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Hochkarätiges beim Internationalen Wettbewerb des 25. Filmfests Dresden

Hochkarätiges beim Internationalen Wettbewerb des 25. Filmfests Dresden

Mit 25, da blickt man schon auf einen gewissen Erfahrungsschatz zurück, verfügt über ein wenig Reife, hat zugleich aber noch genügend Elan, Optimismus und Aufbruchsstimmung, um sich kopfüber in ein Abenteuer zu stürzen.

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Der knapp halbstündige Film "Molllement, un samedi matin" von Sofia Djama spielt in Algiers.

Quelle: Filmfest

Und genau so stellt sich das diesjährige Filmfest Dresden dar. Der Spagat zwischen Rückblick und Vorwärtsdrang gelingt - in jedem Block des Internationalen Wettbewerbs allein durch vorangestellte MDR-Beiträge über das Festival aus vergangenen Jahren. Kompliment!

Die Filme dieses Wettbewerbs selbst befinden sich in diesem Jahr fast durchgängig auf sehr hohem Niveau. Ausnahmen bestätigen da eher die Regel wie "Na Kvadra" aus Kroatien über ein lesbisches Paar, das pausenlos redet. Darüber kann man wirklich nur den Mantel des Schweigens decken! Zumal sich ansonsten zeigt, dass die Kurz- und Animationsfilme-Macher wirklich filmisch denken und Sprache sparsam und gezielt einsetzen. Da wird mit Tönen und Musik gearbeitet, vor allem aber mit Bildern, mit Einstellungen, mit Licht, mit Bewegung. Wie in der kleinen (nord-)französischen Geschichte "Avec mon p'tit bouquet" über eine Eheschließung im Gefängnis. Die gut elf Minuten leben komplett durch die Schauspielkunst der Hauptdarstellerin Stéphane Mercurio, die allein durch ihre Mimik und Gestik die ganze Tragik des emotionalen, niemals kitschigen Films verkörpert. "En attendant le dégel" der belgischen Regisseurin Sarah Hirtt ist ein melancholisches Roadmovie um zwei Verlierer und ihre Schwester, das überall spielen könnte. Überall, wo man sich bei einem Umzug auf einsamen Straßen in verschneiten Bergen verirren kann. Gedreht wurde der Streifen bei 20 Grad minus, erzählt Hirtt, die mit diesem Abschlussfilm der Filmhochschule Brüssel für die Schulfilm-Kategorie der Filmfestspiele Cannes nominiert ist.

Waren in den vergangenen Jahren die Briten stets breit vertreten, so gibt es 2013 von der Insel kaum etwas zu vermelden. Auswirkungen der Krise, der mit dem Rasenmäher gekürzten britischen Kulturausgaben? Vermutlich. Der Humor wird schmerzhaft vermisst, wenngleich "Doghouse" von der Nachbarinsel Irland schon sehr vergleichbar daherkommt. Hier wird die Krise bitterböse auf eine Person zugespitzt erzählt. Das Lachen über den von Gerichtsvollziehern belagerten dicklichen Verlierer bleibt einem zunehmend im Hals stecken.

Am meisten Eindruck jedoch machte "Molllement, un samedi matin". Der knapp halbstündige Film von Sofia Djama spielt in Algiers. Von Anfang an spüren wir geradezu den klebrigen Dreck der heißen Großstadt auf der Haut, wenn die junge Frau spät nach Hause kommt. Während sie in dem heruntergekommenen Hochhaus auf den Aufzug wartet, versucht ein Jugendlicher sie zu vergewaltigen. Er scheitert - nicht an ihrer Gegenwehr, sondern an seiner eigenen Unfähigkeit. Die Frau erreicht ihre Wohnung, wo es kein Wasser gibt. Ihr bleibt nichts, als sich mit einem fast trockenen Waschlappen abzureiben. Wieder ist die Situation regelrecht körperlich spürbar. Am nächsten Tag erlebt sie ähnliche Funktionslosigkeit, vergleichbares Versagen auf der Polizeiwache, wo sie ihren Angreifer anzeigen will. Auch diese Regisseurin ist zu Gast in Dresden, sie erzählte, dass sie den totalen Stillstand Algeriens thematisieren wollte, eines Landes, von dem alle gedacht hätten, nach den Revolutionen in Tunesien und Ägypten würde auch dort etwas in Bewegung geraten.

Ein absolutes Highlight im Animationsfilm-Bereich ist "Breathe" aus Taiwan. Rund sechs Minuten poetische, surreal wirkende Bilder zu vorantreibenden Klavierklängen. Wir befinden uns inmitten einer nächtlichen Stadt, die Lichter der Straßen erscheinen und vergehen, verschwimmen, glänzen neu auf. Schönheit! Wie Regisseurin Lin Ching Hsuan erläuterte, besteht der Streifen tatsächlich aus einzelnen Fotografien von Zeichnungen auf dem beschlagenen Seitenfenster ihres Autos. Ebenfalls großartig: Gleich drei Filme, die sich auf die eine oder andere Art um Tiere drehen: In dem traurig-verträumten "Edmond était un âne" geht es um einen kleinen, fleißigen Angestellten, der mit einem Eselshut endlich seine Identität findet; "Posledny autobus" ist ein Gleichnis auf menschliche Gesellschaften, wenn Waldtiere zur Jagdsaison in einem klapprigen Reisebus flüchten, und "Ursus" dreht sich um einen Zirkus-Bären, der sich nach einem wilden Leben sehnt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.04.2013

Beate Baum

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