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Filmträume für die ganze Welt: Studio Babelsberg in Potsdam feiert 2012 seinen 100. Geburtstag

Filmträume für die ganze Welt: Studio Babelsberg in Potsdam feiert 2012 seinen 100. Geburtstag

In den letzten Jahren zieht es auch Hollywood immer wieder nach Babelsberg. Die Filmstadt hat einen Ruf, der nicht nur etwas mit vergleichsweise niedrigen Kosten zu tun hat, sondern auch mit der Professionalität, mit der im Potsdamer Stadtteil gearbeitet wird.

So entstanden die Innenaufnahmen hier zu "Inglourious Basterds" in Babelsberg, Szenen zu "Der Pianist" (2003), "Die Fälscher" (2008), "Der Vorleser" (2009) oder "Das weiße Band" (2010). Vier Oscars haben die Potsdamer Produzenten bisher eingeheimst, angefangen 1929, als Emil Jannings bei der allerersten Oscar-Gala für "Sein letzter Befehl" ausgezeichnet wurde. Er war US-Produzenten der Paramount in "Der letzte Mann" und "Varieté" aufgefallen. Beides Produktionen aus Babelsberg.

Schon in diesem, aber erst recht im nächsten Jahr wird in Babelsberg Jubiläum gefeiert: 1911 wurde der Grundstein zum heutigen Studiogelände gelegt, ab 12. Februar 1912 der erste Film gedreht, der dänische Stummfilm "Der Totentanz". Damit beansprucht Babelsberg zu Recht, das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt zu sein. Exakt am ersten Drehtag hundert Jahre später wird es in der Marlene-Dietrich-Halle einen Festakt geben. Diese Halle blickt ebenfalls auf eine große Tradition zurück. In ihr zimmerten 1926 Arbeiter das "Metropolis" von Fritz Langs utopischem Drama. Am 12. Februar 2012 wird erstmals der als Fragment überlieferte Film "Totentanz" mit Asta Nielsen in der Hauptrolle in einer rekonstruierten Fassung wiederaufgeführt. Zeitgleich laufen zwei Ausstellungen im Filmmuseum Potsdam und der Deutschen Kinemathek in Berlin. Dort sind in bisher nie gezeigter Fülle Einblicke in das filmische Wirken von Ufa und Defa, aber auch aus französischen und US-Studios zu sehen.

Erstaunlich, dass gerade Babelsberg, im Osten der Stadt Potsdam gelegen, die Wiege des deutschen Films wurde. 1833 erhielt Schinkel von Kaiser Wilhelm I. den Auftrag für den Entwurf eines Schlosses für seine Frau Augusta. Durch diesen Anschub entstand ein bürgerlicher Stadtbezirk, in dem später auch Matthias Platzeck, heute Ministerpräsident von Brandenburg, aufwuchs. Er war seit frühester Kindheit ein Filmenthusiast und wird beim Festakt eine Rede halten. Die alte Bebauung ist noch weitgehend vorhanden, aber der Stadtbezirk lebt von seinem Ruf als Medienzentrum. Babelsberg Film, wie das Unternehmen offiziell heißt, zählt mit Constantin, Senator und Bavaria Film zu den größten deutschen Produktionsfirmen. Gedreht wird auf dem eigenen Gelände und im benachbarten Berlin, dafür wurden 2010 rund 110 Millionen Euro ausgegeben. Die Filmbranche in Brandenburg-Berlin wächst dynamischer als andere Branchen.

Brad Pitt stand in Babelsberg vor der Kamera, Till Schweiger drehte seine Klamotte "Zweiohrküken" und Liam Neeson tauchte für den Thriller "Unknown Identity" in einem 500 Liter fassenden Wassertank ab - Deutschlands größte Anlage für Dreharbeiten über und unter Wasser. Der indische Megastar Shah Rukh Khan fiel mit einer Riesenentourage aus Bollywood für den Actionstreifen "Don 2" ins Studiogelände ein, auch er machte sich im Tank nass. Cate Blanchett agierte im Verschwörungsthriller "Hanna" und Peter Jackson hat "In meinem Himmel" gedreht. Ein logistischer Kraftaufwand war Roland Emmerichs Shakespeare-Drama "Anonymous", das noch im Kino läuft.

Dass Babelsberg wirtschaftlich prächtig dasteht, ist vor allem Regisseur Volker Schlöndorff (Die Blechtrommel) zu verdanken, der 1992 bis 1997 seine eigene Karriere stillgelegt hatte, um Babelsberg nach dem Ende von DDR und Defa neu an den Start zu bringen. Der Oscar-Preisträger lockte im Auftrag des französischen Konzerns Vivendi Universal die Hollywood-Bosse in die brandenburgische Provinz und versprach ihnen Kinoträume für die große weite Welt. Die Bundeskulturpolitik flankierte das, heute werden alle in Babelsberg produzierten Filme über den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) mit 20 Prozent Anteil unterstützt. Hollywood wird also von Deutschland subventioniert. Wenn man sämtliche Investitionen der Film- und TV-Produktion in Babelsberg zusammenrechnet, kommt man nach Schätzung der Investitionsbank Berlin an die Drei-Milliarden-Grenze. Mehr als 160 000 Beschäftigte in 16 000 Firmen im Großraum Berlin-Brandenburg verdienen daran mit.

Babelsberg verschafft ganz Deutschland Glamour. Deshalb verlangt das Medienboard Berlin-Brandenburg noch mal zuzulegen bei der Filmförderung, denn das Interesse an internationalen Großproduktionen ist ungebrochen. Der Standort muss aber konkurrenzfähig gehalten werden. Deshalb gibt es auch zur Berlinale 2012 die Retrospektive "Happy Birthday, Studio Babelsberg" mit zehn Filmen, für jedes Jahrzehnt einen. Außerdem erhält das Studio Babelsberg eine der begehrten Berlinale Kameras.

Allein vier Filme der Retrospektive (Die Mörder sind unter uns, Das Kaninchen bin ich, Goya, Das Haus am Fluss) kommen aus jenen 46 Jahren, in denen die Defa in Babelsberg zu Hause war und rund 700 Spiel-, 750 Trick- und 2250 Dokumentar- und Kurzfilme fürs Kino und fürs Fernsehen produzierte. Dazu gehören "Ehe im Schatten", "Der Untertan", "Berlin - Ecke Schönhauser", "Ich war neunzehn", "Die Legende von Paul und Paula" - und "Jakob der Lügner, die einzige Oscar-Nominierung der Defa. Roland Mischke

Dauerausstellung: Filmpark Babelsberg, April-Okt. geöffnet tägl. 10-18 Uhr, www.filmpark-babelsberg.de

Ausstellung "Traumfabrik. 100 Jahre Film in Babelsberg". Filmmuseum Potsdam, Marstall, Breite Str. 1 A, Tel. 0331 2718112, geöffnet Di-Sa 10-18 Uhr

Ausstellung "Am Set: Paris - Babelsberg - Hollywood 1910 bis 1939". Bis 29. April 2012, Potsdamer Str. 2, Berlin, Tel. 030 3009030, geöffnet Di-So 10-18, Do bis 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.12.2011

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