schlafen gehen, lassen bei den Helfern irgendwann doch die Kräfte nach.

Julia Vollmer / dpa

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