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Fragestunde für Cineasten: Rumpelkammer im Dresdner Kino in der Fabrik lockt Filmfreunde an

Fragestunde für Cineasten: Rumpelkammer im Dresdner Kino in der Fabrik lockt Filmfreunde an

Aufblende: Zu schweren Orgelklängen schreitet ein runzlig geschminkter Vampirgraf die Burgstufen hinab, begrüßt den Neuankömmling, die Schatten fallen bedrohlich.

Abblende, das Ganze von vorn: Diesmal sitzt der Blutsauger im Sessel, die Begrüßung gerät komödiantischer, beim dritten Mal findet sie in expressionistischem Schwarzweiß statt. Frank Apel fordert die Besucher der sechsten Rumpelkammer im "Kino in der Fabrik" vergnügt mit noch zwei weiteren Dracula-Adaptionen heraus und stellt dann seine Fragen: Wie hießen die Filme, wer steckte im Dracula-Kostüm, und welche Regisseure haben das Ganze ausgeheckt?

In der Rumpelkammer, die nach Apels Abschied von der Schauburg (wo sie noch ohne Quiz, aber als geselliger Treff mit Filmausschnitten und Plakatversteigerung bereits zum festen Programm zählte) ins von seiner Frau, Conny Apel, geleitete KiF umgezogen ist, kommen Filmfreunde jeder Altersklasse zusammen, die (nicht nur) mit den größten Leinwand-Vampiren auf Du sind, sondern auch ihren Kinski von ihrem Polanski unterscheiden können. An jedem letzten Freitag im Monat führt Apel diesen unterhaltsamen Rundgang durchs kleine und große Film-Einmaleins an; die Besucher dürfte in erster Linie einen, dass sie das Kino so bedingungslos lieben wie die Gastgeber, die als vorurteilslose Cineasten Filme jeder Gattung und geographischen Herkunft ins Mittelpunkt des Quiz rücken: New Hollywood trifft asiatisches Kampfsportkino, tschechische Komödie gesellt sich zum Westernklassiker.

Aufmerksam und mit gezücktem Stift werden die Filmausschnitte von den 13 Rateteams gemustert: Manfred Krug als kotelettenumrankter Elbkapitän? Geschenkt, das weiß der gelernte DDR-Kinogänger. Aber wie hieß nochmal der kartoffelquetschende "Seewolf" von anno dazumal? Und wie prägt man sich die bizarren Todesszenen der makabren Horrorreihe "Final Destination" am besten ein? Die von Apel in liebevoller Kleinarbeit und mittels seines heimischen Filmarchivs raffiniert ausgeheckte, anspruchsvolle Fragerunde (die er, wie er freimütig zugibt, ohne vorherige Recherche selbst auch nicht zu 100 Prozent beantworten könnte) avanciert immer mehr zu einer festen Institution der cinephilen Dresdner Szene, die zwar auch nicht immer komplett darüber im Bild sein dürfte, wie viele Oscars Bob Fosses "Cabaret" gewonnen hat oder in welchem sowjetischen Epos Aljoscha im brennenden Ölfeld verendet, die aber in der gediegenen Atmosphäre des Schwarzen Salons im KiF das gemeinsame Mantra anstimmt, den Refrain aus "Wie hieß sie nochmal" und "Wer hat den eigentlich gedreht". Lust zum Weiterschauen und den Empfehlungen derer, die das Kino lieben und leben, zu folgen, stellt sich in jedem Fall ein.

Neben der Institution selbst ist auch der gute Zweck der Rumpelkammer mit ins KiF umgezogen - mit dem Eintrittsgeld und den Versteigerungserlösen möchte das Kino in absehbarer Zeit (in Kooperation mit dem Verein KinoFabrik) einen Aufzug finanzieren, um barrierefreien Zugang zu den Sälen zu ermöglichen. Auch wenn dem Unterfangen von Herzen baldiger Erfolg zu wünschen ist, fürs Erste wird Frank Apel noch einige Videobänder sichten und verzweigte Fragebögen ersinnen müssen. Und das kann für die Dresdner Filmfreunde keine schlechte Nachricht sein.

Die nächste Rumpelkammer wird nach der Sommerpause am 26. September im KiF (Tharandter Straße 33) stattfinden. Infos zum Programm und zur Anmeldung unter www.kif-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.04.2014

Wieland Schwanebeck

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